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Porsche-Entwicklungschef Dürheimer im Interview

"Porsche hat noch nie eindimensional gedacht"

Wolfgang Dürheimer, Porsche-Entwicklungsvorstand Foto: dpa 48 Bilder

Porsche Forschungs- und Entwicklungsvorstand Wolfgang Dürheimer beleuchtet im Gespräch mit auto-motor-und-sport.de die Pläne für das neue Flaggschiff Panamera und die künftige Modellstrategie.

06.05.2009 Harald Hamprecht

Herr Dürheimer, in China, wo Sie den Panamera jüngst vorgestellt haben, kostet Ihr neues Flaggschiff aufgrund der Luxus-Steuer fast doppelt so viel wie in Deutschland.
Dürheimer: Ja, das trifft zu. Das tut sowohl uns als auch unseren Kunden in China weh, keine Frage. Aber es lässt sich nicht ändern: Die chinesische Regierung hat sich so entschieden. Und sie kündigt solche Entscheidungen nicht lange vorher an. Auch das macht das Geschäft nicht einfacher.

Wird es kleinere Motorisierungen für den Panamera geben?
Dürheimer: Ja, neben den Achtzylindern Panamera Turbo mit 500 PS, dem Panamera S mit 400 PS, die zuerst in den Handel kommen, wird es später auch einen Sechszylinder mit 300 PS geben und eine Panamera-Hybridvariante. Porsche ist eine exklusive Marke. Wohlhabende chinesische Kunden erwarten von Porsche absolutes Premium. Deshalb lassen sie sich auch von den hohen Steuern nicht abschrecken.

Mit Ihrem 911 sind Sie Weltmeister der Varianten. Dürfen wir das beim Panamera auch erwarten?

Dürheimer: Bis wir vom Panamera - wie beim Elfer - 14 unterschiedliche Varianten auf den Markt bringen, wird sicher noch viel Wasser den Neckar herunter fließen. Ich halte das auch für illusorisch. Aber natürlich haben wir uns hierzu schon den einen oder anderen Gedanken gemacht. Schau'n wir mal.

Nur zu Motoren- oder auch zu Karosserievarianten?
Dürheimer: Lassen Sie mich so antworten: Porsche hat noch nie eindimensional gedacht ...

Wird es eine Langversion für den chinesischen Markt geben?

Dürheimer: Nein, das kann ich definitiv ausschließen.

Porsche Panamera 44 Sek.

Und ein Panamera Cabrio?
Dürheimer: Wir haben beim 911 verschiedene Cabriovarianten im Angebot. Andere Hersteller bieten in der Tat auch große Limousinen als Cabrio an. Von daher wäre eine solche Variante durchaus vorstellbar. Momentan steht dieses Thema nicht auf der Agenda. Wir haben andere Hausaufgaben zu machen, wie zum Beispiel den Sechszylinder. Und dann bekommt der Panamera ja auch noch einen Hybridmotor.

Wie viele Gleichteile teilt sich der Panamera mit den übrigen Baureihen?

Dürheimer: Das wichtigste Gleichteil ist das Logo auf der Haube. Ansonsten ist der Panamera ein rundum neues Fahrzeug. Natürlich haben wir das PDK-Getriebe und die Motoren aus der gleichen Familie auch in anderen Modellen im Einsatz, aber für den Panamera haben wir sie noch weiter optimiert. Denn unser Ziel im Lastenheft war klar definiert: Der Panamera soll den Komfort einer Limousine und die Dynamik eines Sportwagens haben. Mit dem Panamera werden wir unseren Kunden ein bisher einzigartiges Automobil anbieten.

Welche Teile werden andere Porsche-Baureihen vom Panamera übernehmen?

Dürheimer: Der Panamera verfügt über die modernste und beste Elektronikplattform, die Porsche je hatte. Features wie das neue PCM 3.1 werden daher künftig nicht nur in diesem Modell zu finden sein. Wir streben an, wesentliche Teile der neuen Elektronik-Architektur auf alle unsere Baureihen zu übertragen. Dies betrifft Bussysteme, Steuergeräte und Teile der Software.

Wird auch der VW-Konzern auf Porsche-Entwicklungen zurückgreifen können?
Dürheimer: Auf Basis der Panamera-Plattform, die wir komplett neu entwickelt haben, könnten wir uns auch gut ein VW- oder Audi-Produkt vorstellen. Aber diese Entscheidungen müssen zu gegebener Zeit getroffen werden.

Sprich für einen VW Phaeton-Nachfolger?

Dürheimer: Das haben allein die Kollegen aus Wolfsburg zu bewerten. Wir streben an, die gute Zusammenarbeit unserer Häuser weiter zu forcieren. Die Kooperation ermöglicht uns derzeit vor allem den Einsatz von attraktiven Motoren aus dem Konzern-Regal; doch dabei muss es ja nicht bleiben.

Könnte der Nachfolger des Cayenne und seiner Schwestermodelle Audi Q7 und VW Touareg auch auf der Panamera-Plattform basieren?
Dürheimer: Nein. Der Cayenne ist von seinen Anforderungen her in einer ganz anderen Fahrzeugkategorie unterwegs als der Panamera. Das Konzept der "Colorado"-Plattform, auf der Cayenne, Touareg und Q7 aufbauen, ist ganz klar auf fünf bis sieben Sitze, eine hohe Geländetauglichkeit und eine Anhängelast von bis zu 3,5 Tonnen ausgelegt. Auch die Sitzhöhe, die Fahrerposition und die Einsitztiefe auf den hinteren Plätzen unterscheiden sich deutlich vom Panamera.

Was ist mit der fünften Baureihe?
Dürheimer: Ingenieure beschäftigen sich leidenschaftlich gerne mit neuen Modellen für die Zukunft. Aber derzeit haben wir völlig andere Prioritäten. Wir setzen all unser Engagement ein, um den Panamera für unsere Kunden perfekt auf die Straße zu bringen.

Das heißt frühestens 2014, wenn alle Nachfolger bestehender Modelle auf dem Markt sind?

Dürheimer: Noch einmal: Eine fünfte Baureihe steht bei uns derzeit nicht auf der Agenda. Wir konzentrieren uns auf 911, Boxster/Cayman, Cayenne und Panamera. Diese vier Baureihen wollen wir perfekt aufeinander abstimmen. Damit sind wir voll ausgelastet. Die Schlagzeile "Nach vier kommt fünf" kann ich Ihnen heute leider nicht liefern, sorry.

Also dann ein anderes Thema: Wie interessant wäre ein kleiner Porsche ohne Dach - analog zum VW Roadster?
Dürheimer: Auch hier muss ich Sie enttäuschen: Auch das ist derzeit kein Thema. Porsche wird immer exklusiv bleiben. Wenn ein so genannter Baby-Porsche - ganz gleich ob als Sportwagen oder kleiner SUV - irgendwann an jeder Straßenecke stünde, würden wir weder der Marke Porsche noch unserer Marge etwas Gutes tun.

Aber der Boxster ist doch ein Erfolgsmodell geworden.
Dürheimer:  Und zwar genau aus diesem Grund. Ein Fahrzeug unterhalb des Boxster würde doch bedeuten, dass wir uns auf ein komplett neues Terrain begeben. Vom Motor beginnend müssten wir fast alle Bauteile neu entwickeln. Nachdem die Deckungsbeiträge in dieser Klasse eher knapp sind, benötigen Sie hohe Volumina, um eine akzeptable Rendite zu erwirtschaften. Damit würde Porsche in den Bereich der Volumenhersteller hineingeraten. Und da gehört Porsche aus meiner Sicht nicht hin.

Bekommen Sie nicht Probleme mit dem Flottenverbrauch und CO2-Ausstoß, wenn Sie weiter nur große Modelle bauen?
Dürheimer: Nein, denn wir erreichen die uns von der Europäischen Kommission gesteckten Ziele. 2008 lag unser CO2-Ausstoß bei durchschnittlich 286 Gramm pro Kilometer. Bis 2014 werden wir - aus eigener Kraft, allein durch den Einsatz innovativer Technologien - eine weitere Reduktion um 25 Prozent auf 216 Gramm schaffen. Die 130 Gramm pro Kilometer, die bis 2014 für Volumenhersteller gelten, brauchen wir als Nischenhersteller nicht zu erreichen. Mit unseren neuen Panamera-Modellen erreichen wir Bestwerte im direkten Vergleich mit unseren Wettbewerbern - nicht nur bei den Fahrleistungen, sondern auch beim geringsten Verbrauch. Deswegen wird sich auch künftig niemand dafür entschuldigen müssen, dass er einen Porsche fährt.

Der neue Touareg kommt 2010 und soll deutlich leichter werden. Der Cayenne auch?

Dürheimer: Wann ein neuer Cayenne kommt - da warten wir noch ein bisschen ab. Aber ganz klar: Beim Gewicht haben wir hohe Ziele und streben an, um einen dreistelligen Kilogrammbereich leichter zu werden. Wir nehmen sämtliche Bauteile ins Visier - vom Kennzeichenträger vorne bis hin zur Auspuffblende hinten. Im Panamera zeigen wir welche Gewichtsreduzierung durch die so genannte Hybridbauweise, sprich eine Mischung aus Aluminium und hochfesten Stählen, möglich ist. Wir haben hier viele gute und neue Ideen.

Den Cayenne haben Sie seit Februar mit einem V6-Diesel im Programm. Ist auch ein stärkerer V8 denkbar?
Dürheimer: Nein, wir setzen den Diesel ausschließlich ein, um mit kleineren Hubräumen noch geringere Verbräuche zu realisieren. Die leistungsstarken Varianten decken wir ausschließlich mit Hochleistungs-Benzinmotoren ab.

Werden Sie den Cayenne Diesel auch in den USA anbieten?

Dürheimer: Nein, das ist in absehbarer Zeit nicht geplant.

Wird es einen Diesel im Panamera geben?
Dürheimer: Natürlich wäre das vorstellbar, derzeit haben wir eine solche Entscheidung aber nicht getroffen. Wir warten ab, ob der Erfolg des Diesels im Cayenne nachhaltig ist. Im Moment sieht es ganz gut aus.

Wie sieht Ihre Hybrid-Strategie aus?
Dürheimer: Im nächsten Jahr kommt der Cayenne mit Hybridantrieb auf den Markt. Danach folgt der Panamera. Unsere Prototypen zeigen sehr vielversprechende Verbrauchsreduzierungen bei vollen Fahrleistungen. Wir sind hier voll auf Kurs.

Wann ist ein Elektroauto bei Porsche vorstellbar, so wie es Herr Ruf schon vormacht?
Dürheimer: Als Allgäuer beeindruckt mich schon, was mein Landsmann hier auf die Räder gestellt hat. Gehen Sie davon aus, dass wir das sehr genau beobachten. Der vollelektrische, serientaugliche Sportwagen wird aber sicher noch mindestens fünf Jahre auf sich warten lassen. Die Leistungsfähigkeit und das hohe Gewicht der Batterien erfordern noch eine erhebliche Weiterentwicklung. Auch die Alltagstauglichkeit, beispielsweise die Ladezeit "beim Nachtanken" muss noch verbessert werden.

Warum nutzen Sie dann nicht Range-Extender, wie es andere Hersteller auch machen wollen?
Dürheimer: Das wäre für einen Sportwagen ein erheblicher Kompromiss, schon allein aufgrund des Zusatzgewichtes, der Zusatzkosten sowie des dafür notwendigen Bauraumes. Wir respektieren, wenn andere Hersteller diesen Weg gehen. Porsche Sportwagen werden auch in Zukunft kompromisslos sein.

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