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Porsche/VW

Innovativste Allianz der Welt schaffen

Foto: Porsche 18 Bilder

Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Dürheimer spricht im Interview mit auto motor und sport-Redakteur Harald Hamprecht über die zukünftige Zusammenarbeit mit Volkswagen und das künftige Modellportfolio.

29.11.2008 Harald Hamprecht

Herr Dürheimer, die Neuauflage des Boxster und Cayman feiern gerade ihre Weltpremiere auf der Los Angeles Motorshow, der Panamera folgt auf der Shanghai Motor Show 2009. Können Sie jetzt entspannt durchatmen?
Dürheimer: Keineswegs. Unsere Aufgabe endet ja nicht mit der technischen Freigabe neuer Fahrzeuge. Wir arbeiten bis zum Serienanlauf mit den Kollegen aus der Produktion zusammen und kümmern uns in den Pilothallen um das Finetuning. Porsche-Leute sind Perfektionisten. Und da wir uns mit dem Panamera in ein für uns neues Segment wagen, ist uns allen klar: Hier muss der erste Schuss sitzen. Im übrigen haben wir bisher noch nicht verraten, wo und wann wir den Panamera vorstellen.

Welche Ziele hinsichtlich Qualität und Effizienz haben Sie beim Panamera?
Dürheimer: Wir haben ein internes Qualitäts-Ranking, das sich an den Meinungsumfragen des US-Marktforschungsinstituts J.D. Power orientiert. In der "Initial Quality Study" hat Porsche 2008 zum dritten Mal in Folge den ersten Rang belegt. Wir wollen auch in Zukunft die hohen Qualitätsansprüche unserer Kunden erfüllen. Beim Panamera wartet außerdem eine zusätzliche Herausforderung: Wir haben in den letzten Monaten die Produktionsanlagen in unserem Werk in Leipzig erheblich erweitert, um den Panamera zusammen mit dem Cayenne auf einer Linie montieren zu können. Wir haben deswegen nicht nur den Anlauf eines neuen Autos zu organisieren, sondern auch den Hochlauf der Fertigungsanlagen.

Wie viele neue Mitarbeiter haben Sie für Ihre vierte Baureihe eingestellt?
Dürheimer: Durch die Montage des Panamera werden wir langfristig rund 600 neue Arbeitsplätze in unserem Werk Leipzig schaffen. Außerdem entstehen rund 600 Arbeitsplätze bei Zulieferern in der Region Leipzig. An den Porsche-Standorten Zuffenhausen und Weissach sorgt der Panamera bis 2009 für etwa 400 neue Arbeitsplätze. Darüber hinaus produzieren und lackieren im VW-Werk Hannover 500 Mitarbeiter die Karosserien.

Wie viele Menschen arbeiten insgesamt in Ihrer Forschung und Entwicklung?
Dürheimer: Mein Bereich umfasst 2.438 festangestellte Mitarbeiter. Rechnet man unsere internen und externen Dienstleister hinzu, kommen wir auf rund 4.000 Mitarbeiter.

Die Anforderungen hinsichtlich Umwelt- und Sicherheitsanforderungen steigen unaufhörlich, die Größe Ihrer Entwicklungsmannschaft ebenfalls?
Dürheimer: Nein, wir wollen unsere fixen Kosten - und dazu gehört die Entwicklung - möglichst konstant halten. Das erfordert Strukturen, in denen klar definiert ist, welche Aufgaben wir an unsere Entwicklungspartner vergeben und welche wir als Kernkompetenz definieren.

Stimmt es, dass Sie allein für die Panamera-Entwicklung 1.000 Ingenieure von Mercedes abgeworben haben - inklusive des S-Klasse Entwicklungsleiters?
Dürheimer: Diese Nachricht war eine Ente. Wir haben vor eineinhalb Jahren bereits 2.360 Mitarbeiter im Entwicklungsbereich beschäftigt. Und der Panamera-Baureihenleiter Dr. Michael Steiner arbeitet schon seit sechs Jahren bei uns. In den letzten 24 Monaten haben wir 62 zusätzliche Entwickler eingestellt. Davon kamen auch einige von Mercedes zu uns.

Wie hoch liegen die Kosten für die Entwicklung des Panamera?
Dürheimer: Das Gesamtbudget des Projektes liegt bei einer Milliarde Euro.

Wie hoch sind Ihre Ausgaben für Forschung und Entwicklung jedes Jahr?
Dürheimer: Unsere Forschungs- und Entwicklungsquote liegt aktuell bei 15 Prozent vom Umsatz und rangiert damit deutlich über dem Branchendurchschnitt, der bei sechs Prozent liegt. Der Grund für diese hohe Quote liegt einerseits in den sehr anspruchsvollen Produkten, die wir für unsere Kunden entwickeln und andererseits an den im Vergleich zum Branchendurchschnitt niedrigeren Fahrzeug-Stückzahlen. Unsere Strategie ist, durch besonders innovative technische Lösungen in den Porsche-Kernkompetenzfeldern die neuen Modelle vom Wettbewerb zu differenzieren und jeden neuen Porsche spürbar besser zu machen. Beispiele hierfür sind die neuen Motoren mit Benzindirekteinspritzung, die mit SGL entwickelte Keramik-Bremse oder das neue Porsche-Doppelkupplungs-Getriebe.

Wie sieht die Quote 2009 aus?
Dürheimer: Im letzten Geschäftsjahr hat die F&E-Quote dank des Panamera einen Spitzenwert erreicht. Nachdem die Entwicklungsarbeit projektbedingt jetzt etwas zurückgeht und wir einige Panamera-Ingenieure schon wieder in andere Entwicklungsprojekte versetzen, werden wir in diesem Geschäftsjahr stabil über zehn Prozent liegen.

Wo sehen Sie die Quote mittel- bis langfristig?
Dürheimer: Da schlagen zwei Herzen in meiner Brust: Als Ingenieur würde ich mir einen möglichst hohen Prozentsatz wünschen, denn wir haben viele Ideen und Innovationen im Kopf. Als Unternehmer und Budget-Verantwortlicher muss ich aber auch die Bilanz unseres Unternehmens im Blick haben. Das heißt, mittelfristig werden wir wohl bei einer Größenordnung von unter zehn Prozent landen.

Auch weil Sie in Zukunft kräftig Synergien mit VW nutzen?
Dürheimer: Ja, davon gehe ich aus. Schon heute arbeiten wir bei einigen klar definierten Projekten mit VW- und Audi-Kollegen zusammen, wie etwa beim Hybrid-Antrieb und der künftigen Elektronik-Architektur. Auch beim Leichtbau sehen wir mögliche Synergien zwischen unseren Häusern. Diese Zusammenarbeit werden wir weiter intensivieren, sobald die unternehmerischen Voraussetzungen dafür geschaffen sind.

Wo liegen denn weitere Felder der Zusammenarbeit mit VW?
Dürheimer: Zusammen verfügen wir über noch mehr Kompetenz und können die innovativste und leistungsstärkste Automobil-Allianz der Welt schaffen. Große Chancen sehe ich auf dem Gebiet der gemeinsamen Forschungs- und Vorentwicklungsprojekte und in der Optimierung unserer Entwicklungsabläufe nach dem Best Practice Prinzip. Zudem haben wir einen eigenen Bereich Kunden-Entwicklung, der noch mehr für den VW-Konzern arbeiten könnte.

Auf welchen Gebieten?
Dürheimer: Ich meine unsere Tochter-Gesellschaft Porsche Engineering Group mit rund 400 Mitarbeitern, die für die Fahrzeugindustrie und andere Branchen Entwicklungsleistungen erbringt. Dieses Team hat zum Beispiel den Motor für die V-Rod von Harley Davidson oder den Opel Zafira mit dem Flex7-Sitzsystem entwickelt. Wir sehen hier noch große Potenziale im boomenden Bereich der Elektrik und Elektronik ebenso wie bei Hybrid-Anwendungen oder Elektromotoren. Das ist ein Geschäft, das sich gerade rasant entwickelt und an dem wir partizipieren wollen.

Werden Sie diese Sparte auch personell aufstocken?
Dürheimer: Das hängt von künftigen Aufträgen ab.

Gibt es irgendeine Porsche-Kernkompetenz, die Sie schützen werden?
Dürheimer: Auch in Zukunft werden wir alles, was Porsche einzigartig macht, ausreichend schützen: unsere Sechs-Zylinder-Boxer-Motoren oder unsere Getriebe- und Fahrwerkstechnologien. Schützen heißt aber nicht, dass wir nicht auch teilen werden. Nach einer zu vereinbarenden Karenzzeit sind wir sicher bereit, Entwicklungen mit Schwestermarken zu teilen.

Wann wird es den ersten Komponentenbaukasten mit VW geben?
Dürheimer: Der existiert bereits mit der Colorado-Plattform, auf der die Modelle Cayenne und Touareg aufbauen. Aktuell wird an einer gemeinsamen Elektronik-Plattform gearbeitet. Aber keine Sorge, ein Sportwagenklassiker wie der 911 wird auch zukünftig seine Identität und seine Eigenständigkeit bewahren, getreu dem Motto "Porsche bleibt Porsche".

Abschlussfrage: Wie halten Sie Wachstumsstory am Laufen? Sprich: Wann kommt die fünfte Baureihe?
Dürheimer: Wir sind eine kleine Organisation, die erst mal den Panamera mit allen Varianten in den Markt bringen muss. Klar ist aber auch, dass es bei Porsche auch in Zukunft keinen Stillstand geben wird.

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