Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Porsche Panamera

Erprobungsfahrt bei minus 38 Grad Celsius

Porsche Panamera Foto: Hans-Dieter Seufert 14 Bilder

Bevor Porsches großer Viersitzer-Sportwagen Panamera im Spätherbst in den Verkauf geht, haben Entwickler ihn jahrelang bis an die Grenzen seiner Belastbarkeit gequält. auto motor und sport war exklusiv bei der Folter dabei.

05.03.2009 Alexander Bloch

Für einen kurzen Moment durchbricht das gequälte Orgeln des Anlassers die arktische Stille. Es folgt ein Husten und Röcheln, bevor ein kräftiges Blubbern die Mienen befreit. Jubel brandet auf unter den umherstehenden Ingenieuren: Porsches vierte Baureihe hat soeben ihre dramatischste Kälteprobe bestanden und lässt bei minus 38 Grad Celsius anstandslos ihre acht Kolben tanzen.

Kompletten Artikel kaufen
Einzeltest Entwicklung: Porsche Panamera
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 6 Seiten)

Eisige Kälte lässt Material leiden

Bei diesen Temperaturen schrumpft die Materialtoleranz der Kurbelwelle auf ein Minimum, der Riemenantriebsgummi wird spröde, die Dichtungsringe ächzen, und der Schmierfilm fließt zäh wie Honig aus dem Kühlschrank. Wäre der Fünfliter-V8 in der Bitterkälte einfach stecken geblieben, keiner hätte es ihm übelgenommen. So huscht ein seltenes Lächeln über das gerötete Gesicht von Versuchsleiter Heinz Bernhard. Streng und hochkonzentriert wacht er sonst über den reibungslosen Ablauf, dirigiert seine Leute per Funk durch die weiße Einsamkeit des kanadischen Nordens und warnt ruhig, aber eindringlich, wenn der größte natürliche Feind aller Versuchsingenieure auflauert: die Handykamera.

Drei Antriebsvarianten im Dauertest

Mit drei Antriebs-Varianten pflügen 19 Porsche-Mannen zwei Wochen tausende Kilometer über zugefrorene Seen, vorbei an weiß rauchenden Riesen-Lkw und dürren Tannen, die aussehen wie überdimensionale Pfeifenstopfer mit Puderzucker drauf: ein hinterrad und ein allradgetriebener 4,8-Liter-V8 mit 400 PS sowie das hubraumgleiche 500-PS-Turbo-Flaggschiff mit Lufteinlässen so groß wie die Auswurföffnung einer Schneefräse. Aus seinem prallen Heck faltet sich etwas zu eindringlich sirrend der neue 3D-Spoiler nach oben und – das ist neu – zur Seite. „Die neue Spoilermechanik macht noch Geräusche, Getriebe und Elektromotor müssen wir optimieren“, kommentiert Bernhard die Offenfaltung. Es ist nicht die einzige Zickerei des Porsche Panamera an diesem Morgen.

Platz wie in der Turnhalle

Die Außentemperaturanzeige verharrt auf den minus 32 Grad ihres Todeszeitpunkts, und die elektronische Parkbremse kränkelt ebenfalls. „Im Porsche Panamera steckt ein komplett neues Elektronik- Netzwerk mit über 30 Steuergeräten. Da sind zu diesem Zeitpunkt noch Fehler drin. Aber um die zu finden, sind wir ja hier.“ Per WLAN feuern die digitalen Analysedaten digital, draht- und pausenlos während der Fahrt zwischen den Ingenieurs- Laptops in den vollbesetzten Gran Turismo hin und her. Doch Platznot muss keiner der Entwickler leiden. Auch wenn die drei Versuchsträger ein illustres Flickwerk aus Teilen verschiedenster Baustufen und Materialien sind, räkelt man sich fast fürstlich auf den vier Sport-Einzelsitzen. Vor allem Carrera -Besitzern dürfte der Fond wie eine Turnhalle vorkommen. Selbst bei 1,90 Meter Größe finden die Beine Raum und der Kopf noch keinen Widerstand.

Zwei Zentimer mehr nach Sitzprobe

Dafür sorgte Porsche-Chef Wendelin Wiedeking höchstpersönlich: Nach einer ersten Sitzprobe durften die Designer hinten gleich mal zwei Zentimeter mehr Kopffreiheit einplanen. Von außen hätten sich manche den gleichen Betrag weniger gewünscht. Mindestens 20 Millimeter tiefer als bei anderen Oberklasse- Limousinen liegt dafür der so genannte H-Schwerpunkt. Mit dessen Festlegung fing im Sommer 2005 die Entwicklung an, als auf einem Simulationsrechner ein Brett mit vier Sitzen den Start einer komplett neuen Baureihe markierte. Für Porsche war es das vorläufige Ende der Suche nach exklusiven Wachstumsmöglichkeiten zu einer Zeit, als Boni und Banker noch angesehen waren.

Wohliges V8-Grunzen

Weissach, 6.700 Kilometer weiter östlich und im Sommer 60 Grad wärmer. Hier liegt das pulsierende Porsche-Entwicklungszentrum. So komprimiert wie bei kaum einem anderen Autohersteller drängen sich hier Design, Entwicklung, Windkanal, Prototypenbau und eine 2,8 Kilometer lange Versuchsstrecke auf 0,7 Quadratkilometer. Porsche Panamera gehören hier zum internen Straßenbild wie Mercedes S-Klassen in der Stuttgarter Innenstadt. Besonders wohliges V8-Grunzen entlarvt geöffnete Auspuffklappen, sonst ist der GT – vor allem im Innenraum – eher ein leiser Geselle. Es röhrt nur sacht, wenn die Dauerläufer im Dreischichtbetrieb über eine Kopie der Wiernsheimer Landstraße rauschen, die alte Pforzheimer Autobahnausfahrt hochspurten, über Belgisch Block poltern und in Salzwassertümpeln die Elektrik an ihre Grenzen bringen.

Riesen-Baby ohne Komfort-Kompromisse

Gelassen federt der Porsche Panamera über die Bösartigkeiten, weil in ihm die vollständige Sammlung aktiver Porsche- Fahrwerkstechnologie steckt: angefangen bei den dreistufig geregelten Dämpfern (PASM) über die adaptive Luftfederung mit zweifachem Luftvolumen bis hin zur Wankstabilisierung mit aktiver Stabilisatorverstellung (PDCC). „Best in class bei der Fahrdynamik zu sein“, fordert Baureihenleiter Michael Steiner für das Riesen-Baby und meint es augenscheinlich ohne Komfort-Kompromisse. Offizielle Nürburgring-Zielzeiten will jedoch keiner der Entwickler verraten. Als stünde die Startampel auf Grün, quietscht die Fahrwerksfraktion mit dem nächsten Panamera im sauber gehaltenen 45-Grad-Winkel vorbei.

Mühelose Beschleunigung

Sichtbar tief liegt die leichte Alu- Stahl-Karosserie – ein Zeichen für den scharfen Sport-Plus- Modus des dreistufigen Fahrprogramms. Mühelos kraftvoll zieht der permanente Allradler (Turbo Serie) selbst bei Nässe und unter Last aus der Kurve heraus. Zwei geregelte Lamellenkupplungen (Mittendifferenzial und Quersperre hinten) sorgen klug für wenig Schlupf. Schon im Prototyp ist zu spüren, wie der niedrige Schwerpunkt, die ausgeglichene Gewichtsverteilung, die große Spurbreite und die Fahrwerksregelungsarmada zu einer in der Oberklasse ungekannten Handlingskompetenz verschmelzen sollen.

Light-Porsche

Porsche hat sein Versprechen gehalten: Der G1, so das interne Entwicklungskürzel, wiegt selbst als Turbo unter zwei Tonnen und ist damit dank massivem Alu- und Magnesiumeinsatz viel leichter, als er speziell von hinten aussieht. Das Leistungsgewicht der derzeitigen 1,77-Tonner-Sauger- Basisversion liegt mit 4,4 kg/PS exakt auf dem Niveau eines Carrera 4. „Sport-Performance“, so hatte Bernhard bei der Wintererprobung erklärt, „kommt in Zukunft vor allem über Leichtbau und weniger über Leistung.“ Weniger Pfunde sparen Sprit, und da kommt Porsche vom hohen Ross Cayenne . Dessen Spritgurgler-Mentalität soll der Panamera mit ECE-Verbräuchen zwischen 10,8 und 12,8 L/100 km (Turbo) abschwören.

Hybrid im Herbst noch nicht lieferbar

Für seinen niedrigen Luftwiderstandsindex cW × A von 0,68 (zum Vergleich: Golf VI 0,69) schob die Weissacher Windturbine einen bis zu 230 km/h schnellen Sturm durch den Kanal. Die weiteren Sparmaßnahmen erledigten die Antriebs-Ingenieure: Sie senkten die innere Reibung sowie das Umdrehungsniveau (500 bis 600/min weniger als beim Cayenne), entdrosselten den Ansaugtrakt und entwickelten ein Start-Stopp-System, das auch mit dem optionalen Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe (PDK) harmoniert. Was zum Start im Spätherbst noch fehlen wird, sind der Einstiegs-V6 mit 300 PS sowie die 350-PS-Hybrid-Variante mit Nickel-Metallhydrid-Batterien und einem speziellen Elektro-Gleitmodus.

Vorstellung auf der Auto-Shanghai

Dafür taucht man ein in den wohl exklusivsten und schönsten Porsche-Innenraum aller Zeiten: Wenn schon die Cayman-Individualisierungsliste ein Buch füllt, werden es beim Panamera wohl ganze Bände sein. Für das über 1.000 Watt starke Soundsystem mit 16 Lautsprechern durfte sogar die deutsche Audiophilen-Ikone Dieter Burmester ran. Offziell vorgestellt wird der Panamera auf der Auto- Shanghai im April. Eindeutiger hätte Porsche den geplanten Hauptabsatzmarkt für den 4,97-Meter-GT nicht kommunizieren können.

Anzeige
Sixt Leasing & Vario-Finanzierung SEAT, VW etc Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Porsche Panamera Porsche Bei Kauf bis zu 4,00% Rabatt Jetzt Fahrzeug konfigurieren
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden