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Porsche-Only-Auktion mit 24 % Verkaufsquote

Selbst den 959 will keiner haben!

12/2015 - Porsche-Only Auktion, Auctionata, mokla1215 Foto: Auctionata 72 Bilder

Waren klassische Porsche der 60er bis 90er-Jahre in den letzten Jahren ein Garant für exponentielle Wertsteigerungen, lässt die Porsche-Only-Auktion uns fragen: Ist der Porsche-Hype jetzt vorbei?

14.12.2015 Kai Klauder Powered by

Bisher musste man nur in den USA auf Porsche-Einkaufstour gehen und konnte sicher sein, seine automobile Beute in Europa gewinnbringend wieder loswerden zu können. Doch die Porsche-Only-Auktion vom 12. Dezember 2015 stimmt nachdenklich.

Das Auktionshaus Auctionata hatte nach der Mercedes-Only-Auktion für die große Weihnachtsversteigerung 25 Sportwagen mit Porsche-Wappen zusammengestellt. Der Auktionskatalog liest sich interessant, neben Massenware gibt es durchaus seltene Sammler- und Rennsportfahrzeuge.

Doch nur 6 der angebotenen Porsche wurden verkauft (Quote: 24 %), und ein einziger erzielte mehr als seinen Schätzpreis. Die 12 unter Vorbehalt zugeschlagenen Fahrzeuge blieben zum Teil mehr als 30 % unter ihrem Schätzpreis.

RS America für 156.800 Euro

Lot 7 ist die rühmliche Ausnahme unter der Porsche-Flotte. Dabei handelt es sich um einen 1992er Porsche 911 RS America mit einer Laufleistung von 70.123 Meilen. Der Schätzpreis lag bei 120.000 bis 140.000 Euro. Von der limitierten Sonderserie RS America wurden nur 701 Exemplare gebaut, die ausschließlich auf dem US-Markt angeboten wurden.

Der Porsche 911 RS America ist mit einem starren Heckflügel und einem komfortableren Fahrwerk ausgestattet. Die RS-Merkmale wie Leichtbautüren, Sportfahrwerk, Sportsitze und servolose Direktlenkung hat das US-RS-Modell allerdings auch.

Der Erstbesitzer orderte seinen 911 RS in Grand-Prix-Weiß und ließ ihn ab Werk mit Sperrdifferenzial, Klimaanlage und Schiebedach ausstatten. Verkauft wurde der 250 PS starke Wagen, der 2012 nach Deutschland re-importiert worden war, für 156.800 Euro.

Porsche Turbo Coupé ein Drittel unter Schätzwert

Viele Lots bekamen einen Zuschlag unter Vorbehalt - obwohl sie zum Teil mehr als 30 % unter ihrem Schätzwert blieben. Ein Beispiel ist der Porsche 930 Turbo, der Mit einem Schätzpreis von 180.000 bis 220.000 Euro ins Rennen gegangen war. Für das 1975er-Exemplar mit 104.387 km auf der Uhr wurden zuletzt 120.000 Euro.

Auch dem Highlight der Auktion ging es so. Das 1970er Porsche 911 ST Coupé mit 5.024 km wurd mit einem Schätzpreis von 1,3 bis 1,5 Millionen Euro im Auktionskatalog geführt. Dass dies deutlich zu hoch war, belegt der Zuschlag unter Vorbehalt bei 950.000 Euro.

Selbst der Porsche 959 im Neuwagenzustand mit nur 8.294 km blieb wegen eines viel zu niedrigen Höchstgebotes von 800.000 Euro stehen. Den Schätzpreis hatte Auctionata mit 1,2 bis 1,4 Millionen Euro angegeben. Beruhigt sich etwa der Markt?

Alle Ergebnisse nennen wir in unserer Fotoshow

Porsche 911 CoupéFoto: Auctionata
Transporter gleich mit dabei: 1977 Porsche 935 (ursprünglich 930 Turbo) und ein 1968er Magirus Renntransporter kt H-Kennzeichen.

Das Auktionsangebot der Porsche-Only-Auktion

Ein Ur-Elfer im Rennstrecken-Trimm, einer von 10 Gruppe IV Spezial GT, ein 959 mit nur 8.294 km auf der Uhr - nur einige der Highlights der Porsche-Only-Auktion vom 12. Dezember 2015. Die Auktion war innerhalb von nur 4 Tagen nach der Mercedes-Only-Auktion am 8. Dezember der zweite Streich von Auctionata.

Stilvoll das Ambiente, bekannter Moderator: Die von Ulf Poschardt moderierte Veranstaltung fand im Automuseum Prototyp statt. Poschardt ist unter anderem stellvertretender Chefredakteur von "Die Welt" und "N24" sowie Herausgeber einiger Musikmagazine - und Autor zweier Bücher zum Thema Sportwagen und 911.

Auctionata hatte insgesamt 25 Porsche zusammengestellt, die eine Bauzeit von 1965 bis 1997 abdecken. 14 davon kommen aus den USA, 8 aus Deutschland, 2 aus der Schweiz und einer aus Italien. Unsere 5 Highlights präsentieren wir hier, alle Lots mit näheren Informationen und Estimates sowie Startpreisen zeigen und nennen wir in unserer Fotoshow.

Ölklappen-Elfer für Fans

Für alle, die auf die seltenen Ölklappen-911 stehen - und dafür bereit sind, einen saftigen Aufschlag zu berappen, gibt es mit Lot 14 das richtige Auto. Ein 1972er Porsche 911 T in Lindgrün (Farbcode: 226), dazu schwarze Kunstleder-Innenausstattung.

Der Wagen wurde in die USA erstausgeliefert und kommt mit einer Laufleistung von 66.139 Meilen zur Auktion in Hamburg. Mit der Zenith-Einspritzanlage leistet der US-911 T 140 PS. Der Auktionskatalog schwärmt von dem 911 T: "Schweißarbeiten sind nicht erkennbar. Im Innenraum sind Sitze, Armaturenbrett, Innenhimmel und Teppiche original, das Armaturenbrett hat nur einen kleinen Riss am Lautsprecherausschnitt zur Frontscheibe hin (ca. 1,5 cm)".

Zu dem Fahrzeug gehört eine umfangreiche Dokumentation inklusive Kaufvertrag und Betriebsanleitung. Der Schätzpreis lag bei 120.000 bis 140.000 Euro, der Zuschlag erfolgte bei 134.400 Euro.

Sammlerstück: Über-Porsche mit 8.294 km

Wer eine sichere Anlagemöglichkeit sucht, hat sie mit Lot 18. Denn hierbei handelt es sich um einen Porsche 959 von 1988. Das macht ihn zunächst mal nicht besonders, wenn man davon absieht, dass von dem 959 in zwei Jahren weniger als 300 Exemplare gebaut wurden.

Doch das angebotene Exemplar stand die meiste Zeit in einem Automobilmuseum. Exakt nach 15 Monaten hatte der Erstbesitzer den Wagen mit noch nicht einmal 8.000 km auf der Uhr abgemeldet. Nach dem Museumsaufenthalt wurde der Wagen 2004 von seinem jetzigen Besitzer mit 8.005 km gekauft und seither nur 189 km bewegt.

Der Zustand des Porsche 959 wird als sehr gut und neuwertig beschrieben, das Estimate lag bei 1,2 bis 1,4 Millionen Euro. Der Startpreis beträgt 600.000 Euro. Doch die Bieter wollten sich nur bis 800.000 Euro hochschrauben - zu wenig, der Über-Porsche blieb stehen.

Einer von 10: Porsche 911 ST Gruppe IV Spezial GT

In ähnlichen Preisgefilden bewegt sich der Porsche 911 ST, der vor seiner Auslieferung in der Porsche-Rennsportabteilung zu einem Gruppe IV Spezial GT aufgebaut wurde. Nur 10 Exemplare sollen nach dieser Spezifikation entstanden sein.

Das 1970er-Modell, das mit Lotnummer 21 angeboten wird, bekam unter anderem eine Tieferlegung, verstellbare Stabis an Vorder- und Hinterachse, Kunststoffkotflügel mit Verbreiterung, Alu-Türen, Kunststoff-Stoßfänger und Kofferraumhaube, Plexiglasscheiben sowie einen 110-Liter-Tank.

Der Motor wurde dank größerer Zylinderbohrung auf 2.247 ccm und mit klassischen Tuning-Maßnahmen auf 230 PS bei 8.000/min gebracht. Rund 50.000 Mark kostete der spezielle 911 anno 1970. So gerüstet, nahmen die ersten beiden Besitzer Hans Braun aus Nürnberg und Ludwig Hornauer zwischen 1970 und 1974 an zahlreichen Rennveranstaltungen teil.

Auctionata gibt einen Schätzwert von 1,3 bis 1,5 Millionen Euro an, bei 650.000 Euro ging es los. Mehr als 950.000 Euro sollten es allerdings nicht werden. Der Zuschlag unter Vorbehalt kam trotz des Fehlbetrags von 350.000 Euro zum Schätzpreis.

Porsche 911 Cabrio Foto: Auctionata
Jüngstes Auto der Auktion: Porsche 993 Turbo, Sonderlack Gelb L998, original 69.233 km, Baujahr 1997. Schätzpreis 190.000 bis 210.000 Euro.

Transporter gleich mit dabei

Eine seltene Gelegenheit bietet sich mit Lot 19. Denn hier kann ein Rennwagen ersteigert werden - und der passende Transporter mit H-Kennzeichen ist auch schon mit dabei. Es geht um einen 1977er Porsche 930 Turbo in 935-Optik, der in den USA auf eine Leistung von 610 PS und ein maximales Drehmoment von 800 Nm gesteigert wurde. Dazu gehört ein 1968er Magirus Deutz 186 D 17 FL, der zu einem Renntransporter im Porsche-Design umgebaut wurde.

Der Schätzpreis für das Duo liegt bei 250.000 bis 300.000 Euro. Deutlich früher endeten die Gebote. Schon bei 140.000 Euro stiegen die Bieter aus.

Renn-Ur-Elfer mit Röhrl-Historie

Chancen für ein besonders hohes Gebot hat auch Lot 20, denn Walter Röhrl fuhr diesen Porsche 911 bei der Bavaria-Rallye 1996, ein Lauf zur offiziellen historische Europameisterschaft. Bei dem Aufbau des Urmodells aus dem Jahr 1965 wurden keine Kosten und Mühen gescheut. Der nächste Besitzer ließ den seltenen 1965er-911 dann für den Rundstreckensport umbauen und setzte ihn in der historischen Meisterschaft GTM ein.

Für 911- und Röhrl-Fans ist das Angebot etwas Besonderes, denn der Wagen ist von dem Rallye-Weltmeister handsigniert, eine offizielle Walter-Röhrl-DVD sowie ein limitiertes Modellauto von dem "Bienert-Röhrl 911" gehören zu dem Wagen ebenso dazu wie eine umfangreiche Dokumentation der Umbauarbeiten. Der Schätzpreis lag bei 300.000 bis 350.000 Euro, der Startpreis von 160.000 Euro wurde nicht übertroffen - nicht verkauft.

Korrektur: In einer früheren Version des Textes war zu lesen, dass Walter Röhrl Besitzer dieses Porsche 911 2,0 SWB gewesen ist (wie der Auktionskatalog mit der Angabe "Ex-Walter-Röhrl auch suggerierte") - dem ist nicht so. Walter Röhrl war an diesem Aufbau zum Rundstreckenrennwagen insofern beteiligt, als er Tipps und seine Vorstellungen und Empfehlungen abgab. Wir bitten um Entschuldigung.

Seltenes Turbo-Cabrio

Auf 150.000 bis 170.000 Euro wurde Lot 17 geschätzt, ein 1987er Porsche 930 Turbo Cabriolet. Genau, eines von insgesamt nur 211 offenen Versionen des Porsche 930 Turbo mit dem Nackenschlagenden 3,3-Liter-Turbo mit 300 PS.

Der Wagen stammt aus vierter Hand und wird mit einem Kilometerstand von 104.012 eingeliefert. Der Zustand des Blau-in-Blau gehaltenen 930 Turbo Cabrios wird mit sehr gut beschrieben. Das Höchstgebot lag bei 110.000 Euro - Zuschlag unter Vorbehalt.

Alle weiteren Autos der Auktion zeigen wir in unserer Fotoshow.

Weitere Infos unter www.auctionata.de

Porsche 911 RS AmericaFoto: Auctionata
Beliebte 70er-Jahre-Farbe: Dieses Porsche 911 T Coupe kommt in Vipergrün - Erstlack wohlgemerkt. Und natürlich aus den USA.
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