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Porsche

Bei VW ans Ruder

Foto: dpa

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking will seine Macht bei VW weiter ausbauen. Der Sportwagenbauer plant nach einem "Focus"-Bericht die Erhöhung seiner Anteile an dem Wolfsburger Autokonzern auf 75 Prozent.

10.03.2008

Wiedeking könnte dann einen Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag mit Volkswagen durchsetzen und hätte somit auch operativen Zugriff auf die Geschäfte von VW.

Porsche wollte sich konkret nicht zu dem Bericht äußern. Ein Konzern-Sprecher verwies auf Anfrage aber auf die Ankündigung des Sportwagenbauers vor wenigen Tagen, dass Porsche seinen VW-Anteil von aktuell knapp 31 auf über 50 Prozent ausbauen werde. "Mehr haben wir dazu derzeit nicht zu sagen."

Porsche könnte VW lenken

Sollte es zu dem Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag kommen,würden die wichtigsten Entscheidungen nicht wie bisher imVW-Aufsichtsrat, sondern in der europäischen Porsche-Holding gefällt. Die Stuttgarter könnten dann über Vorstandsposten, neue Fahrzeugmodelle oder Standorte bestimmen. Zudem würden sämtliche Gewinne auf ihr Konto fließen. Den übrigen Aktionären, vor allem dem Land Niedersachsen, stünden nur jährliche Ausgleichszahlungen zu.

Nach Informationen der "Automobilwoche" bereitet die Arbeitnehmerseite im VW-Aufsichtsrat bereits juristische Schritte gegen die Aufstockung des Porsche-Anteils vor. "Wenn Porsche die 50-Prozent-Schwelle bei der VW-Beteiligung überschreitet, klagen wir erneut", zitiert die Branchenzeitung ein Aufsichtsratsmitglied.

Bei den Plänen zur Machtübernahme von VW erhält Porsche offenbar Rückenwind aus Brüssel. Im Kampf um das VW-Gesetz lehnt die EU-Kommission laut "Focus" die Pläne der Bundesregierung ab, Teile der gekippten Sonderregelung zu retten. EU-Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes habe bei einem Treffen mit Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) erhebliche Bedenken gegen eine Gesetzesnovelle geäußert und eine Klage als mögliche Reaktion ins Spiel gebracht.

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) hatte kürzlich den Entwurf für ein neues VW-Gesetz präsentiert. Darin sind besondere Mitsprache- und Vetorechte für die Arbeitnehmer sowie das Land Niedersachsen enthalten. Der Europäische Gerichtshof hatte im Oktober 2007 im Kern das VW-Gesetz gekippt und damit für Porsche den Weg zur Übernahme von VW freigemacht. Das VW-Gesetz schrieb vor, dass jeder Aktionär in der Hauptversammlung höchstens 20 Prozent der Stimmrechte ausüben darf.

Harter Gegenwind kam derweil erneut von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh. Zum erbitterten Streit um die Mitbestimmung in der geplanten Porsche-Holding sagte er in der Onlineausgabe des "Handelsblatts": "Wir machen weiter. Was soll ich denn meinen Kollegen sagen? War alles Quatsch?" Sollte es keine Einigung über die Besetzung in dem Gremiums geben, treffen sich die beiden Parteien im April vor dem Stuttgarter Arbeitsgericht.

VW-Vorstandchef Martin Winterkorn befürchtet, dass Europas größter Automobilbauer durch den Dauerstreit Schaden nehmen kann. "Ich bin sicher, die Beteiligten werden sich arrangieren. Die wissen dass sie VW nicht beschädigen sollten und ihren Streit beenden müssen", sagte er der "Automobilwoche". Osterloh kündigte indes an: "Wir werden das aber rechtlich voll durchziehen, durch alle Instanzen. Das kann dann allerdings ein paar Jahre dauern."


Porsche verdrängt Piëch
 
Auch personell will Porsche seinen Einfluss bei VW noch stärker zur Geltung bringen. Porsche-Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche soll nach gleichlautenden Informationen von "Focus" und der "Wirtschaftswoche" auf der VW-Hauptversammlung Ende April Ex-Siemens-Chef Heinrich von Pierer ersetzen. Darauf hätte sich bereits die Kapitalseite im VW-Aufsichtsrat verständigt. Daneben wollen die Stuttgarter auch Hans Michel Piëch, den Bruder von Ferdinand Piëch, ins VW-Kontrollgremium entsenden. Wolfgang Porsche ist Cousin von den Piëch-Brüdern.

Die Machtverhältnisse zwischen den Familien Porsche und Piëch haben sich nach Informationen des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" derweil deutlich zugunsten des Porsche-Zweigs verschoben. Die Familie Porsche verfüge insgesamt über 61,895 Prozent der Stammaktien an der Porsche Automobil Holding, die Familie Piëch nur über 38,105 Prozent. Die Porsche Automobil Holding wiederum hält knapp 31 Prozent am VW-Konzern und alle Stammaktien an der Sportwagenfirma Porsche. Bislang hieß es, der Porsche-Zweig verfüge über 53,7 und die Familie Piëch über 46,3 Prozent an der Porsche Holding. Der Sprecher des Sportwagenbauers wollte die Verschiebung der Anteile nicht kommentieren.

Ferdinand Piëch ist laut "Der Spiegel" derweil nicht nur aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Porsche Holding, sondern auch aus dem Präsidium des Aufsichtsrats der Sportwagenfirma Porsche ausgetreten. Dieser Schritt soll mit den geänderten Beteiligungsverhältnissen zu haben und nicht als Rückzug zu bewerten sein. Piëch werde stattdessen in den Aufsichtsrat bei Audi einziehen.

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