Peter Schreyer, Kia-Chefdesigner 10 Bilder Zoom

Porträt Peter Schreyer: Kia-Chefdesigner und Künstler

Kia-Chefdesigner Peter Schreyer zeichnet nicht allein für die Optik schnittiger Autos verantwortlich: In seiner Freizeit produziert der Bayer Kunst.

Ein Büro wie ein Atelier. Große Glasflächen, die nötige Weite für Kreativität, dazu eine riesige weiße Wand. Hier kann Kunst wirken, besonders wenn es die eigene ist. Peter Schreyer, der ehemalige Audi- und Volkswagen-Designer und jetzige Kia-Createur, entwirft nicht nur coole Autos, er wirkt in seiner knappen Freizeit auch als Künstler. Dabei spielen seine anderen Hobbys bei der Malerei eine entscheidende Rolle. Inspirierend empfindet Schreyer vor allem Dinge, die er selbst erlebt hat. Früher war der Designer – in Bad Reichenhall in der Nähe der Bobbahn am Königssee aufgewachsen – mit dem Rennrodel, ja sogar per Skeleton unterwegs. Mit dem 70 Kilogramm schweren Schlitten, auf dem man bäuchlings mit dem Kopf voraus mit Tempo 120 ins Tal rauscht, startete Schreyer sogar bei Europa- und Weltmeisterschaften.

"Mit mittleren Erfolgen", spielt er den 22. Platz von St. Moritz und den 27. Platz in Sarajewo herunter. Daraus entstand schließlich eine Collage der Startnummern, die Schreyer nach den Rennen immer auf eine kleine Werkzeugkiste klebte – und später zum Kunstwerk erhob. Schreyers Jugend wurde von zwei Extremen geprägt: Er stürzte sich in die Tiefe – oder er ging in die Luft. In Sichtweite des elterlichen Hofes gab es einen Flugplatz, auf einer Wiese, die seinen Eltern gehörte. Die Flugleidenschaft hat sich der Designer bewahrt. In Egelsbach in der Nähe von Frankfurt steht die eigene Cessna. "Aber eigentlich", so bekennt Schreyer, "sind fliegende Oldtimer mein Traum." Und diese Oldtimer spiegeln sich in seinen Kunstwerken wider. Seien es Mustangs, mit denen er in Kalifornien oder Florida am Himmel war, eine alte Stearman oder eine Thunderbold, Schreyers Star bei einem Flugtag im englischen Duxford. Es sind die alten Kampfflugzeuge, die Doppeldecker, die Sternmotoren, die ihn faszinieren. Aber auch deren unerschrockene Piloten, die für den Designer Motiv standen.

Der Vater von Audi TT und Audi A2

Die Malerei beschäftigt Schreyer seit seiner frühen Jugend. "Ich habe nachts gemalt und tagsüber in der Schule schlechte Noten kassiert." Die Leidenschaft für die Malerei hat er von der Mutter und dem Großvater geerbt, die allerdings wenig erbaut waren, als der 14-jährige Bub ein Fan von Salvador Dalí und den Dadaisten wurde und "mächtig Surrealistisches" zu Papier brachte. Kam die Kunst von der Mutter, so steuerte der Vater die Autoleidenschaft bei. Aber noch während des Abiturs konnte sich der junge Herr nicht vorstellen, dass er einmal als Autodesigner arbeiten würde.

Erst ein Praktikum bei Audi und das anschließende Studium an dem renommierten Royal College of Art in London gaben den Weg der Karriere vor. Wie bei seinen Studienkollegen Gert Hildebrand (Mini), Keith Ryder (Peugeot), Chris Bird (Ford) oder Achim Storz (freier Designer in Zell am See) wurden die folgenden Jahre weniger von surrealistischen Bildern als von realen Autos bestimmt. Zu den wichtigsten Entwürfen, die in seiner Zeit als Audi-Designchef entstanden, zählt er den Audi TT und den A2 . Auch der Golf IV ist eine Schreyer- Kreation, "über die ich mich immer noch freue, wenn ich einen fahren sehe". Vor zweieinhalb Jahren wechselte der Bayer zum koreanischen Automobilhersteller Kia. Jetzt hat Schreyer drei Büros: in Frankfurt, Kalifornien und Seoul. Rund 200 Designer arbeiten in den Studios an Modellen der Zukunft. Was ist anders?

"Der Job ist gleich anspruchsvoll", erklärt Schreyer. Allerdings steht hinter einer Entscheidung "kein so großer Apparat" mehr. Designentscheidungen werden in einem Team von acht bis zehn Leuten getroffen. "Und alles geht viel schneller." Zwischen einem Plastilinmodell und einem fahrenden Prototyp liegen oft nur zwölf Monate. "Und der Designansatz ist viel globaler", erklärt Schreyer, "denn alle drei Büros bringen sich bei den verschiedenen Projekten ein."

Gemälde mit plattgefahrenem Frosch

Und wie wichtig ist die Vergangenheit? "Eine Auto-Historie gibt es in Korea nicht. Es ist schwieriger, denn man kann keine Zitate oder Elemente aus der Geschichte heranziehen. Da gibt es keinen Grill von einem Vorkriegsrennwagen, den du zum neuen Gesicht machen kannst." Der Vorteil: "Man kann flexibler sein." Diese Flexibilität wird von Schreyer auch gefordert, denn er soll der koreanischen Marke eine klare Formensprache und ein Gesicht geben. Dafür jettet er jetzt um den Globus.

Allein 36 Mal war er bereits in Korea. Das Atelier, das er sich im obersten Stockwerk seines Hauses in Bayern eingerichtet hat, wird nicht mehr so oft bemüht wie früher. An Ideen aber mangelt es dem Designer keineswegs. Die Kunst braucht keinen festen Platz. Bilder entstehen auch mal auf der Hochzeit eines Freundes. Oder auf Reisen. Und seiner Kreativität ist eigentlich nichts heilig: Selbst ein plattgefahrener Frosch findet in einem Schreyer-Gemälde seinen Platz. Überhaupt sind Collagen ein beliebtes Stilmittel des Künstlers.

Mal ist es ein Kopfkissen der Oma, das mit ihren Initialen auf einem Gemälde verewigt wird. Oder es sind die ersten Buchstaben, die Tochter Roberta auf einer Schreibmaschine getippt hat. Dann auch mal ein Stück Flügelbespannung eines Oldtimer-Fliegers, das Schreyer in den Mittelpunkt eines Kunstwerks stellt. Oder es ist das alte Schild "Alpenflüge" vom Flugfeld der Eltern, das gleich auf zwei Gemälden eine tragende Rolle spielt. Schreyer experimentiert gern mit verschiedenen Stilmitteln. Mal wirken seine Bilder realistisch, mal mystisch.

Ein echter "Schreyer"

Die blaue Stearman sieht man erst auf den zweiten Blick: Sie fliegt am dunkelblauen Himmel, nur der Pilot bekam ein winziges Spotlight. Und es muss bei Schreyer auch nicht immer die klassische Ölfarbe sein: "Holundersaft eignet sich ebenfalls bestens", plaudert der Künstler aus dem Nähkästchen. An den Verkauf seiner Bilder denkt er nicht: "Ich glaube, es würde mir schwerfallen." Seine Bilder hängen im Büro, im Haus in Bayern, in der Wohnung in Frankfurt und im Feriendomizil in Davos. Aber die meiste Zeit verbringt Schreyer inzwischen im Flugzeug zwischen Korea, Amerika und Deutschland. Seine Gemälde sind, gespeichert auf dem Mac-Notebook, immer dabei.

Und die Kreativität reist selbst beim Abendessen in der Business-Class mit. Der Faber-Castell-Kugelschreiber zeichnet beim Gespräch feine Linien auf die Serviette, ein Klecks von der Soße hier, ein Tropfen vom Rotwein da und dann noch eine feine Spur der Kaffee-Creme – "frisch muss sie sein", so der Künstler –, fertig ist ein echter "Schreyer". Man müsste ihn nur noch an die Wand hängen.

Bernd Ostmann

Autor

Foto

Wolfgang Wilhelm

Datum

9. Mai 2009
Dieser Artikel stammt aus Heft auto motor und sport 10/2009.
Hier finden Sie alle Artikel dieser Ausgabe im Überblick.
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