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Porsche Design Mythos

Uhren so unsterblich wie der Elfer

Porsche Hommage an den 911 2009 Foto: LAT, Wolfgang Wilhelm 12 Bilder

Ihre Schlichtheit täuscht. Porsche Design-Uhren gelten als schön und intelligent. In Form und Technik gehen sie seit Jahrzehnten neue Wege.

30.08.2009 Powered by

Revolution am Handgelenk

Die Zeit war reif für etwas Neues. Endlich schuf die hemmungslose Kreativität der Siebziger das perfekte Klima für Revolutionen, die sogar am Handgelenk beginnen können. Klobige Digitaluhren mit roten LED-Anzeigen, grell wie Taschenrechner, galten als letzter Schrei bei raumfahrteuphorischen Technik-Freaks. Lieutenant Kojak rückte seine Pulsar stets publikumswirksam ins Bild, per Knopfdruck flackerte die Lokalzeit von Manhattan-Süd auf. Quarzkristalle und Mikroprozessoren ersetzten Unruh und Ankerrad, Opas Uhr hatte ausgetickt.

Mitten in diese stürmische Zeit des Umbruchs platzt ein Ewiggestriger mit einem dicklichen Automatik-Chrono, wo doch extraflach gerade Mode ist. Eine schwere, bis zehn bar wasserdichte Uhr mit Zeigern, kratzfestem Mineralglas und einem mechanischen Werk, das tickt. Sie ist mattschwarz und damit auf provokante Weise schmucklos, trägt den unbekannten Namen Orfina und kostet 1974 stolze 695 Mark. Dafür gibt es schon einen Rolex Oyster Date- Chronometer - wenn schon konservativ, dann richtig.

Die Orfina in der Formel 1

Doch das schwarze Zeiteisen hat Sex-Appeal, wird spontan zum Renner, löst sogar für ein paar Jahre die Rolex als angesagte VIP-Uhr und als meistkopiertes Vorbild ab. Formel 1-Fahrer wie Emerson Fittipaldi, Carlos Reutemann, Ronnie Peterson und vor allem Mario Andretti, der sich stets mit der Orfina zeigte, unterliegen ihrem herben Charme und schätzen die perfekte Ablesbarkeit. Der Stoppzeiger ist signalrot, Tachymeterskala und Totalisatoren wirken so unerhört kontrastreich wie die Instrumente des 911. Lufthansa-Piloten und Porschefahrer stürmen die Uhrenläden. Denn ganz klein steht Porsche drauf, Porsche Design. Der mutige Ewiggestrige von vorhin heißt übrigens Ferdinand Alexander Porsche, er schuf die atemberaubende Form des Porsche 911 und des 904.

Er erfand die Porsche-Uhr in der Abgeschiedenheit von Zell am See. Mattschwarz war damals total in, Profi -Look nannte man das bei den Kameras. F. A. Porsche antwortete 25 Jahre später auf die Frage, warum er keine zeitgemäße Quarzuhr gemacht hat: "Ein Quarzwerk hätte niemals zur Funktionalität und Robustheit der Uhr gepasst. Sie musste etwa auf Expeditionen ohne Batterie auskommen, außerdem war das damals völlig neue Automatik-Werk Valjoux 7750 extrem ganggenau." Später gibt es den Chrono auch in Hell sabliert, er bekommt eine verschraubte Krone und alternativ, auf Wunsch der Militärpiloten, ein anderes Kaliber mit großem Minutenzähler.

F.A. Porsche begnügte sich aber nicht mit dieser zarten Modellpflege, sondern gewann 1978 die renommierte Uhrenmanufaktur IWC für seine ehrgeizigen neuen Uhrenprojekte. Neben einer IWC mit eingebautem Kompass und der Taucheruhr Ocean 2000 war es vor allem der IWC Titan Chronograph, der ab 1980 Furore machte. Werk und Zifferblattdesign teilt die IWC mit der Orfina, doch F. A. Porsche wählte als Werkstoff das im Vergleich zu Edelstahl um mehr als die Hälfte leichtere Titan. Er entwickelte mit den Schweizern ein perfekt integriertes Titanband mit patentiertem Verschluss und wählte hochpräzise gefertigte Tastendrücker, die bündig ins Gehäuse eingelassen waren. Der IWC Titan Chronograph ist heute ein gesuchtes Sammlerstück, vor allem die frühen Versionen, die am unteren Bandanstoß den "Titan"-Schriftzug tragen, sind begehrt. Der alte F. A. Porsche-Leitsatz guter Gestaltung "Form follows Function" - beim Titan-Chrono trifft er mehr als zu.

Porsche und Eterna fusionieren

Das bedeutendste Kapitel in der Geschichte der Porsche Design-Uhren beginnt im Jahre 1995, als die kreative Holdinggesellschaft unter Vorsitz von Oliver Porsche den traditionsreichen Schweizer Uhrenhersteller Eterna übernimmt. Man erreicht damit für die Porsche Design-Uhren eine viel höhere Fertigungstiefe und ist in der Lage, auch Werkmodule oder so genannte Kadraturen, also komplizierte mechanische Aufbauten etwa für den Worldtimer, für den Rattrapante und für den hochgenialen Indicator, selbst zu konstruieren und zu fertigen.

Am Ende dieser Synergien wird irgendwann sicherlich ein eigenes Manufakturkaliber stehen, ein Prestigeattribut, das für Premiumhersteller wichtig ist, um technische Kompetenz zu beweisen. Die heutigen Porsche Design-Uhren unter Eterna-Flagge sind also nicht nur schön und funktionell, sondern vor allem auch intelligent. Der Worldtimer löst die sonst stets zum Nachdenken oder raffiniertem Kombinieren anregende Anzeige einer zweiten Zeitzone auf genial einfache Weise. Der Zeitzonenwechsel geschieht per Knopfdruck der oberen Krone, ein dort integrierter Drücker schaltet die gewünschte Weltmetropole ein, deren Lokalzeit sich auf dem gegenüberliegenden Sichtfenster problemlos ablesen lässt. Basiskaliber des Worldtimer ist das drehmomentstarke, groß dimensionierte ETA-Valgranges. Es dient auch dem zuverlässig funktionierenden mikromechanischen Forschungslabor namens Indicator als Antrieb.

Die Eterna-Konstrukteure revolutionierten mal eben den mechanischen Chronographen von Grund auf. Statt die Stoppzeit auf kleinen Hilfszifferblättern für den Zeitnehmer mühsam festzuhalten, ist der Indicator von dem Ehrgeiz getrieben, sie digital darzustellen und sie damit auf einen Blick ablesbar zu machen. Drei separate Federhäuser zum Antrieb der Scheiben sind dazu notwendig. Auch die Integration des Start-Stopp-Mechanismus gestaltete sich äußerst schwierig. Man kann die Komplexität des Indicators auch am Preis von exakt 110.000 Euro ablesen.

Hommage an den 911

Wer auf solche technischen Höhenflüge verzichten kann und Porsche Design-Uhren lieber als schöne, funktionelle Zeitmesser versteht, dem sei der Flat Six Automatic-Chrono ans Handgelenk gelegt. Diese miniaturisierte Hommage an den Porsche 911 fasziniert durch ihr feines Gehäuse, das in vielen Details wie der Krone, den Drückern und den Gehäuseflanken leise Zitate aus dem Motorenbau anklingen lässt.

Selbst die gute alte Orfina gibt es noch, wahlweise in Stahl oder Titan hell. Sie heißt nun Heritage P011, wurde behutsam modellgepflegt und scheint so unsterblich wie der Elfer. Bitte gebt sie uns wieder in Schwarz, so wie damals 1974.


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