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Porsche 911-Typenberatung

Elfer-Sammlerstücke als Geldanlage

Porsche 911, Seitenansicht Foto: Hardy Mutschler 6 Bilder

Die hochpreisigen Porsche 911-Sammlerstücke. Für Urelfer sowie frühe S- und RS-Modelle bis 1973 hat sich längst ein eigener Sammlermarkt entwickelt - mit Preisen, die bei guten Exemplaren offenbar nur eine Richtung kennen: steil nach oben.

27.02.2013 Hans-Jörg Götzl Powered by

Es mag an der Euro-Skepsis liegen oder an der Finanzkrise, vielleicht aber auch ganz simpel an der Freude am Fahren in seiner schönsten Form. Tatsache ist: Frühe Porsche 911 haben inzwischen ein Preisniveau erreicht, das vor einigen Jahren kaum jemand für möglich gehalten hätte.

Porsche 911 Carrera RS 2.7 ist preislich abgehoben

Lassen wir einmal die reinen Rennmodelle außen vor (Porsche 911 R, S 2.5 und RSR), dann befindet sich vor allem der Porsche 911 Carrera RS 2.7 von 1972/73 seit Jahren auf einem nicht enden wollenden Steigflug. 1.580 Exemplare dieses 210 PS starken und 240 km/h schnellen Leichtbaus wurden zum Preis von rund 33.000 Mark verkauft. Zu Beginn des Jahrtausends lagen gute Exemplare noch im 100.000-Euro-Bereich - heute findet sich unter 250.000 Euro kein echter RS mehr am Markt. Woher kommt dieser exorbitante Preisanstieg?

"Da spielt auch der internationale Markt eine entscheidende Rolle", erklärt Porsche-Händler Ande Votteler: "Die Sammler wollen einfach den 911er schlechthin und zahlen für einen echten RS beinahe jeden Preis." In der Tat markiert beim Porsche 911 Carrera RS 2.7 die Viertelmillion nur die Untergrenze: Für originale, unrestaurierte Autos, womöglich aus erster Hand, werden sechsstellige Aufschläge fällig - und von Kennern ohne zu zögern bezahlt.

Preissog zieht andere Elfer-Modelle mit

In den Preissog des RS sind längst auch die Porsche 911 S-Modelle der von 1964 bis 1973 gebauten Urform des 911 geraten, die stets das Leistungsmaximum boten: der Zweiliter-S von 1966/67 mit 160 PS sowie 1968 mit 170 PS, der 2.2 S von 1969 bis 1971 mit 180 PS und der 2.4 S von 1972/73 mit 190 PS.

In diesem Reigen genießt der 2,4-Liter durch seine Leistung und größte Nähe zum RS einen leichten Vorteil in der Käufergunst, wobei Preisunterschiede zwischen den Porsche 911 S-Modellen meist eher vom Zustand bestimmt werden. Fest steht: Unter 100.000 Euro geht hier für Sammler ebenfalls nichts. Einen Sonderfall und Geheimtipp stellt der 1969er 2.2 S dar: "Als Zwischenmodell hat er noch viele Teile der bis 1968 gebauten Versionen mit kurzem Radstand sowie einige spezielle, nur hier verwendete Teile", meint Ingo Stimming.

Geheimtipp 1965

Der Porsche 911-Restaurierer aus Bad Segeberg nennt noch eine weitere Version, auf die sich die Sammler gerade stürzen: "Im Grunde alle kurzen Radstände, besonders aber die ersten Autos von 1964 und 1965", sagt der 40-Jährige und erklärt: "Etwa ab 1966 hatten die 911er erstmals Seriencharakter. Davor unterscheiden sich einzelne Autos in vielen Details, Kinderkrankheiten wurden ausgemerzt - es ist sehr spannend, so ein Auto zu restaurieren."

Interessanterweise waren gerade diesen frühen Porsche 911 vor einigen Jahren noch ins Hintertreffen geraten. Im historischen Motorsport galt lange die Baujahrgrenze 1965, weshalb viele frühe Exemplare zu Rennautos umgebaut - und nicht selten in Unfällen komplett zerstört wurden. Als dann noch die Grenze auf das Baujahr 1971 angehoben wurde, wollte niemand mehr einen 1965er.

Originale Porsche 911-Exemplare, die durch ihren puristischen Auftritt einen ganz eigenen Charakter haben, sind deshalb heute äußerst rar. Und ein ehemaliges Rennauto aus dem historischen Motorsport wieder in den Originalzustand zu versetzen, kostet Unsummen, vor allem auch für die Ausstattungsteile, die vielfach beim Rennwagenumbau verloren gegangen sind.

Als Konsequenz liegen originale, bis zur letzten Schraube restaurierte oder gar unrestaurierte, gut erhaltene Porsche 911 heute preislich zwischen den S- und RS-Modellen - mit eindeutiger Tendenz Richtung RS.

Originalität und Qualität werden immer wichtiger

Bei diesen frühen Modellen zeigt sich auch am deutlichsten der Wunsch der Porsche 911-Sammler nach größtmöglicher Originalität und bester handwerklicher Qualität: "Die Autos werden heute auf einem ganz anderen Niveau restauriert als noch vor zehn Jahren" konstatiert Ingo Stimming. Auch früher positiv bewertete Modifikationen wie ein Ölkühler anstelle der Kühlschlange im Radhaus bei den S-Modellen werden nun anders betrachtet. "Wenn überhaupt, muss alles reversibel sein", rät Stimming.

Insgesamt führt das kräftig gestiegene Preisniveau somit auch dazu, dass mehr Geld in die Fahrzeuge investiert wird, was insgesamt das Niveau der Autos deutlich hebt. Einen ähnlichen Effekt gab es vor einigen Jahren auch bei klassischen Ferrari zu beobachten.

"Kalifornien ist abgegrast"

Wirklich gute frühe Porsche 911, S oder Carrera RS sind für Käufer dennoch schwer zu finden. "Die guten Autos sind in Sammlerhand, Fundstellen wie Kalifornien längst abgegrast", meint 911-Händler Uli Fischer aus Leverkusen.

Weshalb alle Spezialisten unisono dazu raten, sich zuvor genau zu informieren, welches Modell es denn sein soll - und dieses dann mit fachkundiger Begleitung in Augenschein zu nehmen. Bei den Porsche 911 S- und vor allem RS-Modellen müssen Interessenten zudem auf der Hut vor Fälschungen sein: Die Historie des Autos sollte lückenlos und nachvollziehbar sein.

Zum Schluss noch ein letzter Tipp, speziell für alle Porsche 911-Sammler: Nicht vergessen - die größte Freude im Umgang mit einem Neunelfer ist immer noch die Fahrfreude.

Porsche 911-Rennsport-Modelle sind nur etwas für Kenner

Hier wird es ganz schwierig: Die ausschließlich für den Renneinsatz als Kundenautos von Porsche gebauten Modelle 911 R 2.0 (1967), 911 S 2.5 (1972) und Carrera RSR (1973) sind ein eigenes Sammelgebiet für Spezialisten. Die gebauten Stückzahlen sind gering - je nach Quelle wurden außer den Werksrennwagen 19 Exemplare des R gebaut, 21 Exemplare des S 2.5 und 57 Carrera 2.8 RSR.

"Diese Autos wurden alle im Rennsport eingesetzt und ständig umgebaut, das macht den Markt sehr schwierig", sagt Ingo Stimming, der einige dieser Modelle im Laufe der Jahre in seiner Werkstatt unter den Fingern hatte. Interessenten sollten bei den Porsche 911-Rennsportmodellen noch mehr als bei den RS-Modellen auf eine nachvollziehbare Historie bestehen. Schließlich kann man hier bei einer Fälschung viel Geld verlieren: Echte R und RSR liegen längst bei über einer halben Million, Porsche 911 S 2.5 gibt es auch nicht sehr viel günstiger.

Angesichts dieser Preise ist es auch kein Wunder, dass im historischen Rennsport nur noch wenige echte Porsche 911 um Punkte und Pokale streiten. Eine technisch identische Replika lässt sich für einen Bruchteil des Geldes auf die Räder stellen, schließlich basieren auch die reinen Rennsportmodelle zu einem großen Teil auf den normalen Elfern - auch das gehört zum Reiz dieses Evergreens.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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