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Porsche Workshop Teil 1

Der Porsche Clubsport unter der Lupe

Porsche Workshop Foto: Anna Matuschek 42 Bilder

Weiße Wände, der grau-geflieste Boden und glänzende Karossen - auf den ersten Blick macht die Porsche Restaurierungs-Werkstatt im Herzen des Porsche Museums nicht gerade den Eindruck einer voll alltagstauglichen Schrauberstätte. Ob sich dieser Eindruck bestätigt, versuchen wir beim ersten Workshop am 06. November 2009 in der Porsche-Werkstatt herauszufinden.

10.11.2009 Powered by

Wer schon einmal im Porsche Museum in Stuttgart-Zuffenhausen war, wird zumindest einen flüchtigen Blick in die großzügige Werkstatt des Museums geworfen haben. Denn für alle Besucher gut einsehbar, kann hier die Arbeit an den teuren Oldtimern hinter einer Glasscheibe verfolgt werden.

Porsche-Workshop unter dem Motto: Wo sind wir, wo wollen wir hin

Das rege Interesse an der Arbeit der Porsche-Mechaniker und der außergewöhnlich saubren Werkstatt, brachte Porsche auf die Idee einen Workshop anzubieten. Dabei können Porsche-Interessierte an der Restaurierung eines Porsche 911 aus den 80er Jahren aktiv mitwirken - um welches Modell es sich im Detail handelt, das wussten die Workshop-Teilnehmer nicht.

Überschrift des ersten von vier zweistündigen Kursen heißt: "Technischer Befund" - sehr viel mehr Informationen gibt es nicht und umso größer ist die Neugierde der zehn männlichen Teilnehmer und mir, einer gelernten Kfz-Mechaniker. Die Erwartungen an den Workshop könnten unterschiedlicher kaum sein. Von dem Wunsch "einen Porsche selbst restaurieren zu können", bis zum "Verstehen, was der Mechaniker bei der Inspektion macht", reichen die Ansprüche an den Workshop, dessen Teilnehmer auch mit immens unterschiedlichem Basiswissen angereist sind. Das unterstreichen die teils sehr detaillierten Fragen, als Kurs- und Werkstattleiter Kuno Werner die Einführung in den Workshop gibt. Neben weiß lackierten Schraubstöcken, Werkbänken und Motorhaltern, gibt es im gläsernen Besprechungsräumchen einen kurzen Vorgeschmack auf das, was die Teilnehmer am heutigen - und den kommenden Schulungsabenden erwartet.

"Wo sind wir, wo wollen wir hin", leitet Werner den Workshop ein - und deutet auf die vorbereiteten Skizzenblöcke auf dem kleinen Tisch. Für den heutigen Abend steht der Befund "unseres" Porsches auf dem Plan. "Das Auto hat ein paar Spezialitäten - zum Beispiel die feuerverzinkte Karosse, fehlendes Dämmmaterial, Front- und Heckspoiler, Schaltwegverkürzung oder eine manuelle Heizregelanlage. Das macht ihn 100 Kilogramm leichter als einen gut ausgestatteter Carrera des selben Baujahres", erklärt Werner. Kurze Zeit später kommt er, der vorerst spannendste Moment des Abends: Die Enthüllung des Restaurierungsprojektes. Die Spannung steigt, als sich alle vor dem blickdichten Überwurf aufstellen.

Unter dem Sichtschutz steht ein Porsche Club Sport Vorserienmodell

Die Karosse des Sportwagens lässt sich zwar zweifelsohne erkennen - aber dass sich darunter ein Vorserienmodell versteckt, hätte keiner der Teilnehmer erwartet. Ungeputzt und verstaubt steht er vor uns - doch die leuchtenden Augen der Anwesenden sprechen Bände. Wie uns Kuno Werner erklärt wurde "dieses Porsche-Modell nur ein Jahr verkauft, insgesamt 381 Mal", den 85er auf dem staubfreien Kachelboden in der Porsche-Werkstatt jedoch gab es nie zu kaufen.

Ganz ausdrücklich erwähnt Werner, dass es nicht mit "Neuteilen aus dem Regal" getan sein soll. Der Wagen soll nur dort repariert werden, wo es wirklich von Nöten ist. Und was genau "die Nöte" des Porsche 911 Clubsport sind, sollen die Kursteilnehmer nun bei der Durchsicht auf der Hebebühne feststellen - bis dahin wird der Porsche natürlich geschoben, bevor er vorsichtig auf die Stempel der weißen Viersäulen-Hebebühne aufgesetzt wird.

Vorsicht beim Aufbocken des Porsche 911 Club Sport

Besondere Achtung ist auf der rechten Seite geboten, wo die empfindlichen Ölleitungen verlaufen. Doch bevor es für den Porsche nach oben geht, steht die erste, die optische Durchsicht an. Herr Werner möchte wissen, welche Mängel die Teilnehmer an dem Oldtimer beheben würden. "Was würden Sie tun, wenn Sie das Auto in einer Scheune gefunden hätten?", fragt er. Man ist sich einig: Zuerst muss der Porsche einmal kräftig geduscht werden. Nach gut 20 Jahren der Einmottung sieht man dem Werkswagen mit schlappen 24.631 Kilometern auf dem Kilometerzähler seine Jahre an. Der Teppichboden ist im hinteren Bereich ausgeblichen, ein paar kleine Lackmängel hier und da, sehr viel mehr lässt sich auch bei genauem Hinsehen nicht finden.

Am Porsche Clubsport wird mit weißen Handschuhen gearbeitet

Fleißig machen die Workshop-Teilnehmer Notizen, manche der DIN A4-Seiten sind schon voll geschrieben, bevor der Clubsport nach oben fährt. "Wichtig sind die drei Schritte: Unten, Mitte, Oben", erklärt Werner den Ablauf der Durchsicht. Wir sind also bei "Mitte". Erstmalig ergibt sich nun für die Workshop-Teilnehmer die Gelegenheit zum Schrauben - und im selben Atemzug Gebrauch von den bereitgelegten, weißen Handschuhen zu machen.

Vorsichtig wird die Nuss auf die Radmutter der Fuchs-Felge angesetzte, zurückhaltend streichelt der Zeigefinger über den Schalter des Schlagschraubers, während ein zweiter Teilnehmer das klassische Rad vor dem Fall sichert. Eins, zwei, drei - beim vierten Rad hält sich die Motivation der Schrauber bereits in Grenzen. "Sie sind doch zum Auto-Schrauben hergekommen", motiviert Werner die Teilnehmer-Runde. Zwei seiner Lehrlinge machen sich sogleich ans Werk und demontieren auch das vierte Rad.

Der Clubsport des Porsche-Workshop zeigt einige Besonderheiten

Die Durchsicht der Radinnenläufe und des Fahrwerks steht nun an. "Trotz der feuerverzinkten Karosserie kann der Porsche im unteren Bereich der B-Säule rosten", erklärt uns der Porsche-Werkstatt-Leiter. Dort kann sich in einem kleinen Hohlraum das Wasser sammeln und das gesunden Blech korrodieren lassen. Aber der Porsche ist so gut mit Wachs konserviert, dass er nahezu neuwertig aussieht.

Sicher, die Bremsbeläge sollte man erneuern und die Scheibendicke messen - im Regelfall auch auswechseln. Aber dann fällt doch noch ein wirklich interessanter Punkt auf: Der Frontspoiler. Zwar waren Front- und Heckspoiler bei diesem Modell Serie - aber diese Ausführung scheint anders zu sein, als gekannt. "So sieht das beim Serienmodell nicht aus, diesen Satz trägt nur dieser Werks-Club Sport", erklärt Werner - ebenso wie der Schalttafeleinsatz mit drei - anstatt später vier Rundinstrumenten. Ende der Besichtigung "mitte".

Als nächstes geht es an die Achsgeometrie des Porsche

Per Knopfdruck geht es für den Porsche noch eine Station in Richtung Decke. Wie magnetisch zieht es die Porsche-Fans an den hinteren Bereich des Autos, wo der 3,2-Liter bald wieder für Aufmerksamkeit sorgen soll - doch für uns spielt sich der Lehrgang weiterhin im vorderen Bereich ab. Erst geht es an die Achsgeometrie - schließlich gilt die Durchsicht einem "normalen" Auto, dass durchaus schon in einen Unfall gehabt haben könnte. Wie erwartet ist aber alles bestens - mal abgesehen von porösen Stabi-Gummis, Spurstangenköpfen und fast schon antiken Bremsschläuche des Baujahres 1984.

Mit der "Vorschau" auf den nächsten Workshop schließt Kuno Werner die Bestandaufnahme ab. Der Motor, ja, mit dem geht es im nächsten Kurs weiter. Allerdings nicht in eingebautem Zustand - die Demontage des Antriebs übernehmen, aus Zeitgründen, die Porsche-Mechaniker.

Schade, aber dafür gibt es noch eine kurze Privatführung durch das geschlossenen Museum. Per Autoaufzug-Shuttle fahren wir in die Ausstellungsräume, wo uns Herr Werner drei verschiedene Modelle zeigt. "Bevor man ans Werk geht, muss man wissen, wo es hin gehen soll". Zuerst sehen wir uns ein perfekt restauriertes Porsche 911 Carrera RS 2.7 Coupé an - ein aus Ruinen wiederbelebtes Schmuckstück. Dahinter zeigt Werner auf einen Metallic-blauen Targa. "Der ist nicht komplett restauriert und hat auch einige Macken", erklärt er den Zustand. Zuletzt zeigt er uns ein 911 Coupé von 1988 in Originalzustand. "Dieser Wagen ist immer bestens behandelt worden und musste nur ausführlich geputzt werden".

Nach der Restaurierung gehört der Porsche 911 zum rollenden Museum

Welcher Porsche uns am besten gefällt? Da sind die Meinungen unterschiedlich: Einige Teilnehmer würden unseren Clubsport am liebsten komplett restaurieren, andere möchten es bei einer umfangreichen Reparatur belassen - und ein Teilnehmer wünscht ihn sich als Erprobungsfahrzeug "mit ganz vielen Kabeln und Messgeräten", schwärmt er. Was mit dem Porsche auf der Arbeitsbühne passieren soll steht aber schon fest: er wird als Stellvertreter des "rollenden Museum" bei Oldtimer-Veranstaltungen teilnehmen.

Bis er voll im Prunk steht, gibt es noch viel zu tun - zwar nicht von Seiten der Kursteilnehmer - sondern eher von den Porsche-Mechanikern selbst. Aber vielleicht verstärkt der Geruch des alten Motor-Öls ja das Werkstattflair. Denn wenn der Museums-Werkstatt eines ganz bestimmt fehlt, dann ist es der Duft nach Schmierflüssigkeiten und Bremsenreiniger.

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