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Porsche-Chef Matthias Müller im Interview

Elfer allein reicht Porsche nicht

Matthias Müller, Portrait Foto: Dino Eisele 34 Bilder

Porsche-Chef Matthias Müller spricht im Interview mit auto motor und sport über die Rolle des 911, die Chancen des neuen SUV Macan, den Panamera als Plug-in-Hybrid und die Rolle des chinesischen Marktes.

04/04/2013 Ralph Alex, Jens Katemann
Wie heikel sind Projekte wie der SUV Macan, die nicht so nahe an der Sportwagen-DNA der Marke Porsche sind?

Müller: Die Gene des 911er sind in jedem Porsche enthalten, das werden Sie auch beim Macan sehen. Der fühlt sich wie ein echter Porsche an und wird, was beispielsweise die Dynamik betrifft, über dem Wettbewerb angesiedelt sein. Mit einem 911 alleine könnte unsere Firma nicht bestehen. Sie wissen, wie aufwendig eine Autoentwicklung ist, das kostet viel Geld, und das müssen wir zunächst verdienen.

Glauben Sie, dass es für Sie irgendwann ein Imageproblem werden könnte, dass Sie mehr Limousinen und Geländewagen bauen als Sportwagen?

Müller: Das wird in bestimmten Kreisen diskutiert, und damit meine ich in erster Linie unsere Stammkunden. Die haben gelernt, dass wir mit dem Cayenne und Panamera zunächst mal unser Angebot attraktiver gestaltet haben, die Devise lautet, wir dürfen nichts verkehrt machen. Auch beim Macan muss man schauen, dass der ein bestimmtes Preislimit – und das sind für mich in diesem Fall 50.000 Euro – nicht unterschreitet und zur Markenpositionierung passt. Ein kleiner Mittelmotor-Roadster um etwa 40.000 Euro, der auch mal in der Öffentlichkeit besprochen wurde, wäre da viel schwieriger zu begründen.

Wir haben gehört, dass Sie für den Macan viel an der technischen Basis, also dem Audi Q5, verändert haben, um ihn in Richtung Porsche zu drehen. Wie viel Prozent der Teile wurden verändert?

Müller: Das ist schwierig zu beziffern. Wir setzen porscheeigene Motoren ein, wir haben das Fahrwerk porschetypisch ausgelegt, natürlich wurde auch die Sitzposition niedriger angelegt. Aber ich kann das nicht in Prozent ausdrücken. Wir bezeichnen uns jedoch nicht als Plattformnutzer, sondern wir sind Komponentennutzer. Damit wird deutlich: Wir haben den Macan auf die spezifischen Porsche-Gegebenheiten angepasst und entwickelt. Ähnlich wie das bei den Modellen Touareg, Q7 und Cayenne auch perfekt gelungen ist.

Wie viele Macan wollen Sie verkaufen?

Müller: Wenn wir so ein Projekt starten, dann müssen die Rahmenbedingungen auch auf der betriebswirtschaftlichen Seite stimmen. Wir rechnen mit 50.000 Einheiten und haben unsere neue Fabrik in Leipzig mit entsprechenden Kapazitäten ausgestattet. In den Gesprächen mit unseren Vertriebskollegen stellen wir fest, dass wir mit dieser Kapazität sehr gut aufgestellt sind.

Wie spielen Sie das VW-Konzernthema Plug-in-Hybride denn jetzt bei Porsche?

Müller: Effizienz und Nachhaltigkeit sind für Porsche keine Fremdwörter, unser Ursprung liegt im Motorsport, da spielen geringes Gewicht und Motoren, die im Vergleich weniger verbrauchen, schon immer die entscheidende Rolle. Der 911 ist das allerbeste Beispiel. Wir haben uns schon frühzeitig die Frage gestellt: "Was bedeutet für uns zukünftige und alternative Mobilität?" Uns war sehr schnell klar, dass das mit reiner Elektromobilität wegen der Kundenansprüche erst mal nicht funktioniert. Das Thema Plug-in-Hybride ist ein vernünftiger Zwischenschritt. Mit dem überarbeiteten Panamera werden wir im April in Shanghai unseren ersten Plug-in-Hybrid vorstellen.

Und das kommt dann in allen Baureihen?

Müller: Der 918 Spyder wird noch in diesem Jahr folgen, danach werden wir das sicherlich als nächstes beim Cayenne einsetzen. Der Macan bietet sich natürlich auch an.

Der neue Cayman ist extrem gut geworden. Ist der aus Sicht eines 911-Bewahrers fast schon zu gut?

Müller: Nein, der ist nicht zu gut. Die beiden werden nicht in Konkurrenz zueinander treten. Der Cayman ist ein Mittelmotor-Auto, der 911 ein Heckmotor-Sportler. Ich glaube, die Konzepte sind so unterschiedlich, dass wir keine Angst haben müssen. Ich bin froh, dass der Cayman so gut wurde und jetzt deutlich maskuliner wirkt. Jedenfalls bin ich überzeugt, diese beiden Porsche leben in friedlicher Koexistenz.

Wann kommt ein kleiner Panamera?

Müller: Ich habe ja nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich glaube, Porsche brauche sieben Modellreihen, um richtig gut aufgestellt zu sein. Warum sieben? Weil ein Lebenszyklus eines Autos etwa sieben Jahre dauert – wenn man das geschickt verknüpft, hat man jedes Jahr ein großes Ereignis durch ein neues Modell. Die fünfte Modellreihe ist der Macan, und dass wir zwischen dem 911 und dem 918 einen weiteren Sportwagen bringen möchten, wird in der Öffentlichkeit eifrig diskutiert. Für eine siebte Modellreihe könnte es sich anbieten, über einen kleineren Panamera nachzudenken. Durch den modularen Standardbaukasten aus dem künftigen Panamera haben wir eigentlich ideale Voraussetzungen für solch ein Fahrzeug.

Wann könnte er kommen?

Müller: Etwa in fünf Jahren, aber da ist wirklich noch nichts entschieden.

Und der so genannte 960 zwischen 911 und 918?

Müller: Der könnte theoretisch ein bisschen eher fertig sein, aber auch da gilt: Wir haben keine Eile, planen das sorgfältig und machen ein Projekt nach dem anderen.

2018 will der VW-Konzern weltweit die Nummer eins sein. Wie viele Autos werden Sie dann zu diesem Ziel beisteuern?

Müller: Ich denke, das werden ungefähr 200.000 Einheiten sein, aber Sie wissen, Volumen ist nicht unsere primäre Führungsgröße.

Wann wird denn China Ihr größter Markt sein?

Müller: Möglicherweise schon 2015.

Wird Sie das als Firma verändern?

Müller: Nein, das glaube ich nicht. Die Hauptabsatzmärkte liegen ja sowieso schon dicht beieinander: Europa ein Drittel, die USA ein Drittel, China ein Drittel. Und ob jetzt der eine seine Nase vorn hat oder der andere, das verändert uns als Unternehmen nicht.

Rückrufaktionen bei Porsche sind extrem selten. Jetzt haben Sie eine wegen des Nachschalldämpfers beim 911 gestartet. Was ist da passiert?

Müller: Das ist eine rein vorsorgliche Maßnahme, wir wollen unseren Kunden immer ein perfektes Produkt bieten.

Können Sie sich vorstellen, dass ein Porsche mal weniger als vier Zylinder hat?

Müller: Heute nicht. Morgen auch nicht. Aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Und dass Ihre Modelle autonom fahren?

Müller: Ich muss Ihnen ehrlich sagen, da kann ich auch Zug oder Taxi fahren. Ein Porschefahrer hat ja wirklich Spaß am Fahren, am Lenken, am Gasgeben und am Bremsen und wieder Schalten. Es geht eben nicht nur darum, irgendwie von A nach B zu kommen.

Wie wäre es mit einem Dieselmotor in den Sportwagen-Modellen von Porsche?

Müller: Lange waren Diesel bei Porsche ja undenkbar. Aber im Cayenne ist das schon eine tolle Sache. Und wir werden sicherlich mal für uns selbst zum Testen einen Sportwagen mit einem Dieselmotor ausstatten. Aber auch da haben wir keine Eile!

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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