Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Porsche 911 Carrera RS vs. 911 Sport Classic

Mit Walter Röhrl durch die grüne Hölle

Porsche 911 Carrera RS, 911 Sport Classic Foto: Hans-Dieter Seufert 35 Bilder

Bereits zwei Tage nach seiner Präsentation war die 250er-Serie des Porsche 911 Sport Classic ausverkauft. Lohnt es sich wie beim Homologations-Carrera RS 2.7 von 1972 nachzulegen? Ein Ortstermin mit Walter Röhrl auf der Nürburgring-Nordschleife liefert driftige Argumente.

17.12.2009 Jörn Thomas

Es ist einer dieser schleppenden Donnerstage zwischen Mittwochs-Depression und Wochenend- Euphorie, als das Telefon klingelt. Hallo, Porsche hier, wollt ihr mit Walter Röhrl, Carrera RS 2.7 und dem neuen 911 Sport Classic auf die Nordschleife? Gerne doch, danke, bis Dienstag, auf Wiederhören.

Mit dem Porsche 2.7 war man früher der Gewinner beim Quartett

Eine Sause mit Carrera-Raritäten im historischen Kontext samt Profi-Begleitung, das ist es. Zumal der Porsche RS 2.7 Erinnerungen hochspült. An wohlige Momente Ende der Siebziger auf dem Kinderzimmerteppich. Wenn du im Quartett den Porsche 2.7 hattest, konnte dir keiner was - außer er hatte die hubraumgewaltigen Ami-Schüsseln. Bei der Detailrecherche hilft heute das auto motor und sport-Archiv ein Stockwerk tiefer.

19 Stufen und drei Türen später kitzelt der Duft gut abgehangenen Papiers die Nase. Mittendrin: die Ausgaben 22/72 und 4/73 mit Fahrbericht und Test Porsche Carrera RS. Obwohl leicht vergilbt: ein blitzblanker Spiegel der Zeit. Haarschmiere-Hersteller Brisk verkündet das Ende der Fettfrisur, ein paar Seiten später bezeichnet DAF den neuen 66 mit DeDion-Hinterachse als Kurvenmeister. Gut, dass der Porsche Carrera nicht lesen konnte, sonst wäre ihm vermutlich vor Lachen der Bürzel von der Motorhaube gefallen.

Der Porsche RS brachte es auf 1.580 Exemplare

Jene Tempo-Insignie, die den Elfer-Hintern unten, die Emotionen dafür umso höher steigen ließ. Sie markierte Deutschlands schnellstes Auto, das mit 210 PS den doppelt so teuren Italo-Diven Maserati Ghibli und Ferrari Daytona beim Sprint sein Heck zeigte. Wegen der Homologation für die Gruppe 4 versprach Porsche auf doppelseitigen Anzeigen: Nur 500 Männer werden ihn fahren. Emanzipation war noch genauso weit entfernt wie eine Kanzlerin aus der Ex-DDR, CO2-Reduktion und ESP. Das Kontrollorgan steckte zwischen den Koteletten, die Sensorik im Hintern, die Regler in Fuß- und Fingerspitzen. Wo das hinführt, zeigt der Erfolg des Porsche 911 RS, der es schließlich auf 1.580 Exemplare brachte - obwohl die Porsche-Verkaufsmannschaft schon befürchtete, bereits an der 500er-Marke zu scheitern.

Der Porsche Sport Classic kommt frisch vom Band

Begehren durch Knappheit - das System funktioniert bis heute. Ob Weglassen, Wappeneinprägen, Namen geben oder Leistung steigern - alles trägt zur Pflege der Elfer-Ikonen bei. Aber eigentlich wollen sie gar keine Ikonen sein, lieber raus aus der Sammlergarage, rein ins Leben auf Straße und Piste. So wie 70 Prozent aller jemals produzierten Porsche. Zweifel an dieser Zahl wischt unser Porsche Carrera RS heiser bellend weg, während er vom Transporter rollt, der ihn aus dem Museum entführt hat. Der Classic kommt dagegen frisch vom Band. Nummer 000 von 250.

Seine Geschwister waren innerhalb von 48 Stunden ausverkauft, was viele Fragen obsolet macht. Etwa die, ob es noch welche gibt, oder ob es Sinn hat, für einen frisch gemachten Porsche Carrera in Nebelgrau mit dunkelnebelgrauen Streifen und einer Sicke im Dach 201.682 Euro zu verlangen - und zu bezahlen. Für Freaks, die Alu-Räder im Fuchs-Design, Sitzbezüge in Flechtleder oder kleinmaschige Schlingenware als Highspeed-Flokati schätzen, sicher. Mal abgesehen von der Haut, die sich oben als Alcantara und ab den Türbrüstungen als braunes Glattleder spannt.

Der Porsche 911 Sport Classic leistet 408 PS

Doch für den Porsche 911 Sport Classic spricht nicht nur seine Ausstattung, sondern auch er selbst: aus den beiden dicken Endrohren und mit gesundem Trompeten aus der variablen Resonanz-Ansauganlage mit sechs Einzelklappen. Hört sich nach Musikinstrument an und klingt auch so. Vielstimmig orchestriert trifft der 3,8-Liter den richtigen Ton zwischen piano und forte, entwickelt zudem mehr Leistung als seine Standard-Geschwister. Bessere Atemtechnik, modifizierte Zylinderköpfe und eine neue Motorsteuerung bringen ihn auf 408 PS. Leistung, die sich fühlbar auf einem breiten Plateau entfaltet, um ab 6.300/min ins Furioso zu münden. Dabei verschenkt der Boxer kein Fitzelchen Kraft durch Vibrationen, liefert alles, was er hat, beim Sechsganggetriebe ab. Handgeschaltet, ohne Aufpreis mit Wegverkürzung.

Der Porsche Carrera RS 2.7 bekam eine strikte Diät

Das harte, kurze Klacken sollte Standard sein, bindet es den Fahrer doch ebenso vital an die Maschine wie das unverzügliche Motor-Ansprechverhalten, die direkte Lenkung und die standfeste Keramikbremse. Nicht zu vergessen die gegenüber der Basis, dem Porsche Carrera S, verbreiterte Heckpartie samt größerer Spurweite. Leichtbau fehlt allerdings: Trotz Aluminiumtüren gibt Porsche ein Gewicht von 1.425 Kilogramm an. Da würden sich beim Porsche 2.7 die Achsen biegen, er hungerte sich auf 1.010 Kilogramm (Test auto motor und sport 4/73) runter. Mit einer Diät aus dünnerem Blech, leichterem Glas, einer Kunststoff- Motorhaube sowie strengem Verzicht - unter anderem auf Zeituhr, Teppiche, Dämmmatten und hintere Sitze. Er platziert Pilot und Co im luftig-lichten Innenraum aufrecht in harten Schalen, dicht hinter der steil stehenden Frontscheibe und dem spartanischen Armaturenbrett mit dem unerreicht klaren Uhrenlayout, lässt sie die Türen von innen per Lederschlaufe öffnen.

Dem Porsche Carrera 2.7 verbieten keine Vorschriften den Mund

Gut, dass wir keine Vergleichstestpunkte vergeben müssen, sich stattdessen endlich der fitzelige Schlüssel im Schloss dreht. Der Starter mahlt, scheint zu hängen, doch es ist nur der erwachte Sechszylinder, der im Leerlauf metallisch vor sich hin käfert. Das VW Käfern verfliegt schnell, macht beim Losfahren herrischem Bellen Platz. Keine rigide Vorschrift verbietet dem luftgekühlten Kurzhuber den Mund. Er klingt genauso offen maschinös, wie er aussieht. Richtig, ein Porsche-Boxer, der gut aussieht, freizügig seine Zylinderköpfe und Ansaugbrücken zeigt. Kurz gesagt, unsere Herzen lachen, obwohl der Eifel-Himmel weint, als wir auf die Strecke fahren. Walter Röhrl stört das wenig, der Mann hat so viel innere Bodenhaftung, den Kurs notfalls komplett im Zustand der Gleitreibung zu umrunden. Wer zu Gruppe B-Zeiten das Meer von Zuschauern mit 650 PS und Tempo 200 plus teilte, wird wegen ein paar Regentropfen keine nassen Füße bekommen.

Der Porsche Carrera RS beginnt früh zu rutschen

Gutmütig sei er, der Porsche Carrera RS. Jedenfalls grundsätzlich, weil er mit seinen schmalen Ballonreifen früh zu rutschen beginnt, den Grenzbereich markiert. Ohne jedoch Platz für Hilflose zu lassen: "Wenn der Elfer mal mit dem Heck kommt, sollte der Fahrer schon wissen, wie man das Lenkrad nach links und rechts dreht." Nun ja. Er selbst dreht traditionell so wenig wie nötig am dünnen Kranz des überraschend großen RS-Lenkrads. Statt des Piloten sägt hier lediglich der 2,7-Liter-Boxer, unterbrochen von den kurzen Lastwechseln, mit denen Röhrl seine Kurvenschwünge einleitet.

Sanft und gefühlvoll, niemals grob, scheint er mit dem Porsche Carrera RS 2.7  zu verwachsen, während er ihn mit gezielten Gasstößen zwischen 4.000 und 7.000 Touren sowie exakt platzierten Gangwechseln mit dem spirreligen Hebel bei Laune und im passenden Winkel hält. Röhrl hat mal gesagt: "Ein Auto kann man nicht behandeln wie ein menschliches Wesen, ein Auto braucht Liebe." Das gilt für den historischen Porsche Carrera RS 2.7 ebenso wie für den zeitgenössischen Sport Classic, in den wir nun umsteigen.

Der neue Porsche Sport Classic ist einfacher

Wie in eine andere Welt. Raus aus der automobilen Mönchszelle mit ihrer aufrechten Sitzposition, hinein in die komfortable Gegenwart, umschmeichelt von Klimaautomatik, Lordosenstütze und adaptiver Dämpfung. Breitspurfahrwerk und Reifen zeigen gleich mal, was sie können. Nämlich nach anfänglichem Untersteuern einen breiten neutralen Bereich abliefern, um bei Druck aufs Pedal den Hintern nach außen zu drehen. Hatzenbach, Eiskurve, Schwalbenschwanz - quer ist mehr. Beim Wiedereinscheren muss man aber fast genauso aufpassen wie beim Alten, sagt Röhrl. Dafür ist das Anbremsen einfacher - nicht nur wegen der serienmäßigen Keramikstopper. Kommt der ABS- und PSM-lose RS schon mal quer, bleibt der Neue sicher in der Spur. Selbst die deaktivierte Elektronik ist im Hintergrund noch aktiv, kann die Räder einzeln verzögern. Etwas, was selbst ein zweifacher Rallyeweltmeister nicht hinbekommt - wobei: Wenn sie ihm drei Extra-Pedale geben würden ...

Umfrage
Was halten Sie vom Porsche 911 Sport Classic?
Ergebnis anzeigen
Anzeige
Sixt Leasing & Vario-Finanzierung SEAT, VW etc Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Porsche 911 Porsche Bei Kauf bis zu 4,00% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden