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Thomas Janzen

Der Auto-Flüsterer aus Köln

Foto: Frank Herzog 5 Bilder

Thomas Janzen ist relativ neu in der Szene. In Leichlingen bei Köln handelt er vor allem mit deutschen Klassikern. Dabei füllt er eine Marktnische. Er ist einer der wenigen, die sich intensiv um seltene 60er Jahre-BMW kümmern.

28.04.2009 Alf Cremers Powered by

Die Autos wirken für sich. Nichts lenkt von ihnen ab. Keine alten Zapfsäulen, Ölschränke oder Emailschilder, auch keine tropischen Pflanzen in Terrakottakübeln. Die beiden großen, lichten Hallen, in denen Thomas Janzen etwa 30 seiner vornehmlich deutschen Sport- und Tourenwagen präsentiert, erinnern an eine Galerie für Moderne Kunst.

An den Wänden drapierte Banner mit Schwarzweißfotos plakativer Auto-Ansichten unterstreichen die Philosophie, dass weniger letztlich mehr ist. Keine Frage, bei diesem strengen Aufbau wird auch visuell deutlich, dass Janzen, 41, sein Konzept, seine Nische gefunden hat.

Spezialität des Hauses: Deutsche Helden der Nachkriegszeit

Seit drei Jahren handelt der gelernte Kaufmann mit ganz besonderen Autos. Privat hat er sie vorher alle gefahren: BMW 2002 ti, Porsche 356, Mercedes 300 SEL 6.3, natürlich auch den Elfer, gleich mehrere, auch einmal einen Jaguar Mark II. Meist sind es die deutschen Helden der Nachkriegszeit, die er heute in seinem Geschäft anbietet, vom BMW-Barockengel über Mercedes 600, Pagode und 111er-Coupé bis zum roten 67er-Porsche 911 S mit kurzem Radstand und entzückend unschuldigen Pepita-Sitzen.

Sein Spektrum reicht bis in die Mitte der achtziger Jahre, Kernzeit der Kollektion sind jedoch die Fünfziger, Sechziger und Siebziger. Wichtig sind für Thomas Janzen die wahren, persönlichen Traumwagen, die ihn seit seiner Kindheit begeistern. Er hat außerdem erkannt, dass es für jüngere BMW der sechziger und siebziger Jahre kaum spezialisierte und gut sortierte Händler gibt: "Die BMW ab der Neuen Klasse sind unterrepräsentiert und unterbewertet. Die sportliche Askese der kompakten TI-Limousinen, die grazile Schönheit der CS-Coupés, die dynamische Autorität der E3-Limousinen, all das sind faszinierende Elemente der großen Marke. BMW ist mehr als 328 und 507", schwärmt Janzen, der Autoflüsterer.

Dabei eilt er lebhaft von Wagen zu Wagen, deutet begeistert auf Details und formt die hinreißend schöne Linie des coloradofarbenen 3.0 CSL mit den Händen nach. "Ist er nicht schön, der E9, es muss ja nicht unbedingt ein 3.0 CSL sein, ein 2800 CS oder 3.0 CS tun es doch auch." Janzen hat gleich mehrere dieser Karmann- Coupés mit wenig Kilometern und in schönem unrestaurierten Originalzustand. Das ist ihm bei allen Autos wichtig, das ist sein Credo - "gute Historie, wenig Vorbesitzer, möglichst aus erster Hand."

Blick über den mainstreamigen Tellerrand

Viele seiner Preziosen kommen aus der Schweiz, einige aus Südfrankreich, manche aus den USA. Wie die papyrusweiße Pagode, drüben neben dem CSL, ein 280 SL, Low Mileage, unter 50.000 Euro. Janzen ist kein Discounter, aber seine Preise sind seriös und fair, seine Ware ist ausgesucht. Natürlich ist auch er, der leise, sanfte, Auto-Verehrer mit dem großen Herzen für Mercedes 190c, BMW 1600-2 oder Porsche 912, auf die gesuchten Filetstücke scharf. 450 SEL 6.9 statt 280 S, RS 2.7 statt 911 E, und im Ernstfall lieber 3.0 CSL statt 3.0 CS. Das in nur 169 Exemplaren gebaute Leichtbau-Coupé mit Dreiliter-Vergasermotor identifizieren wir zweifellos als alten Bekannten.

Motor Klassik fuhr es in Ausgabe 11/2007. Gestern wohnte es noch im Allgäu, heute steht es bei Janzen für 78.000 Euro. Janzen lebt seine Leidenschaft. Es fällt nicht schwer, seinen Autogeschmack zu teilen, mit ihm in Typen zu schwelgen, weil er nicht unbedingt mainstreamig ist. Klar, dass er fürs Foto auch mal klischeehaft im Mercedes 300 SL Roadster posiert - einem früher 57er, silber mit rotem Leder, erst 94.000 Kilometer, Topzustand, Preis gegen Gebot. "So ein Auto muss man haben, um die Hochwertigkeit der anderen zu demonstrieren", meint Janzen. Reduziert, puristisch, rein objektbezogen mit klar gesetztem, raffinierten Licht stehen sie fächerförmig aufgereiht. Ein Spalier früher Elfer bis zum F-Modell von 1972, eine Palette bunter BMW E3-Limousinen, würdevoll gekrönt vom schwarzen Chefwagen 3.3 L, 190-PS-Vergaser, nur 1.622 Mal gebaut, zwischendurch immer wieder Mercedes eingestreut. Die sympathische schwarze kleine Flosse, von einem Taxiunternehmer leicht überrestauriert, ist bereits an einen Holländer verkauft. Der 300 SEb, Baujahr 1967, weckt die nervöse Aufmerksamkeit des Kenners.


Janzen hat ein großes Herz für die Unterschätzten der Oldtimerwelt

Es ist ein 108er, also ein Kurzer mit Stahlfederung, aber noch mit dem legendären 170-PS-Dreiliter-Alu-Motor M 189 aus Adenauers Zeiten, nur 2.737 Stück wurden gebaut. Gleich beim Eingang zeigt der piniengrüne Mercedes 600 für 76.500 Euro, wo hier niveaumäßig der Hammer hängt. Ein 69er NSU Ro 80, makellos wie ein Neuwagen - in Targaorange gibt er die Pop-Art-Skulptur. "An dem Auto konnte ich nicht vorbeigehen", gesteht Janzen und bezweifelt, dass die Klientel den Zustand mit 15.600 Euro honoriert. Er verfällt eben auch Exoten wie dem weißen 71er Citroën SM. Weil er sie schon als Junge bewunderte. "Der war seiner Zeit so weit voraus wie die DS oder der NSU Ro 80.

Auch den unterschätzten Mercedes SLC mag er sehr.
Gibt es auch Hausmannskost bei Janzen? "Eher selten. Schöne VW Karmann- Ghia Typ 14 biete ich immer wieder an. Neulich hatte ich sogar einen Opel Manta A und einen Ford Capri I da, beide im Topzustand, unrestauriert unter 50.000 Kilometer." Geht ihm Makellosigkeit über alles? "Eine milde, echte Patina ist etwas Wunderbares. Ein Auto lebt schließlich nur, wenn es gefahren wird. Ich bin kein Garagen-Sammler. Ich will fahren."

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