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Porsche-Sammler Magnus Walker

Der etwas andere Mister 911

Porsche-Sammler, Porsche 911, Sammlung Foto: Hans-Dieter Seufert 31 Bilder

Jede Welt hat ihre Extreme, auch die der Porsche 911-Sammler. Zum 50. Geburtstag des Elfer macht sich auto motor und sport auf, um im Herzen von Los Angeles einen der schrägsten Typen zu besuchen: Magnus Walker.

30.08.2013 Dani Heyne

Wer ist Magnus Walker? Wer ist der Typ, der gerade in diversen Porsche-Foren dieser Welt für Aufsehen sorgt? Wegen seiner speziellen 911-Leidenschaft – und seiner Art. Mit Zottelbart, hüftlangen Dreadlocks und zerrissenen Jeans will er nämlich so gar nicht in die klassische Elfer-Szene passen.

Gespannt klopfen wir an einem sonnigen Mai-Morgen im Zentrum von Los Angeles an ein großes Stahltor. Ein sportlicher junger Mann mit Trilby-Hut öffnet und bittet freundlich auf den geräumigen Innenhof. Dort wirft gerade ein mexikanischer Imbissbetreiber seinen Grill an, es duftet nach frischen Zwiebeln und alten Autos. Magnus, so sagt der junge Mann höflich, würde uns in fünf Minuten empfangen – viel vornehmer geht es vermutlich auch nicht im Buckingham-Palast zu.

Vom Mode-Punk zum 911-Sammler

Nach der kurzen Wartezeit werden wir vom Innenhof durch den seitlichen Eingang des alten Industriebaus geführt – vorbei an gelbschwarzem Absperrband, Modepuppen, Regalen voller T-Shirts und Pullover. Nähtische stehen auf nacktem Beton, Leute vom Film huschen umher. Nach zehn Metern und einer großen Stufe stehen wir in einem weiteren luftigen Raum. Dunkles Holz kleidet den Fußboden, Bilder und Poster die Wände. In der Mitte steht ein flacher, eleganter Tisch, dahinter führt eine kleine Treppe in den lichtdurchfluteten Garten.

"Welcome", ruft eine dunkle Stimme hinter einem zugebauten Schreibtisch hervor. Magnus Walker erhebt sich hinter Bergen von Zeitschriften, Urkunden, alten Prospekten, Modellautos und Ersatzteilen. Ein hochgewachsener Mann Mitte 40 mit daumendicken Rasta-Locken, die er unter eine Schiebermütze zwängt. Sein Lächeln wird von einem Bart gerahmt, der natürlich vor sich hin wuchert, beide Arme sind farbenfroh mit Tätowierungen überzogen. Seine Lebensgeschichte, so wird nach seinen ersten fünf Sätzen klar, ist mindestens so bunt und unangepasst.

Er wächst in Sheffield/England auf, verlässt mit 15 die Schule, verliebt sich in den Rock ’n’ Roll, fliegt mit 19 über den Großen Teich und landet irgendwann in Los Angeles, der Stadt der Engel. Obwohl er sich nicht wie einer anzieht, hat er Erfolg: Er schneidert den Punks und Rockern aus L.A. Klamotten auf den Leib, gründet 1994 mit seiner Frau Karen ein Modeunternehmen und kleidet "von Alice Cooper bis Madonna" alle ein. Dank dem Erfolg kaufen sie sich zur Jahrtausendwende im damals heruntergekommenen L.A. Downtown ein großes Industriegebäude und bauen es zu einem beeindruckenden Loft aus.
Kurz nachdem die "Los Angeles Times" im Jahr darauf über die luftige Behausung berichtet hat, rufen die ersten Produzenten an und wollen sie für Filmaufnahmen mieten. Die Nachfrage ist so stabil, dass Magnus die Firma Downtown LA Film Locations gründet und damit sein liebstes Hobby finanziert: seine Porsche 911-Sammlung.

Liebesbrief an Porsche

Der 911-Virus packt Magnus Walker früh im Leben. Er ist noch ein kleiner Junge, steht mit seinem Vater auf der Motor Show in London und betrachtet einen weißen 911 Turbo im Martini-Look. "Ein wunderschönes Auto", denkt er damals und schreibt kurz darauf einen Brief an Porsche, in dem er ankündigt, Autodesigner zu werden und nach Zuffenhausen zu kommen. Porsche antwortet: "Gerne. Melde dich einfach, wenn du so weit bist."

Magnus geht einen anderen Weg. Nach diversen Mustang, E-Type und anderen Traumwagen kauft er sich ab 1994 einen Porsche nach dem anderen – überwiegend Modelle der ersten Generation (1964–1973), seiner Meinung nach die schönsten Elfer überhaupt. Dabei hebt er aber nicht ab: Für seine "Projekt-Autos" gibt er meist zwischen 5.000 und 15.000 Dollar aus, restauriert sie nach eigenem Geschmack und fährt sie fast täglich. Gern auch auf Rennstrecken.

Magnus Walker führt uns mit großen Schritten aus dem Büro, Richtung Hof. Dort gibt es noch ein zweites großes Tor, das elektrisch aufsurrt und eine Schatzkammer freigibt. Auf robustem Laminat warten in drei Reihen je vier Elfer nebeneinander. "Welchen sollen wir für eine kleine Ausfahrt nehmen?", fragt er in die staunende Runde. Wir brauchen einige Minuten, um aus den Schönheiten zwischen Baujahr 1964 und 1973 eine auszuwählen. Jeder der vier Wagen hat seinen eigenen Reiz, das Spektrum reicht dabei von komplett original bis komplett veredelt.

Ausfahrt mit dem 911-Hot Rod

Wir wählen den weißen 72er mit breitem Heck, den blauen Streifen und den goldenen Campagnolo-Rädern. Der Wagen beschreibt in seiner eigenwilligen Art am besten, was für ein Typ Sammler Magnus ist. Er traut sich, seine eigenen Visionen in die alten Autos einfließen zu lassen – genau so, wie er es Porsche gegenüber als zehnjähriger Steppke angekündigt hat. Dieser 72er ist laut Magnus eine "Hot Rod-Version".

Als Basis diente ein 911T, den er völlig verbastelt bei eBay fand. Er entkleidete den Wagen und entfernte dabei die lieblos angebrachten Fiberglas-Breitbau-Kotflügel. Beim Neuaufbau half ein alter Karosseriebaumeister, daher sind auch nur die Stoßstangen aus Kunststoff. Nebenbei wurden rundum spezielle Blinker integriert, Plexiglas-Seitenscheiben eingesetzt sowie zwei Recaro-Rallye-Sitze vom 67er S und ein stark modifizierter 3,2-Liter-Boxer implantiert. Der Sechszylinder röchelt wunderbar rau im Stand und leistet unter starkem Gebrüll 275 PS, die er an ein überholtes 915er Getriebe schickt (serienmäßig in den Elfern von 1972 bis 1986 verbaut). Natürlich wurden auch die Bremsen sowie das Fahrwerk verstärkt, so dass dieser Elfer jederzeit bereit ist für kleine und große Abenteuer auf und neben der Rennstrecke.

Heute schlendert er nur ein wenig durch L.A. Downtown, posiert unter alten Brücken und vor bunten Wänden. Dabei wird Walker von vielen Menschen angesprochen. Die meisten kennt er, die anderen wollen den verrückten Porsche-Typen aus der Nachbarschaft endlich mal kennen lernen.

Schön zu sehen, wie treu sich Walker auch dabei bleibt. Er ist ein wunderbares und seltenes Synonym für Gegensätze: ein junggebliebener Alter, ein gemütlicher Rocker, ein bescheidener Exzentriker – vor allem aber ein schräger Porsche-Fan. Einer, der unmissverständlich klar macht, dass Leidenschaft für den Elfer keinen Dresscode kennt.

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