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Porsche 356 Outlaw

Rod Emory's gesetzlose Porsche 356

Porsche 356, 356 Outlaw, USA, Reportage, Impression Foto: Dani Heyne 17 Bilder

Während seine Freunde mit Lego spielten, steckte der kleine Rod Emory im Porsche-Lager seines Vaters fleißig Autoteile zusammen und fand heraus, was wo passt. Heute baut er abgefahrene 356er in Kalifornien.

14.05.2016 Dani Heyne

Wenn die ersten Jahre die prägenden sind, dann hatte Rod Emory verdammtes Glück. Er wuchs schließlich in einer Familie mit besonders autoverrückten Typen auf. Sein Opa war ein Meister der Bleche, der ab 1948 im eigenen Body Shop die Fords und Chevys verfeinerte. Als einer der ersten schnitt er komplette Karosserien horizontal auf, um sie anschließend ein Stück verkürzt wieder zusammenzusetzen. Im Englischen heißt das Sectioning. Danach sahen sie cooler aus, ohne sofort zu verraten, warum. Rods Vater startete seine Karriere bei einem großen VW- und Porsche-Dealer in Kalifornien, wurde dann Leiter der Ersatzteilsparte und bekam Ende der 60er mit, wie man aus Platzgründen riesige Mengen Neuteile für ältere Modelle entsorgen wollte – die Lagerhäuser quollen über. Er zögerte nicht lange, kaufte alles günstig auf und gründete Anfang der 70er eine Firma für Porsche-Originalteile. Zielgruppe: 356- und frühe 911-Fahrer.

Reichlich Porsche-DNA

Diese Einführung war wichtig, um sich Klein Rod vorstellen zu können, wie er schon kurz nach seiner Geburt 1974 in den Regalen voller Porsche-DNA herumkrabbelte und spielerisch herausfand, was in der luftgekühlten Welt wie zusammenpasst. An den Wochenenden lernte er von seinem Opa, wie sich Bleche perfekt formen lassen, wie sie verzugfrei eingeschweißt werden – kurz: Wie man mit dem richtigen Handwerk eine Karosserie verfeinert.

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Reportage USA Porsche 356 Outlaw
auto motor und sport 08/2016
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Porsche 356, 356 Outlaw, USA, Reportage, ImpressionFoto: Dani Heyne
Der Meister in Aktion: Fast jeden Tag ist Emory im Shop und legt Hand an.

Als Zwölfjähriger setzte er die Verbesserungsvorschläge seines Vaters an alten Porsche um. Mit 14 restaurierte er seinen ersten 356, ein 1953er Coupé. Mit 16 startete er mit ihm bei kleineren Rennen. Und realisierte schnell, wie viel Potenzial in so einem alten Serien-Porsche steckt. Wie leicht sich das Fahrwerk, der Motor, die Bremsen, die Lenkung – eigentlich alles – verbessern ließ. Vorausgesetzt, man kannte sich im Porsche-Baukasten aus.

Porsche 356 Outlaws bereits seit Ende der 80er

Er brauchte nie lange, um passende Teile zu finden und damit Details zu verändern; er hatte ja jahrelang damit gespielt.
Ende der 80er, das Ersatzteilgeschäft seines Vaters lief noch immer gut, sahen Puristen seine Kreationen und kamen mit dem Namen 356 Outlaws. Bis heute klebt Rod diesen Namen an jedes seiner Autos. Zeitsprung nach vorn, es ist Herbst 2015. Wir parken kurz nach fünf Uhr morgens vor einer Halle im Stadtteil Burbank, Los Angeles. "356 Outlaws" steht über der Eingangstür. Die Luft ist klar, der neue Tag nah. Ein tiefer Luftzug, dann surrt das Hallentor auf und ein kurzes Energiebündel begrüßt mit festem Handdruck: "Hi, I’m Rod."

Ein freundlicher Typ, Anfang 40, trainierte Oberarme, kurze schwarze Haare, durchdringender Blick. Hinter ihm öffnet sich eine Halle, Neonlicht fällt auf ein Dutzend 356er verschiedenster Zustände. Die Bandbreite reicht grob umrissen vom Totalschaden bis zum Sahnestück. Rod strahlt und genießt die Reaktion. Die Liebe zum Ur-Porsche hat ihn nicht losgelassen. Nach ein paar Jahren als Rennstreckenbetreuer für solvente Fahrer diverser historischer Porsche – er baute 60 Fahrzeuge auf und betreute sie und ihre Fahrer – macht er heute wieder das, was er mit 14 begonnen hat. Er optimiert 356er mit viel Herz und Verstand. Dabei ist er fokussierter, radikaler, perfekter denn je. Ein eingespieltes Team hilft ihm, acht Leute, jeder vertraut seinen Visionen.

Individuelle Neuaufbauten auf alter Basis

So, wie seine Kunden es tun. Der erste kam 1994. Seitdem reißt es nicht ab, 150 zählt Rod bis heute. Jeder Wagen wurde individuell aufgebaut. Die Basis bildet jedes Mal ein originales Modell. Es wird komplett zerlegt, von Rost befreit, verstärkt und dann entsprechend modifiziert. Scheibenbremsen rundum, leichtere, breitere Felgen, stärkere Stabis, eine angepasste Fahrwerksaufhängung für die Hinterachse aus dem 901 sowie beste Stoßdämpfer bekommt jeder Outlaw. Das Fünfganggetriebe aus dem 901 ist ebenfalls Pflicht.

Porsche 356, 356 Outlaw, USA, Reportage, ImpressionFoto: Dani Heyne
Zwei Vierzylinder stehen zur Wahl, darunter ein gekappter Sechszylinder aus dem 964.

Bei den Motoren gibt’s die Wahl zwischen einem Zweiliter aus dem 914, den Rob auf 2.650 Kubikzentimeter aufbohrt und ihm dank ein paar Feinheiten – wie 44er Weber – 205 PS entlockt. Das andere Herz? Ein 3,6- Liter aus dem 964, dem Rob zwei Zylinder abschneidet, womit ein 2,4-Liter-Boxer übrig bleibt. Er leistet 210 PS und passt perfekt ins Heck des 356. Mit weiteren kleinen Verbesserungen versehen, rollen aktuell pro Jahr zwischen sechs und acht individualisierte 356 Outlaws vom Hof. Jeder zwischen 200.000 und 400.000 Dollar teuer, je nach Umbau.

Emory Special: der 356 2.0

Ein 356 sticht hier in der Halle besonders hervor. Wir stehen davor und rätseln: Da schmiegen sich doch die Stoßstangen zu perfekt an den Body, pressen sich die Bleche der Kotflügel und Türen zu eng und zu rund an die Schweller, verlaufen die Spaltmaße zu akkurat. "Gut erkannt", schmunzelt Rod und erklärt, dass dies einer seiner Emory Specials sei, eine Art sanftes Facelift des 356. Rod hat es vor 18 Jahren angefertigt und sich bei jedem Detail gefragt: Wie hätte es Porsche gemacht, wenn er damals die Möglichkeiten von heute gehabt hätte?

Porsche 356, 356 Outlaw, USA, Reportage, ImpressionFoto: Dani Heyne
"Meine Outlaws sind zum Fahren da - so hatte es Porsche einst im Sinn als er den 356 erschuf." - Rod Emory

Mit dem ersten Special fuhr er zum 50. Geburtstagsfest von Porsche quer durch die USA – samt passendem Trailer, den er hinter den 356 spannte. Die Aufmerksamkeit war riesig: Zum einen wegen der Modifikationen und zum anderen, weil ein junger Typ mit solch einem teuren Flitzer Frau, Kind und Trailer durchs Land chauffierte. Ohne Angst, Steinschläge zu kassieren.

"Mister Porsche hat die Autos genau aus dem Grund gebaut – sie zu fahren, sie zu personalisieren, Spaß damit zu haben", erklärt Rod. Und spielt damit auch auf die heutigen Puristen an, die sich beim aktuellen Kurs eines 356 oft die Haare raufen, wenn sie einen der Outlaws sehen. Zu Unrecht. Das wissen wir, als die Sonne über die Berge klettert und uns einer der Outlaws die kurvigen Straßen hinaufschießt. Wie perfekt er am Gas hängt, wie sauber und sicher er einlenkt. Nicht überzüchtet, sondern echt und charakterstark. Einfach traumhaft!

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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