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Porsche-Chef attackiert Manager-Kollegen

Foto: dpa

Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat mit einer harten Attacke seine Manager-Kollegen zu mehr gesellschaftlicher Verantwortung aufgerufen. "Es ist nicht nachzuvollziehen, wenn Konzerne Rekordgewinne melden und zugleich ankündigen, dass sie Tausende von Arbeitsplätzen streichen", sagt er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

25.09.2006

"Ein möglichst hoher Gewinn kann doch nicht das einzige Ziel eines Unternehmens sein." Kritik an der Managermoral kam auch vom katholischen Bischof von Trier, Reinhard Marx: "Eine maßlose Gehaltserhöhung wie bei Siemens ist angesichts von Massenentlassungen schon dreist", sagte er der "Bild am Sonntag".

Es gehe aber nicht nur um die persönliche Moral von Managern. "Wenn die Verantwortlichen der Wirtschaft nicht mehr das Gemeinwohl im Blick haben, sondern die Kapitalrendite, wird das System inakzeptabel", betonte Marx. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Berlins Bischof Wolfgang Huber, wertete das Verhalten des Unternehmens als unpatriotisch. Huber sagte ebenfalls der "Bild am Sonntag": "Von der Wirtschaft erwarte ich etwas mehr Patriotismus und damit bewusste Verantwortung für das Gemeinwesen. Schließlich stellt es die Voraussetzungen für ihren Erfolg - wie Facharbeiter, Infrastruktur und ähnliches - zur Verfügung."

Porsche-Chef Wiedeking mahnte: Es müsse "uns doch zu denken geben, wenn Menschen vielen Wirtschaftsführern und Politikern keinerlei Glaubwürdigkeit mehr zubilligen." Die Entwicklung könne dazu führen, dass "unsere ganze Gesellschaft instabil wird". Der Vorstandsvorsitzende verwies auf die Wahlergebnisse von Mecklenburg-Vorpommern, wo Rechtsextreme erfolgreich waren, und Berlin, wo die beiden großen Volksparteien nur gut 50 Prozent der Stimmen erhalten hatten: "Ich sehe in dieser Entwicklung ein Warnzeichen für die Gesellschaft."

Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich von Pierer verteidigte unterdessen die umstrittene Anhebung der Vorstandsbezüge bei dem Elektrokonzern um durchschnittlich 30 Prozent. Auch nach der Anhebung bewege sich Siemens im Mittelfeld der deutschen Unternehmen, sagte Pierer in einem Interview der "Welt am Sonntag". "Wir spielen bei Siemens aber in der Champions League, nicht in der bayerischen Landesliga. Und wie bei Bayern München kriegen wir nur dann die Spitzenleute, wenn wir angemessen bezahlen."

Die "zum Teil sehr polemischen Kommentare" gingen an der Sache vorbei, sagte von Pierer. Er bekräftigte zugleich, dass künftig die Managergehälter bei Siemens nicht mehr alle drei Jahre, sondern in kürzeren Intervallen angepasst würden. Außerdem solle es künftig zu einer größeren Staffelung der Gehälter kommen, die bislang im Vorstand relativ gleich verteilt seien.

Durch eine erhöhte Transparenz der Managergehälter in Deutschland sieht von Pierer die Gefahr, dass sich die Vorstandsvergütungen durch permanente gegenseitige Vergleiche nach oben schrauben. Pierer trat auch Spekulationen über ein Zerwürfnis zwischen ihm und Siemens-Vorstandschef Klaus Kleinfeld entgegen. "Er hat nach wie vor mein volles Vertrauen und meine volle Unterstützung."

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