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Porträt Albert Westermann

Kleider machen Leute

Albert Westermann und Tochter Evelyne Foto: Hans-Dieter Seufert 19 Bilder

Die auffälligen Mille Miglia-Klamotten von State of Art sind derzeit schwer in Mode. Produziert werde sie von dem Niederländer Albert Westermann, einem Porsche-Sammler und Rallye-Piloten.

26.02.2011 Hans-Jörg Götzl Powered by

Jeder hat mal klein angefangen, auch die Firma Albert Westermann - mit Babykleidung nämlich. "Meine Familie wohnt schon seit 450 Jahren in diesem Ort, mein Großvater hatte ein Hotel, und mein gleichnamiger Vater hat 1936 auf dem Gartengelände des Hotels eine Strickwarenfabrik gebaut und damit begonnen, Babystricksachen herzustellen", erzählt Albert Westermann. 

Familiäre Verbindungen ins Schwabenland

Der Ort heißt Lichtenvoorde, hat knapp 20.000 Einwohner und liegt wenige Kilometer von der niederländisch-deutschen Grenze entfernt auf der Höhe von Münster. Die meisten Häuser sind aus dem typischen roten Backstein errichtet, die Fenster tragen keine Gardinen, alles strahlt eine ruhige Gelassenheit aus. Und mitten im Ort in der Dr. Besselinkstraat steht das Fabrikgebäude, das seit 1936 munter gewachsen ist.

1980 hat der damals 37-jährige Albert Westermann die Firma von seinem Vater übernommen, zuvor hatte er das Strickhandwerk unter anderem im schwäbischen Reutlingen von der Pike auf gelernt. Auch sonst reichen die Verbindungen der Familie weit ins Schwabenland: Albert Westermanns Mutter stammt aus Bernhausen bei Stuttgart. Das Spätzle- und Maultaschen-Erbe jedenfalls muss sich irgendwie auf den Fahrzeuggeschmack von Albert junior ausgewirkt haben: "1957 habe ich einen damals aktuellen Porsche gesehen und gesagt: So einen will ich haben", erinnert sich Westermann.

Es sollten allerdings noch weitere 19 Jahre ins Land gehen, bis er 1976 endlich einen 67er 911 Targa erwarb: "Der war eigentlich völlig verrottet." Gefahren wurde trotzdem, und vier Jahre später holte Westermann einen mausgrauen 356 SC nach Lichtenvoorde, den er heute noch besitzt und immer wieder mit Startnummern beklebt - sein Freund, der Le Mans- und Targa Florio-Sieger Gijs van Lennep, hat damit in diesem Jahr den anspruchsvollen Winter Trial gewonnen. "Ein wunderbares Rallyeauto", meint van Lennep dazu.

Bis heute ist Westermanns Sammlung auf 34 Autos angewachsen, alles klassische Porsche von 1953 bis 1974. Davon sind 25 ständig fahrbereit, die übrigen werden restauriert. Zu den Glanzstücken der Kollektion gehören ein blauer 550 Spyder mit eindrucksvoller Renngeschichte, ein weißer Spyder aus den USA sowie ein Spyder, der einst eine Coupé-Karosserie trug und nun wieder original aufgebaut wird. Überhaupt haben es Westermann die Königswellen-Triebwerke angetan: Inzwischen besitzt er acht der seltenen Motoren, die Ernst Fuhrmann einst für den Spyder entwickelt hat.

Porsche - und nur Porsche

Westermanns Lieblingsauto aber ist ein 356 Carrera Cabrio von 1962, natürlich mit Zweiliter-Königswellen- Motor: "Der 550 ist zwar schneller, aber vor allem bei schlechtem Wetter ist das Cabrio einfach bequemer", sagt er. Aber warum überhaupt ausgerechnet Porsche und nur Porsche? Albert Westermann grinst: "Englische Sportwagen gehen dauernd kaputt und italienische sind zu auffällig; Porsche geht gerade noch."

Damit seine eigenen Autos immer brav laufen, hat sich Westermann inzwischen eine solide Werkstatt in seinem Firmensitz eingerichtet. Angefangen hat er vor ein paar Jahren mit einer gebrauchten Hebebühne, heute arbeiten zwei Mechaniker auf 500 Quadratmetern. "Bis auf die Königswellen-Motoren machen wir alles selbst", sagt er. Und weil es auch in der Werkstatt mitunter eng zugeht, lässt Westermann gerade in einem Anbau ein kleines Privatmuseum einrichten, das der Künstler Uli Hack gestalten soll. Ab Ostern 2011 kann Westermann dann mit Blick auf eine nachgebaute Boxengasse mit Freunden feiern oder mit Geschäftskollegen im passenden Umfeld verhandeln.

Ideale Verbindung von Hobby und Profession

Schließlich hat er längst seine beiden Leidenschaften, nämlich Bekleidung herstellen und mit alten Porsche Rennen und Rallyes fahren, kongenial verbunden: Bereits Ende der 80er Jahre hat er die Marke State of Art aus der Taufe gehoben und ab dem neuen Jahrtausend immer stärker mit dem historischen Motorsport verwoben. Längst gibt es eigene Kollektionen zu den Themen Mille Miglia, Carrera Panamericana und Targa Florio (zu sehen unter www.stateofart.com), und Westermann hat unter seinem fünfköpfigen Nachwuchs kräftige Unterstützung gefunden: Tochter Evelyne steht ihm als Geschäftsführerin zur Seite und entwickelt mit derselben Leidenschaft neue Klamotten. Und fährt Papas klassische Porsche.

Denn die neuen Kollektionen wollen natürlich beworben werden - deshalb setzt Albert Westermann bei Veranstaltungen wie der Mille Miglia, der Carrera oder beim Gran Premio Nuvolari immer mehr seiner Autos ein. Häufig besetzt mit prominenten Fahrern wie Gijs van Lennep, Jan Lammers oder Prinz Bernhard van Oranje, im kommenden Jahr sollen auch ein paar bekannte Lenkradartisten aus Deutschland dabei sein.

Selbstverständlich fährt der jugendlich draufgängerisch wirkende Firmenchef stets auch selbst, schließlich hat er schon 1983 in Zandvoort auf einem 356 sein erstes Rennen bestritten. Und wenn man ihn dann beim GP Nuvolari im 550 Spyder bei strömendem Regen mit einem breiten Grinsen quer um die Ecke fliegen sieht, weiß man, dass ihm das Fahren in seiner schönsten Form immer noch am wichtigsten ist. "Schau mal", sagt er dann und weist auf den Spyder: "Je älter die Porsche sind, desto schöner sind sie." Wohl wahr: Mit einem klassischen Porsche ist man immer gut angezogen.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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