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Porsche-Entwicklungschef Michael Steiner

Panamera wird noch mehr Porsche

Michael Steiner Foto: Sabine Hofmann-Mühlberger 52 Bilder

Der neue Porsche-Entwicklungsvorstand und Nachfolger von Wolfgang Hatz hat maßgeblich an der Entstehung der ersten Panamera-Generation mitgewirkt. Im Interview spricht er über den neuen Viertürer, autonomes Fahren und die Elektro-Strategie von Porsche.

20.07.2016 Birgit Priemer
Welche Bedeutung hatte aus Ihrer Sicht die erste Panamera-Generation für die Marke Porsche?

Steiner: Der Panamera hat uns ein komplett neues Segment eröffnet. Wir haben die Limousine zwar nicht erfunden, aber wir haben einen Porsche daraus gemacht. Wir haben unsere Sportwagen-Gene mit denen einer Luxuslimousine vereint. Und: Der Panamera war nach dem Cayenne die nächste zusätzliche Baureihe als Teil unserer Wachstumsstrategie. Für Porsche war das sehr erfolgreich. Wir haben mehr als 150.000 Einheiten – Stand heute – davon verkauft. Besonders gefragt ist er in China und den USA.

Was war Ihnen in der Weiterentwicklung des Konzepts ein besonderes Anliegen?

Steiner: Der neue Panamera wird noch mehr Porsche. Vor allem haben wir noch mehr 911 in den Panamera gesteckt. Er wird noch leichtfüßiger, präziser und wendiger auf Fahrerbefehle reagieren. Auf der anderen Seite wird er all das bieten, was man unter Luxus versteht. Er wird also komfortabler und in der Qualitätsanmutung noch einmal hochwertiger. Und in Sachen Connectivity sind wir absolut auf dem Stand der Technik.

Porsche Boxster S, SeitenansichtFoto: Hans-Dieter Seufert
Der neue Vierzylinder im 718 Boxster ist für den 911 vorläufig nicht geplant.
Die Größe des Autos wurde bei der ersten Panamera-Generation durchaus kritisiert. Am Package haben Sie aber trotzdem festgehalten, oder?

Steiner: Die Konzeptidee – also Platz für vier Erwachsene und entsprechendes Gepäck – haben wir übernommen. Sie hat sich bewährt. Im Wesentlichen finden Sie die Innenraummaße des Vorgängers wieder, wir haben sogar etwas mehr Kofferraum. Und trotzdem hat die Silhouette gewonnen. Das Auto wirkt von außen deutlich straffer und sportlicher, im Heckbereich mit einem schönen klaren Zug und Anklängen an den 911.

Und was zeichnet dann den Shooting Brake als weitere Variante des Panamera aus?

Steiner: Wir haben den Sport Turismo 2012 in Paris als Studie präsentiert – und das Auto ist sehr gut angekommen. Es unterscheidet sich an erster Stelle durch die verlängerte Dachlinie und den steilen Heckabschluss. Dadurch bietet der Sport Turismo natürlich mehr Laderaum und damit mehr Nutzwert und Alltagstauglichkeit – gerade für Familien und Freizeitaktivitäten. Wobei bereits die Panamera-Limousine mit klappbaren Rücksitzen mehr Variabilität bietet als die Wettbewerber. Aber im Sport Turismo könnte es eben noch etwas mehr davon geben. Deshalb wollen wir diese Variante auch umsetzen. Wann und wie genau – warten Sie ab!

Sie haben das Amt des Entwicklungsvorstands gerade neu angetreten. Welche Themen haben Sie sich speziell vorgenommen?

Steiner: Die spannendste Frage ist sicher, wie schnell und in welchen Dimensionen ändert sich die Automobilindustrie und was muss Porsche tun, um sich darauf einzustellen. Eines ist sicher – auch in Zukunft werden alle Porsche-Modelle die Kernwerte unserer Marke wie Sportlichkeit und das einzigartige, emotionale Fahrerlebnis transportieren. Und zwar unabhängig davon, ob ein Verbrennungs- oder ein Elektromotor für den Antrieb sorgt. Wie wir uns Porsche-typische Elektromobilität vorstellen, haben wir mit der Studie Mission E gezeigt. Und der Mission E wird keine Studie bleiben. Im vergangenen Dezember hat der Aufsichtsrat beschlossen, die Entwicklung des Serienmodells zu starten. Und es stellt sich natürlich auch die Frage, wie wir die heutigen Porsche-Technologien mit den klassischen Verbrennungsmotorenpflegen, die wir noch lange nicht für veraltet halten. Und was wir dazwischen machen? Wir haben ja schon drei erfolgreiche Plug-in-Modelle am Markt. Diese Technologie werden wir nicht nur weiter ausrollen und pflegen, sondern auch noch emotionaler machen.

Wird sich Porsche auch dem Thema autonomes Fahren widmen?

Steiner: Konnektivität und Fahrerassistenzsysteme in Richtung des pilotierten Fahrens sind auch für uns spannend. Nicht weil wir von einem fahrerlosen Auto träumen, sondern weil wir sehr wohl wissen, dass Sie auch mit einem Porsche mal im Stau stehen. Da ist das Fahren weder erfrischend noch sportlich. In solchen Situationen wollen wir unsere Kunden entlasten. Oder denken Sie an automatisiertes Einparken, das bietet einen weiteren Komfortvorteil. Aber sobald die Bahn wieder frei ist oder sich eine tolle Landstraße anbietet, werden wir es unseren Kunden ermöglichen, den Fahrspaß wieder zu genießen. Insofern ist das für uns eine sinnvolle Ergänzung. Sicher keine Ergänzung, sondern ein wichtiges Geschäftsfeld für die Zukunft ist alles, was sich rund um die Konnektivität entwickelt: Online-Updates für erweiterte Funktionen etwa, aber auch die Intelligenz der Fahrzeugsensorik mit Schwarminformationen zu verknüpfen. Was man daraus machen kann, was unsere Fahrzeuge möglicherweise auch noch sportlicher macht – da haben wir gute Ideen und werden einige Überraschungen liefern.

Wie weit folgen Ihnen die ganz puristischen Kunden, die jetzt erst einmal einen Zweiliter-Vierzylinder im 718 Boxster verkraften müssen, dann kommen Konnektivität, autonomes Fahren und generell die Digitalisierung. Könnte man sich einige Modelle wie den GT3 vorstellen, die bei diesen neuen Technologien außen vor bleiben?

Steiner: Ganz sicher werden wir auch in Zukunft puristische und extrem sportliche Fahrzeuge anbieten – Stichwort Rundstrecke. Aber ich möchte nicht ausschließen, dass es Technologien von morgen gibt, die auch diese Autos noch zusätzlich würzen. Wir pflegen sie, aber sie kommen nicht unter eine Glasglocke. Wenn es Dinge gibt, die diese Modelle besser machen, dann bringen wir die auch ins Auto. Denken Sie nur an die Hinterachslenkung, die die Autos wendiger, stabiler und sportlicher macht – obwohl man Gewicht dazuaddiert.Trotzdem haben wir uns auch bei unseren puristischen Fahrzeugen dazu entschieden, diese Technologie anzubieten.

Sie haben ja gerade den neuen Zweiliter-Vierzylinder im 718 Boxster eingeführt. Wird es den 911 auch irgendwann mit diesem Motor geben?

Steiner: Das ist jetzt und in absehbarer Zeit kein Thema.

Vielleicht in der nächsten Generation?

Steiner: Der Sechszylinder passt hervorragend.

09/2015, Porsche Mission EFoto: Porsche
Nach der Premiere der Studie Mission E auf der IAA 2015 gab es schnell grünes Licht für die Entwicklung der Serienversion dieses 600 PS starken Elektroautos mit 500 Kilometern Reichweite.
Ist Ihre Vision als Porsche-Entwicklungsvorstand, dass die Marke noch breiter aufgestellt werden muss? Brauchen Sie zum Beispiel einen kleinen SUV unterhalb des Macan?

Steiner: Wir überlegen uns regelmäßig, wie wir unsere Modellpalette noch attraktiver gestalten können. Neue Modelle müssen immer zur Marke passen. Das heißt, sie müssen sportlich und exklusiv zugleich sein. Deshalb werden wir unsere Palette nicht mit Modellen erweitern, die preislich unterhalb von Macan und 718 liegen. Sie können sich aber sicher sein: Wir haben noch ein paar spannende Produktideen parat.

Können Sie noch einmal die Hoheiten über die Baukästen innerhalb des VW-Konzerns erläutern? Sie haben einen E-Baukasten, aber Audi doch auch?

Steiner: Meine Überzeugung ist, dass wir das Know-how und die Stärken der einzelnen Marken noch besser zusammenbringen müssen. Davon profitieren dann alle. Da geht es weniger darum, wem welcher Baukasten gehört. Wir brauchen aber in der Tat Baukästen, weil es wirtschaftlich und unternehmerisch sinnvoll ist. Dort müssen die jeweils besten Lösungen Eingang finden. Wir müssen allerdings sicherstellen, dass die Ausprägungen und der individuelle Charakter der einzelnen Marken erhalten bleiben. Denn die Kunden haben ja auch jeweils eigene Erwartungen und Ansprüche.

Aber es ist doch so, dass Audi einen E-Baukasten hat und Porsche auch?

Steiner: Wir haben mit dem Mission E eine sehr sportliche Ausprägung eines Elektroautos. Audi hat sich für ein volumenstarkes Segment und ein vollkommen anderes Fahrzeugkonzept entschieden. Aufgrund der spezifischen Architekturen der beiden E-Autos gibt es bestimmte Umfänge, die sich technisch unterscheiden müssen. Aber es gibt auch Module und Komponenten, die sich eben nicht unterscheiden müssen. Und bei deren Entwicklung diskutieren wir sehr intensiv und arbeiten eng zusammen. Beide Marken werden aus diesen Projekten lernen. Und für die nächste Generation werden wir ganz sicher noch weitere Ideen ableiten, was wir gemeinsam entwickeln können. Aber auch, an welcher Stelle sich Eigenentwicklungen zur Differenzierung vor dem Kunden lohnen.

Wäre der sportliche Baukasten des Mission E auch skalierbar runter zu 911 oder 718 Boxster als E-Auto?

Steiner: Wenn man ein solches Fahrzeug auf einem weißen Blatt Papier neu konzipiert, schaut man sich natürlich auch an, in welchen Dimensionen so ein Konzept skalierbar ist. Und da gibt es in der Tat interessante Möglichkeiten. Aber Sie werden verstehen, dass ich heute darüber noch nicht spekulieren möchte.

Vita

Michael Steiner, 51, war ab 2002 als Leiter Innovationen und Konzepte bei Porsche beschäftigt. Ab 2005 verantwortete er die Panamera-Baureihe, 2011 wurde er für die Entwicklung Gesamtfahrzeuge/Qualität verantwortlich. Vor Porsche war Steiner gut sieben Jahre bei Daimler beschäftigt.

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