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Porsche Vertriebschef Berning

Panamera schafft 2.100 Jobs

Foto: Porsche AG

Der Autohersteller Porsche will durch die Einführung seiner vierten Baureihe Panamera im kommenden Jahr rund 2.100 neue Arbeitsplätze schaffen, kündigte Vertriebsvorstand Klaus Berning im Gespräch mit auto motor und sport an.

17.05.2008 Harald Hamprecht

Herr Berning, wie laufen die Geschäfte in China?
Berning: Sehr gut. Im Kalenderjahr 2007 haben wir in Mainland China knapp 4.200 Fahrzeuge verkauft. Das war eine Verdoppelung des Volumens gegenüber dem Vorjahr. Genauso stark werden wir dieses Jahr zwar nicht mehr wachsen. Aber irgendwo in der Mitte wird die Wahrheit liegen. Langfristig erwarte ich in China mehr als 10.000 Einheiten. Den Absatz in Deutschland zu übertreffen, wo wir zuletzt über 17.000 Neuzulassungen verbucht haben, ist schwierig und ein sehr ambitioniertes Ziel.

In Deutschland haben Sie 85 Vertriebspartner, in China erst 19. Wie wird Ihr Handelsnetz im Land des Lächelns wachsen?
Berning: In den nächsten zwölf Monaten wollen wir die Zahl unserer chinesischen Betriebe auf bis zu 30 ausbauen, mittelfristig sind sogar 40 Standorte denkbar. Schon heute liegen mir rund 200 Händler-Bewerbungen für China vor, am Interesse mangelt es also nicht. Wir wollen aber die Qualität unseres Personals in den Verkaufsräumen und Werkstätten auf Porsche-Niveau sichern. Die Schulung unserer Mitarbeiter wird also die Geschwindigkeit unseres Wachstums vorgeben.

Weltweit verfügen Sie über 650 Händler. Wie stark wir das Netz wachsen?
Berning: Mein Ziel ist es, das Händlernetz mittelfristig auf über 700 Standorte auszubauen, die zusätzlichen Porsche-Zentren werden vor allem in Wachstumsmärkten eröffnet. Dabei liegt die Priorität ganz klar darauf, neue Gebiete zu erschließen, statt einen Wettbewerb unter Händlern anzustacheln.

Weltweit betreiben Sie zehn konzerneigene Niederlassungen. Ist hier ein Ausbau geplant?
Berning: Unsere Strategie bleibt es, auf starke, unabhängige Partner zu setzen. Aber wir planen, in wichtigen Metropolen dieser Welt durchaus die eine oder andere eigene Niederlassung zu haben. Mittelfristig könnte ich mir weltweit 16 solcher konzerneigenen Niederlassungen vorstellen. Der Grund ist nicht etwa, dass wir an diesen Standorten keinen unabhängigen Investor finden. Vielmehr wünsche ich mir noch mehr Kundenähe. Wir müssen wissen, wo dem Handel der Schuh drückt, wo Steuerungsbedarf herrscht. Dieses Thema gewinnt an Bedeutung, wenn wir uns mit dem Panamera neuen Kundenkreisen öffnen.

Ihr Deutschland-Chef rechnet mit einem Panamera-Absatz von rund 5.000 Einheiten. Sind dann 20.000 Einheiten nicht zu konservativ geschätzt?
Berning: Wir gehen von weltweit 20.000 Einheiten im ersten vollen Geschäftsjahr für den Panamera aus. Selbstverständlich haben wir - so wie bei allen anderen Baureihen - eine flexible Produktion, wenn es die Marktnachfrage erfordert. Aber um es noch mal ganz explizit zu betonen: Wir setzen uns niemals unter Volumendruck.

Welchen globalen Absatz erwarten Sie dieses Geschäftsjahr?
Berning: Wir werden uns auf dem Niveau des Rekordjahres 2006/2007 bewegen. Erst mit dem Panamera werden wir wieder einen deutlichen Sprung beim Absatz sehen.

Aus Zulieferkreisen heißt es, dass Sie im Jahr 2012 bei 140.000 Einheiten liegen wollen. Stimmt das?
Berning: Nein, das steht bei uns in keiner Planung. Wir sind konservativ rechnende Kaufleute. Rund 100.000 Einheiten im Jahr sind unser derzeitiges Niveau. Mit dem Panamera kommen dann rund 20.0000 Einheiten dazu. Wir können natürlich nicht ausschließen, dass der ein oder andere Cayenne-Kunde zum Panamera wechselt. Aber dieser Kannibalisierungseffekt wird nicht gewaltig sein.

Was heißt "nicht gewaltig"?
Berning: Je nach Markt erwarte ich eine Kannibalisierung um die zehn Prozent. In Deutschland wird sie deutlich niedriger ausfallen. Der Panamera wird damit das hohe Ertragsniveau von Porsche stützen.

Wünschen Sie sich als Vertriebschef nicht einen Diesel im Angebot, um neue Kundengruppen anzusprechen?
Berning: Wir diskutieren das im Vorstand - und ich bringe die notwendige Volumenschätzung ein. Für unseren Hauptmarkt USA ist allerdings noch nicht nachgewiesen, dass der Diesel ein Erfolg wird. Wenn die Amerikaner auf Diesel umsteigen, dann kommen wir sicher auf ein Volumen, bei dem sich die Investition für uns rechnen wird. Eine Entscheidung gibt es hierzu im Moment aber noch nicht.

Ist es so teuer, einen starken Audi-Diesel auf Ihre Ansprüche zu modifizieren? Oder befürchten Sie schlicht eine zu starke Kannibalisierung Ihrer Benzin-Motoren, an deren Produktion viele Porsche-Jobs hängen?
Berning: All das spielt natürlich eine Rolle bei unseren Überlegungen. Denn wer uns kennt, weiß, dass sich auch ein Diesel für Porsche rechnen muss.

Welche Hoffnung setzen Sie auf den Hybrid-Motor? Sprich: Wo und wann werden Sie ihn zum Einsatz bringen - mit welchen Absatzzielen?
Berning: In naher Zukunft präsentieren wir das Hybrid-Aggregat beim Cayenne. Auch für den Panamera wird es eine Hybrid-Variante geben. Beim Cayenne wird der Absatzanteil zwischen fünf und 15 Prozent liegen.

Bis September wollen Sie die Mehrheit am Volkswagen-Konzern übernommen haben. Ist dann auch ein gemeinsames Werk in den USA mit den Schwestermarken VW und Audi wahrscheinlich?
Berning: Da gibt es keine konkreten Pläne: Es bringt uns auch nichts, ein Auto in den USA montieren zu lassen, wenn die Zulieferer in Deutschland und Europa sitzen. Wir sind bisher mit "Made in Germany" sehr gut gefahren.

Macht Ihnen Ihr Hauptmarkt USA generell Gedanken?
Berning: Die USA sind zur Zeit kein einfacher Markt. Nichtsdestotrotz sind wir zuversichtlich, auch dieses Jahr das Vorjahresniveau zu erreichen - natürlich Wind und Wetter vorbehalten. Wir haben uns aber auch gut vorbereitet und frühzeitig die Entscheidung getroffen, die Produktionszuteilungen für die USA leicht zurück zu nehmen. Beim Cayenne produzieren wir an der Kapazitätsgrenze und müssen uns eher Gedanken machen, wie wir das Volumen weltweit gerecht verteilen. Der Absatzrückgang in den USA im Februar und März war von uns einkalkuliert. Gleichwohl sind wir uns der Verantwortung gegenüber der Händlerorganisation bewusst. Ich garantiere jeder Länder-Organisation die Stückzahl, die sie braucht, schütze sie aber gleichzeitig vor zu hohen Lagerbeständen und daraus resultierendem Verkaufsdruck. Schließlich will ich mit unseren selbständigen Vertriebspartnern noch die nächsten Jahrzehnte arbeiten.

Wird die anstehende VW-Übernahme denn Auswirkungen auf den Vertrieb haben - bei Porsche oder Ihren Schwesternmarken, wie Audi und Lamborghini?
Berning: Nein. Porsche bleibt Porsche, deswegen haben wir die Porsche Automobil Holding gegründet. Meine Vorstandskollegen Härter und Wiedeking können sich in der Holding um alle Beteiligungsthemen kümmern, wir kümmern uns bei Porsche weiter um unser operatives Geschäft.

Der Panamera ist bald im Markt. Wie steht es um eine fünfte Baureihe - etwa ein Baby-Cayenne auf Audi Q5-Basis?
Berning: Das Thema ist nicht einmal im Vorstand diskutiert. Nochmals: Wir laufen keinen Volumenzahlen hinterher, sondern wollen mit jedem Auto Geld verdienen. Je größer das Segment, desto schwieriger ist das. Deswegen ist ein kleiner SUV sicher nicht der Weg, den Porsche gehen wird.

Was ist mit einem Gran Turismo auf Panamera-Plattform, quasi als Nachfolger des Porsche 928, der zwischen 1977 und 1995 gebaut wurde? Das ist doch noch ein weißer Fleck in Ihrer Modellportfolio-Planung.
Berning: Sie irren, der Panamera ist ein Gran Turismo. Diesen weißen Fleck - wie Sie sagen - wird es ab 2009 nicht mehr geben. Nein, wir konzentrieren uns jetzt voll und ganz auf unsere vierte Baureihe. Das ist schon eine Herausforderung für die Handelsorganisation. Als kleine Marke mit derzeit drei Baureihen erweitern wir unser Geschäft also gerade in jeder Hinsicht um 25 Prozent. Damit haben wir wirklich allerhand zu tun. Wir wollen unsere Organisation nicht überfordern.

Porsche beschäftigt weltweit 11.000 Mitarbeiter. Welcher Ausbau ist geplant?
Berning: Keine Frage: Unser Wachstumskurs schafft auch neue Arbeitsplätze. Allein durch die Montage des Panamera werden rund 600 neue Jobs in Leipzig geschaffen. Die Rekrutierung beginnt gerade. An den Standorten Zuffenhausen und Weissach kommen bis 2009 noch einmal rund 400 neue Arbeitsplätze dazu. Und bei Zulieferern wird der Panamera außerdem für weitere 600 neue Arbeitsplätze sorgen. Auch unser Partner Volkswagen profitiert davon. Im VW-Werk Hannover werden 500 Mitarbeiter die Karosserien produzieren und lackieren. Sie sehen, der Panamera wird sich für Porsche und Volkswagen lohnen. Das ist doch auch eine gute Nachricht.

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