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Porsche 917-Nachbau

Illustrators Rennwagentraum

Porsche 917-Nachbau, Frontansicht Foto: Hans-Dieter Seufert 44 Bilder

In einem verschlafenen Nest im Süden Australiens baut ein Vater mit seinen Söhnen die besten Replica des Porsche 917 - und macht Menschen wie Herb und Rose glücklich. Eine Geschichte über die zweite Geburt einer Legende.

08.05.2013

Für den sechsten Novembertag ist es in Kalifornien zu warm. Die Sonne befiehlt das leichteste, der Termin das beste T-Shirt. Eine gute Stunde von Los Angeles entfernt parken wir aufgeregt vor Hausnummer 1310. Dabei wirkt alles so friedlich, so normal für diese Art von amerikanischem Vorort: Saubere Fußwege treffen auf akkurate Rasenkanten und geleckte Einfahrten. Bestes Prius-Land, doch wegen des angesagten Hybrid-Toyota sind wir nicht hier.

Als eines der drei Garagentore langsam hochsurrt, werden unsere Pupillen größer. In all der Harmonie steht es plötzlich da, dieses seltene Monster: ein Porsche 917! Rot, breit, kurzes Heck, Startnummer 23 - genau so wie das Siegerauto vom 24-Stunden-Rennen in Le Mans 1970. Nur dass der hier jung und frisch wirkt wie ein Vorführwagen. Wie das sein kann, fragen wir Herb, der uns mit gemütlichen Schritten aus der Garage entgegenkommt. Dabei trägt er das smarte Lächeln eines Managers, der keiner mehr sein muss, und erzählt, wo er diese schöne Replica gefunden hat.

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Reportage Porsche 917-Nachbau Restart 917
auto motor und sport 09/2013
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Illustrator erfüllt sich Porsche 917-Traum

Die Geschichte beginnt in einem kleinen Ort im Süden Australiens, wo der gebürtige Brite Andrew Keiller eine verrückte Idee ausbrütete und sie anschließend mit seinen Söhnen Anthony und Tim umsetzte. Es ging um die perfekte Kopie des legendären Porsche 917. Keiller, der sein halbes Leben als technischer Illustrator für diverse Flugzeug- und Fahrzeugprojekte gearbeitet hatte, war dem schnellen Porsche seit den großen Erfolgen in Le Mans verfallen. Er selbst hatte einige Jaguar gezähmt, das erste Cobra-Kit Car Australiens aufgebaut, einen Lamborghini Miura restauriert und gegen einen De Tomaso Pantera getauscht – und diesen schließlich für das kostspielige Porsche 917-Projekt hergegeben. Volles Risiko also.

Denn am Anfang gab es nicht mehr als ein paar gute Schnittzeichnungen des Rennwagens, die Andrew Keiller Ende der Neunziger angefertigt hatte – zum Spaß. Sohn Anthony arbeitete damals noch in England und kam mit einem Sammler in Kontakt, der einen echten Porsche 917 besaß. Er ließ ihn Hunderte Fotos machen und Maß nehmen. Als dann auch noch ein australischer Besitzer eines Porsche 917/30 CanAm wichtige Anbauteile zur Vermessung anbot, dachten die Keiller-Männer zum ersten Mal, dass sie tatsächlich einen nachbauen könnten.

Herb hält für einen Moment inne, streicht sanft über das Heck seines roten Porsche 917 und deutet auf die vielen Bilder in seiner aufgeräumten kalifornischen Garage. Sie zeigen ihn und sein Team in Indianapolis, auf anderen strahlt er mit seiner Frau Rose vor einem Porsche 356. "Den fährt sie bei Oldtimerrennen gelegentlich besser als ich", flüstert der Rentner und dreht sich zum Porsche 917: "Wo waren wir? Ach ja, genau, bei den Jungs in Australien."

2003 war der erste Porsche 917-Prototyp fertig

Herb kennt die Geschichte von Andrew so gut, weil er nicht nur ein Kunde, sondern ein Freund ist. Daher weiß Herb aus erster Hand, dass es den Keillers anhand der vielen Fotos und ausgeliehenen Teile tatsächlich gelungen ist, über mehrere Jahre fast jedes einzelne Teil des Porsche 917 detailverliebt zu kopieren. Am schwierigsten war wohl die korrekte Form der Verkleidungsteile, und beim Rahmen setzten sie auf Stahl anstatt Aluminium.

2003 war der erste Prototyp fertig, und als kurz darauf ein Foto im amerikanischen "Kit Car Magazine" veröffentlich wurde, gab es eine Flut von Fanpost. Darunter 30 ernsthafte Kaufanfragen. Keiller schrieb allen zurück, dass unter 18 Monaten überhaupt nichts möglich wäre. Dann prüfte er, ob solch ein Projekt zu stemmen war. Dabei sprach er auch mit den Verantwortlichen in Zuffenhausen - unter anderem mit Markenguru Klaus Bischoff - und sicherte sich ein Transkript einer Rede aus der Porsche-Führungsebene, welches besagt, dass der Sportwagenhersteller nichts gegen Replica hat, solange sie gut gemacht sind.

25 wunderbare LMK 917 (so heißen die Nachbauten) haben die Keillers seitdem in die Welt verschickt, fünf davon gingen nach Deutschland – alle ohne Motor und Getriebe. Weil die originalen Zwölfzylinder-Herzen extrem teuer und schwer zu kriegen sind, wurde das Chassis auf luftgekühlte Sechszylinder-Boxer ausgelegt. Als Schaltgetriebe kommen die Typen 915 oder G50 in Frage, beide müssen jedoch überarbeitet und verstärkt werden, da sie aufgrund der Mittelmotorlage um 180 Grad verdreht zum Einsatz kommen.

Ein Schnäppchen für Sammler

Herb kennt den Markt klassischer Porsche ganz gut und weiß, dass die meisten LMK 917 zu Sammlern gehen, die sich kein Original leisten können. "Klar, die werden ja auch selten unter drei Millionen Dollar gehandelt", schmunzelt der rüstige Kalifornier. Wohl wissend, dass Andrew Keiller weit mehr als die geforderten 135.000 australische Dollar für seine Babys verlangen könnte. Doch bei dem Projekt geht es nicht ums Geld, sondern um Leidenschaft.

"Jetzt hab ich aber wirklich genug erzählt", meint Herb und schlängelt sich erstaunlich geschickt in das Cockpit des Porsche 917. Keine Minute später röchelt der Boxermotor, der aus einem alten, beerdigten 911 stammt. Dass ihm sechs Zylinder zum originalen Motor des Porsche 917 fehlen, stört hier nicht. "Bei rund 800 Kilogramm Leergewicht drücken die 250 PS schon ganz ordentlich", ruft er durch die gewölbte Seitenscheibe, dann rollt er das rote Monster sanft die Einfahrt hinab, winkt den staunenden Nachbarn und huscht durch den warmen Novembertag.

Auf der Fahrt durch den Ort scheint es, als ob der Porsche 917 gerade von seinem ersten Sieg aus Le Mans 1970 zurück nach Weissach kommen würde, überall bleiben die Menschen stehen, winken, machen Fotos. Als wir nahe einer Schule eine Kaffeepause einlegen, ist der Rennwagen plötzlich von einer Horde Kindern umringt. Einige kennen Herb und halten ein Schwätzchen, bis die Lehrerin herbeigestürmt kommt, tobt und alle zurück in den Unterricht scheucht - der läuft nämlich noch.

Die Erfolge des Porsche 917 kennen hier wohl nur die wenigsten, und dennoch erliegen sie dem Charme dieses Autos. Flach, breit und mit einer Aura zum Niederknien. "Über das Kapitel Zulassung möchte ich lieber nicht sprechen, heute ist ein schöner Tag", sagt Herb, schließt die Tür des Porsche 917 vor seiner Einfahrt und nimmt seine Frau Rose in den Arm.

Da stehen die beiden mit einem breiten Grinsen, als hätte er ihr gerade das erste Eis gekauft. Dass ihr Schatz etwas teurer war, wissen sie. Aber im Vergleich zu einem echten Porsche 917 ist es ein Schnäppchen. Eines, das sie nie wieder hergeben wollen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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