Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Porsche-Übernahme

Branche sieht für VW Chancen und Risiken

Foto: dpa 70 Bilder

Bei der geplanten Übernahme von Porsche sehen Branchenexperten für Volkswagen viele Chancen. Die Autofachleute warnten aber auch vor zahlreichen Risiken für den neuen Auto-Giganten.

24.07.2009

VW baue zwar mit den ertragsstarken Stuttgartern seine Position im Luxuswagensegment deutlich aus und greife damit Daimler und BMW an. Der Wolfsburger Konzern müsse aber aufpassen, die Marke Porsche im Zuge der Integration nicht zu beschädigen. Außerdem dürfe sich VW finanziell nicht übernehmen.

Der Wolfsburger Konzern müsse aber aufpassen, die Marke Porsche im Zuge der Integration nicht zu beschädigen. Außerdem dürfe sich VW finanziell nicht übernehmen.

Grundlagenvereinbarung bis 13. August

Volkswagen hatte den monatelangen Übernahme-Machtkampf mit Porsche nach dem Aus von Vorstandschef Wendelin Wiedeking gewonnen. Der Wolfsburger Konzern will nun bis Mitte 2011 Porsche schrittweise übernehmen und als zehnte Marke integrieren. Porsche soll wie zum Beispiel die VW-Tochter Audi eigenständig bleiben. Eine Grundlagenvereinbarung soll bis zum zum 13. August stehen.

VW muss weiter Kosten optimieren

In der Branche wird für die schrittweise Übernahme von Porsche durch VW ein Kaufpreis von rund acht Milliarden Euro genannt. Die Barreserven von VW betragen derzeit rund elf Milliarden Euro. Der Autoexperte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach warnte am Freitag (24.7.) davor, dass VW im Zuge der Übernahme finanziell unter Druck gerate. Volkswagen müsse deshalb seine Kosten weiter optimieren.

„Das ist ein Angriff auf Daimler und BMW“

VW präsentierte sich derweil weiter auf der Überholspur. Im ersten Halbjahr erhöhte sich der Pkw-Marktanteil von Januar bis Ende Juni auf 12 Prozent, nach 9,9 Prozent im ersten Halbjahr 2008. Der Konzern-Absatz ging nach Angaben von Freitag zwar um fünf Prozent auf 3,1 Millionen Fahrzeuge zurück. Der Gesamtmarkt verbuchte allerdings ein Minus von fast 18 Prozent. Im Juni verzeichnete der VW-Konzern sogar ein Absatzplus von 6,5 Prozent auf 609 800 Fahrzeuge. VW profitierte dabei von seiner Stärke in Deutschland, Brasilien und China.

Grundsätzlich stehe VW vor einer guten Zukunft, auch im Kampf mit Toyota um die weltweite Führungsposition in der Autoindustrie, sagte Bratzel. So habe der VW-Konzern künftig mit Porsche und Audi sowie den weiteren Konzernmarken Bugatti, Bentley und Lamborghini ein starkes Luxuswagensegment. „Das ist ein Angriff auf Daimler und BMW.“

Audi auf Augenhöhe mit BMW und Daimler

Der Autoexperte Willi Diez sagte, der Wettbewerbsdruck auf Daimler und BMW werde nun deutlich zunehmen. „Audi ist im Premium-Segment bereits auf Augenhöhe und profitiert vom Technologiebaukasten des VW-Konzerns. Daimler und BMW müssen nun reagieren“, sagte Diez, Leiter des Instituts für Automobilwirtschaft in Geislingen/Steige. „Da beide Autohersteller zunehmend auf Kompaktwagen setzen, könnte die gemeinsame Entwicklung von Dreizylindermotoren für Dieselfahrzeuge und Benziner ein Kooperationsprojekt sein.“

Übernahme wettbewerbrechtlich bedenklich

Es gibt aber auch kritische Stimmen: Die neue Verbindung im Premium-Geschäft erlaube eine marktbeherrschende Stellung, sagte Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Dies sei wettbewerbsrechtlich nicht unbedenklich. Dazu komme, dass die marktbeherrschende Stellung zusätzlich durch das VW-Gesetz geschützt werde.

VW braucht einen neuen Mr. Porsche

Mit Blick auf den erzwungenen Abgang von Wiedeking sagte der Autoexperte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut IHS Global Insight in Frankfurt, dies könne sich für VW noch als großes Problem erweisen. „Wiedeking war die Personifikation von Porsche und für die Marke unheimlich wichtig.“ VW müsse nun einen neuen „Mr. Porsche“ aufbauen, um der Marke ein Gesicht zu geben. Wiedekings Nachfolger, der bisherige Produktionsvorstand Michael Macht, erscheine bisher zu blass.

Piëch will der bessere Porsche-Chef sein

Stürmer sagte zudem, VW müsse bei der Integration von Porsche sehr vorsichtig seien. Sonst könne die Marke Porsche beschädigt werden. „Die Porsche-Kunden sind extrem imagebewusst, VW muss deren Empfindlichkeiten stark berücksichtigen. Das Prestige der Marke darf nicht leiden.“ Generell liegen die Vorteile des Zusammengehens aus Sicht Stürmers aber eindeutig auf Porsche-Seite. Porsche alleine sei langfristig zu klein und habe bisher so gut wie keine eigenen
Forschungsaktivitäten.

Keinen Grund zur Sorge für Porsche sieht dagegen Autoexperte Diez: „Das Ego von Ferdinand Piëch wird es nicht zulassen, dass Porsche plattgemacht wird. Er wird beweisen wollen, dass er der bessere Porsche-Chef ist als Wendelin Wiedeking.“

Umfrage
Was halten Sie von der Abfindung in Höhe von 50 Millionen Euro für Wendelin Wiedeking?
Ergebnis anzeigen
Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Gebrauchtwagen Angebote
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden
Autokredit berechnen
Anzeige