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Porsche-Vertriebsvorstand Klaus Berning

"Wir erwarten 2010 eine Belebung"

Foto: Porsche AG 26 Bilder

Porsche-Vertriebs- und Marketingchef Klaus Berning spricht mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über den Absatz nach Regionen und Baureihen. Große Hoffnung setzt Berning auf Neueinführungen wie den Boxster Spyder und die Hybrid-Versionen von Panamera und Cayenne.

14.01.2010 Harald Hamprecht

In den USA ist Ihr Absatz im Kalenderjahr 2009 um 24 Prozent auf unter 20.000 Einheiten gefallen; gleichzeitig spricht die Autoindustrie von einem Hoffnungsschimmer am Horizont. Wie passt das zusammen?
Berning: Der Steigungswinkel, mit dem die Verkäufe wieder anziehen, ist flacher als erhofft. In den USA – unserem weltweit größten Markt – sehen wir derzeit beispielsweise nur eine Seitwärtsbewegung. Das zeigen die Dezemberverkäufe sehr deutlich, die nahezu auf dem Vorjahresniveau geblieben sind. Die "Cash for Clunkers"-Abwrackprämie war ein kleines Strohfeuer, das gerade mal zwei Monate gebrannt hat – allerdings nicht für Premiummarken.

Dann ruht die Hoffnung auf anderen wichtigen Märkten - wie sieht es weltweit aus?
Berning: In Deutschland erwarte ich für unser Segment eine leichte Erholung und ein höheres Absatzniveau als im letzten Geschäftsjahr. Der russische Markt hat seine Talsohle vermutlich noch nicht erreicht. Das gilt auch für einige andere Märkte in Ost- und Westeuropa, insbesondere für Spanien. Asien dagegen, vor allem China, entwickelt sich ausgesprochen gut, die Cayenne- und Panamera-Modelle kommen bei asiatischen Kunden gut an.
 
Wie kommt’s?
Berning: Asiaten lieben viersitzige Autos und lassen sich nach wie vor gerne chauffieren. Amerika und Europa sind dagegen starke Sportwagenmärke, die leider noch rückläufig sind. Das gilt aber nicht für alle Motorisierungen. Denn innerhalb dieser Segmente konnten wir den Mix zugunsten unserer Top-Modelle nochmals verbessern – die neuen 911 Turbo, GT3 und GT3 RS laufen sehr gut. Damit wiederholt sich gerade ein Phänomen aus dem letzten Geschäftsjahr: Der Absatz ist rückläufig, der Umsatz zwar auch, aber nicht so stark.

Um genau zu sein war der Absatzrückgang im vergangenen Geschäftsjahr bei 26 Prozent – und das Umsatzminus nur halb so hoch.
Berning: Und dieser Trend hält an. Unser Topmodell, der 911 Turbo, kam in Europa erst am 21. November in den Handel und ist sofort durchgestartet. Seit Markteinführung in 2009 haben wir von unseren drei Topmodellen – GT3, GT3 RS, 911 Turbo – mehr als 2.500 Autos verkauft. Übrigens sind wir auch der größte Hersteller reiner Rennfahrzeuge, den sogenannten Cup-Fahrzeugen; wir bewegen uns hier auf einem Niveau von 160 bis 200 Einheiten pro Jahr, die nur in Rennserien eingesetzt werden. Zur Rennstrecke fahren diese Kunden dann oft in einer Variante mit Straßenzulassung, dem GT3 RS.
 
Wie stark werden die Sportwagen-Verkäufe 2010 noch unter Druck geraten?
Berning: 2009 waren der Boxster/Cayman durch die Modellpflege zu Jahresbeginn leicht rückläufig. Unsere Segmentanteile sollten sich 2010 weltweit aber verbessern – sowohl im Geschäfts- als auch im Kalenderjahr. Auch beim 911er haben wir Segmentanteile dazu gewonnen, bei einem gleichzeitigen Segmentrückgang über alle Marken hinweg um fast ein Viertel des Volumens. In 2010 sollte sich der Markt zwar erholen, aber noch lange nicht auf das Vorkrisenniveau.
 
Und in den Zeiten der Klima-Knute ist Ihr Geländewagen Cayenne der große Hoffnungsschimmer?
Berning: Es ist ein Irrtum zu glauben, dass sich der Cayenne und gute Verbrauchswerte nicht vertragen: Neben dem Cayenne Diesel werden wir in 2010 mit dem Cayenne Hybrid eine zweite Variante in den Markt einführen, mit Verbrauchswerten von deutlich unter zehn Litern auf 100 Kilometer. Und in der Tat ist das Cayenne-Segment im Jahr 2009 unser stabilstes Segment gewesen.

Wie entwickelt sich der Panamera, den Sie genau zu dem Zeitpunkt in den Handel gebracht haben, als das Segment der großen Luxuslimousinen so massiv unter Druck gekommen ist wie wahrscheinlich nie zuvor?
Berning: Weltweit ist dieses Segment 2009 um 40 Prozent eingebrochen. Der Panamera kommt bei unseren Kunden aber hervorragend an und schlägt sich prima. Wir stehen deswegen nach wie vor zu unseren Zielen und können uns durchaus vorstellen, schon im ersten voll verfügbaren Jahr 20.000 Einheiten von unserem Flaggschiff zu verkaufen. Weltweit haben wir bereits 5.000 Panameras ausgeliefert, aktuell liegen uns 9.000 Neubestellungen vor – und das, obwohl bislang ausschließlich unsere Topmotorisierung, der Achtzylinder-Benziner mit 400 und 500 PS, verfügbar ist. Zehn Prozent aller Panamera wollen wir übrigens jedes Jahr allein in Deutschland verkaufen.
 
Wie viele Porsche haben Sie im Kalenderjahr 2009 im Heimatmarkt insgesamt abgesetzt?
Berning: In Deutschland haben wir das Jahr 2009 mit 15.343 Neuzulassungen auf Augenhöhe des Vorjahres abgeschlossen. Für das kommende Jahr rechne ich mit einer leichten Absatzsteigerung in Deutschland. Obwohl der Gesamtmarkt – wie schon erwähnt – nach Einschätzung des VDA von 3,8 auf drei Millionen Neuzulassungen sinken wird.
 
Im vergangenen Geschäftsjahr, das am 31. Juli endete, haben Sie weltweit 75.200 Porsche verkauft – nach 98.600 im Jahr zuvor. Was dürfen wir für das aktuelle Geschäftsjahr insgesamt erwarten?
Berning: Grundsätzlich rechnen wir im Verlauf des Jahres 2010 mit einer Belebung der Verkäufe. Allein schon der neue Panamera wird nach unserer Einschätzung dafür sorgen, dass sich unsere Absatzzahlen nicht nur stabilisieren, sondern insgesamt wieder leicht ansteigen.

Welche Produkt-Impulse wollen Sie im Jahr 2010 setzen?
Berning: Der neue Boxster Spyder, den wir im Dezember auf der L.A. Autoshow präsentiert haben, kommt ab Februar 2010 in den Handel. Das Auto ist überwältigend angenommen worden und wird der Mittelmotorbaureihe einen deutlich positiven Impuls gegeben. Wir gehen deshalb davon aus, dass rund 2.000 Einheiten, also etwa zehn Prozent des Boxster/Cayman-Jahresvolumens, künftig auf den Spyder entfallen werden. Daneben arbeiten wir fleißig weiter am Panamera und bringen weitere Motorisierungen in den Markt – unter anderen auch eine Hybrid-Variante.
 
Wie halten Sie den Cayenne frisch?
Berning: Lassen Sie sich überraschen. Aber was wir ja schon angekündigt haben, ist eine Hybridvariante, die wir 2010 auf den Markt bringen werden. Wir erwarten mit diesem Modell einen Absatzanteil von 15 Prozent. Außerdem wird der Hybrid die soziale Akzeptanz der gesamten Baureihe steigern.
 
Wie groß ist Ihr weltweites Händlernetz inzwischen?
Berning: Wir verfügen über insgesamt 16 eigene Vertriebsgesellschaften und Regionalbüros. Die Zahl der derzeit 673 unabhängigen Vertriebspartner wollen wir nach wie vor bis Mitte 2010 auf mehr als 700 steigern. Das wir trotz der Krise den Fuß nicht vom Gas genommen haben, hat sich ausgezahlt, vor allem in Wachstumsmärkten wie China.
 
Wie entwickeln sich Ihre Verkäufe im Land des Lächelns?
Berning: Im vergangenen Geschäftsjahr haben wir hier 7.700 Porsche verkauft, im aktuellen werden wir diese Zahl deutlich steigern können. Und in fünf Jahren wird China sicher unser zweitgrößter Markt weltweit – vor Deutschland. Die USA werden in diesem Zeitraum aber sicher unser Nummer 1-Markt bleiben.
 
Wie schlägt sich der Cayenne Diesel?
Berning: In Europa haben wir 2009 rund 6.800 Selbstzünder verkauft. Außerhalb Europas haben wir den Diesel noch nicht eingeführt. Und im Kalenderjahr 2010 wird sich das sicher nicht ändern. Aber danach könnte ich mir eine Erweiterung des Dieselangebots – geografisch und produktseitig – gut vorstellen, entschieden ist aber noch nichts.
 
Wie haben sich eigentlich Ihre Verbrauchs- und CO2-Flottenwerte entwickelt – und wie weit können Sie sich hier noch verbessern?
Berning: 1994 verbrauchte ein 911 Carrera mit einem 3,6 Liter-Motor und 285 PS noch 14,4 Liter auf 100 Kilometer. Der heutige Carrera leistet 345 PS und verbraucht noch 9,8 Liter auf 100 Kilometer. Selbst den 500 PS starken 911 Turbo kann man problemlos mit etwa elf Liter auf 100 km fahren. In den Sportwagensegmenten sind wir schon heute die Saubersten. Wir sind heute bei 283 Gramm CO2 pro Kilometer in der gesamten Flotte und werden im Zeitraum bis zum Jahr 2016 bei etwa 214 Gramm liegen. Ein Top-Wert für Porsche.

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