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Porsche 718

Long may you run

Foto: Uli Jooß 15 Bilder

Zu den Höhepunkten der  Bremen Classic Motorshow zählte neben den erwarteten unverkäuflichen Exponaten der jüngst restaurierte Porsche 718 RSK mit eindrucksvoller Karriere.

15.02.2007 Hans-Jörg Götzl Powered by

Der dritte 718

Karl Ludvigsen, "Excellence was expected", Seite 193 oben. Jesse Alexander, "Porsche Moments", Seite 50. Julius Weitman, "Porsche Story", Seite 57 rechts oben. Was diese kryptischen Angaben gemein haben? Die Bücher, Standardwerke allesamt, zeigen auf den angeführten Seiten jeweils dasselbe Fahrzeug - den Porsche 718 RSK mit der Fahrgestellnummer 003.

Dies wiederum zählt zu den faszinierendsten Aspekten im Umgang mit historischen Rennwagen: Es handelt sich in der Regel um weit mehr als nur einen Haufen Stahl und Leichtmetall. Die Autos sind Persönlichkeiten mit einer eigenen Geschichte - und die ist im Fall des dritten gebauten 718 ziemlich eindrucksvoll.

Nachfolger des legendären 550A

Der Porsche 718 löst Mitte 1957 den erfolgreichen Typ 550A ab; die Modifikationen gegenüber dem Vorgänger betreffen vor allem einen noch leichteren Gitterrohrrahmen, eine niedrigere Aluminiumhaut und eine geänderte Vorderradaufhängung - wodurch der Rahmen von vorn laut Ludvigsen an ein liegendes K erinnert, was dem RS den Zusatzbuchstaben K in der Typenbezeichnung beschert.

718 003 verbleibt nach seiner Fertigstellung zunächst in der Werks- Rennabteilung und wird sowohl bei Berg- als auch bei Langstreckenrennen eingesetzt. Dazu lässt sich der RSK durch das mittig angeordnete Lenkgetriebe auch zum Mittellenker umfunktionieren; Edgar Barth fährt mit dem so umgebauten 003 beim Nürburgring- GP 1958 auf den zweiten Platz. In Ollon-Villars feiern Barth und 003 sogar den Gesamtsieg, in Goodwood schaffen es Barth und der Franzose Jean Behra immerhin auf Rang 4 und holen den Klassensieg.

Über den großen Teich

Zum Ende der Saison 1958 wandert 718 003 nach Kalifornien aus und geht mit Behra beim Los Angeles Times Grand Prix in Riverside an den Start. Sie werden Vierte - Behra aber bekommt eine Menge Ärger, weil der Formel 1-Fahrer mit seiner Lizenz gar nicht an kleineren nationalen Rennen teilnehmen darf.

Der Porsche RSK kommt zunächst unter die Fittiche des kalifornischen Händlers Sam Weiss und anschließend zu Joe Buzzetta nach Smithtown im Staat New York. Buzzeta verlängert den Radstand und gewinnt 1962 mit 003 die Meisterschaft des Sports Car Club of America.

Für 30 Jahre eingelagert - als Altersvorsorge

Nach Beendigung seiner aktiven Karriere wird der inzwischen durch einen Überschlag arg ramponierte Wagen mehr als 30 Jahre von jemandem eingelagert, der ihn - zu Recht - als Altersvorsorge betrachtet. Zu Beginn des neuen Jahrtausends kommt 718 003 zu einem deutschen Sammler, der ihn in die richtigen Hände gibt: zu Harald Hackenberg nach Leverkusen.

"Es war ein faszinierender Moment, als der Wagen in der Werkstatt eintraf", erzählt der 47-jährige Porsche- Spezialist: "Er besaß beispielsweise noch die seltene Fronthaube mit dem integrierten Ölkühler, wie sie etwa in Le Mans eingesetzt wurde."

Behutsame Rück-Restaurierung auf Original

Als erstes kürzte Hackenberg den fragilen Gitterrohrrahmen wieder auf die richtige Länge - wobei er sich bemühte, möglichst viel originales Material zu erhalten. Gleiches gilt für die formschöne Aluminium-Karosserie. Selbst eine Tür, die durch den Überschlag zusammengefaltet war wie ein Blatt Papier, konnte der Restaurierer retten. "Es macht einfach Freude, an so einem geschichtsträchtigen Auto zu arbeiten", meint Hackenberg.

Während er sich um Karosserie und Fahrwerk kümmerte, reichte Hackenberg den Antrieb an einen der wenigen Spezialisten weiter, die sich überhaupt an den komplizierten Fuhrmann-Motor Typ 547 mit den vier obenliegenden, durch eben so viele Königswellen angetriebenen Nockenwellen herantrauen: Karl Hloch im schwäbischen Schorndorf.

Aufbauarbeit: 160 Stunden für den Königswellen-Boxer

"Das war ein ziemliches Puzzlespiel, der Vierzylinder war in alle Einzelteile zerlegt“, sagt der 44-Jährige. Glücklicherweise konnte Hloch fast alle Teile weiter verwenden, insbesondere das Gehäuse und die kaum mehr aufzutreibenden Zylinderköpfge des 1,5-Liters. Dennoch summierte sich die kostbare Arbeitszeit des Spezialisten inklusive Bearbeitungszeiten auf knapp 160 Stunden.

Dafür erstrahlt das knapp 150 PS starke Triebwerk direkt hinter den Arbeitsplätzen der Besatzung nun besser als neu. Und auch das seltene Magnesiumgehäuse des Fünfganggetriebes dahinter sah wohl nie in der Geschichte von 003 besser aus.

Einsatzbereit in guter Gesellschaft

Seit Ende 2006 ist der RSK wieder einsatzbereit - dennoch hat er erst wenige hundert Meter zurückgelegt. Der Fuhrmann-Motor muss nun einfühlsam eingefahren werden, bis man ihn bis zur Drehzahlgrenze von 8.000 treiben darf - entsprechend behutsam geht Harald Hackenberg bei der Probefahrt damit um.

Wirklich beinhart rennen soll der Porsche ohnehin nicht mehr; sein Besitzer versteht sich eher als Bewahrer der Geschichte. Konsequenterweise steht 718 003 üblicherweise warm und trocken neben einem 550 und einem 550A. Da fühlt er sich wohl.

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