Porsche Diesel: Cayenne trifft Trecker

Der Cayenne Diesel eröffnet Porsche-Piloten ganz neue Sparpotenziale. Doch die Selbstzünder-Tradition des Sportwagenbauers ist viel älter. Der Porsche-Dieseltraktor der Familie Mauz ist ein halbes Jahrhundert alt - und sogar sparsamer als der Cayenne.

Alexander Mauz wartet geduldig darauf, bis die Glühkerze ihren Job erledigt hat, dann startet er den knallroten Porsche. Der orgelt zunächst ein bisschen unwillig, rülpst schwarzen Qualm aus dem Auspuff und nagelt schließlich fröhlich vor sich hin. Beim Cayenne geht das etwas dezenter vonstatten: Die Vorglühlampe erlischt nach einer halben Sekunde, der Motor springt seidenweich an und gibt sich über das gesamte Drehzahlband äußerst kultiviert.

50 Jahre trennen die beiden Selbstzünder. Der fabrikneue Cayenne hat einen von Porsche überarbeiteten V6-Diesel aus dem Hause Volkswagen mit 240 PS unter der Haube. Der Traktor vom Typ Porsche-Diesel Junior 108 L, Baujahr 1959, kommt mit nur einem Zylinder und 14 PS aus.

Die Trecker-Historie von Porsche

"Das ist einfach ein wunderschönes Fahrzeug. Von vorn sieht es aus, als ob es einen anlacht", sagt Alexander Mauz über den top-gepflegten Junior. Die ganze Familie Mauz ist mit dem Trecker-Virus infiziert, und schuld daran ist Ferdinand. Nein, nicht der Porsche-Schöpfer-Ferdinand, der kleine rote Traktor aus dem gleichnamigen Kinderbuch ist gemeint. Und auch der achtjährige Ferdinand Mauz, denn der konnte sich an dem Buch schon als Kindergarten-Knirps nicht satt sehen. Schließlich schenkten ihm seine Eltern den Traktor in Lebensgröße. Wenn Ferdinand 16 wird, darf er selbst ans Steuer.

Mit zwei zusätzlichen Sitzbänken kann das Ehepaar Mauz zusammen mit den beiden Söhnen sogar Familienausflüge mit dem Trecker unternehmen. Als der VfB Stuttgart in der Saison 2006/07 Deutscher Fußballmeister wurde, fuhr der rote Ferdinand mit zwei Flaggen im Autokorso vorneweg. "Die Leute sind ausgeflippt vor Begeisterung", erzählen die Stuttgarter Traktoren-Fans. Sie fahren mit dem Trecker hin und wieder sogar zum Brötchen Holen in der Stadt. Auch wenn der Junior mit seinen 20 Km/h Höchstgeschwindigkeit von manchem Radler überholt wird, wird er selten als Verkehrshindernis empfunden: "Die Leute reagieren eigentlich immer positiv", sagt Alexander Mauz.

Der als landwirtschaftliche Zugmaschine zugelassene Junior ist der kleinste Porsche-Traktor, darüber rangieren die Modelle Standard (Zweizylinder), Super (Dreizylinder) und der Vierzylinder Master. Die Geschichte der Porsche-Schlepper begann 1937, als Ferdinand Porsche von der NS-Regierung beauftragt wurde, einen "Volksschlepper" zu entwickeln. Der erste Serien-Trecker mit Porsche-Technik wurde 1950 vorgestellt und vom schwäbischen Unternehmen Allgaier in Lizenz gebaut.

1954 wurde die Porsche-Diesel-Motorenbau GmbH gegründet, ab 1956 erhielten die Schlepper die charakteristische rote Lackierung. 1963 stieg der Sportwagenbauer aus dem Trecker-Geschäft aus. "Insgesamt wurden 120.000 Traktoren gebaut, mehr als vom Porsche 356", sagt Harald S. Stegen, Präsident des Porsche-Diesel Club Europa e.V..

Entspannung nach der Nordschleife

Der Junior, den Alexander Mauz zur Not auch mit einem Nagel im Zündschloss und einer Gabel als Überbrückung am Anlasser starten kann, hat die Stuttgarter Familie noch nie im Stich gelassen. Der Trecker hat sechs Vorwärts- und zwei Rückwärtsgänge, eine ölhydraulische Kupplung, eine Differenzialsperre für die Hinterachse und bringt rund eine Tonne auf die Waage. "In der Stunde verbraucht der Traktor 1,2 Liter Diesel, auf 100 Kilometern also zwischen fünf und sechs Liter", sagt Alexander Mauz. Damit ist der Porsche-Trecker trotz des zugegeben unfairen Vergleichs sogar sparsamer als der Cayenne - der genehmigt sich im Schnitt 9,3 Liter pro 100 Kilometer.

Das ungewöhnliche Porsche-Hobby ist relativ preiswert, auch wenn sich der Sammlerwert der Schlepper in den vergangenen Jahren vervielfacht hat. Alexander Mauz hat den Junior im Jahr 2001 für 1.000 D-Mark erworben. Diese Zeiten sind längst vorbei: "Ein guter Junior bringt es heute auf bis zu 10.000 Euro, für einen Master im Top-Zustand muss man bis zu 50.000 Euro einplanen", sagt Harald S. Stegen. Mehr als 600 Mitglieder zählt der Porsche-Diesel Club. "Viele unsere Mitglieder sind selbst Sportwagenfahrer oder sogar im Rennsport aktiv", weiß Stegen. Nach ein paar schnellen Runden im 911er über die Nordschleife dürfte der gemütliche Sonntagsausflug mit dem Junior für manche die ideale Entspannung darstellen.

Mit dem Trecker durch die Dolomiten

Regelmäßig gehen die Trecker-Fans auf große Fahrt. "Im September startet unsere Drei-Tages-Tour durch die Dolomiten, daran nehmen 70 Fahrzeuge teil", sagt Vereinspräsident Stegen. Der Club hat außerdem das "Projekt Porsche Junior" ins Leben gerufen. Bei bundesweit 50 Projekten, von denen 15 bereits abgeschlossen sind, restaurieren junge Menschen an Berufsschulen, Hauptschulen oder Behindertenwerkstätten alte Porsche Junior-Traktoren.
 
Dass jetzt Cayenne-Diesel-Fahrer dem Club beitreten, kann sich Stegen nicht vorstellen - es sei denn natürlich, sie besitzen auch noch einen Trecker. "Aber der Wagen ist bestimmt ein gutes Zugfahrzeug, wenn man seinen Traktor auf dem Hänger transportiert", freut sich Stegen.

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Sebastian Viehmann

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