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Portrait Karl Günther Bechem

Als Bernhard Nacke auf Fahrt

Foto: Bechem 31 Bilder

In den fünfziger Jahren gehörte Karl Günther Bechem aus Hagen zu den besten deutschen Rennfahrern. Bekannt wurde der AFM- und Borgward-Pilot vor allem unter seinem Pseudonym "Bernhard Nacke".

28.02.2009 Stefan Knittel Powered by

Er wurde vielen Sätteln gerecht, könnte man über den bunten Strauß an Aktivitäten des Karl Günther Bechem behaupten. In einem Fall trifft es sogar wörtlich zu, die Kriegsjahre bei der Kavallerie schmeckten ihm gar nicht, Flieger wäre er lieber geworden. Was ihm später auch gelingen sollte, zum Glück unter besseren, friedlichen Umständen.

Karl Günther Bechem mit besten Voraussetzungen

Beste Voraussetzungen für ein buntes Leben schienen gegeben: Der Vater war Fabrikant, ein Stahlwerk brachte Wohlstand. Frei in den Entscheidungen war in den Zwanzigern aber auch ein Sohn aus gutem Hause nicht. Die schlechten Leistungen in der Schule nahm der Vater nicht hin, Karl Günther Bechem wurde von einem Institut zum anderen gereicht, schließlich in einem Internat in der Gegend untergebracht. Abitur war standesgemäß und für den Vater Pflicht.

Gegen die väterliche Planung gab es keinen Einspruch

Auch danach blieb Bechem unter väterlicher Aufsicht, denn der Rittmeister und seine drei Söhne dienten im selben Regiment. Das Kriegsende brachte Bechem schließlich zwei Wochen in britischer Gefangenschaft in Holland ein. Dort fiel ihm ein Motorrad in die Hände, er konnte es fahrbereit machen und sich auf den Nachhauseweg begeben. Daheim war er für eine Ausbildung zum Ingenieur vorgesehen, gegen die väterliche Planung gab es keinen Einspruch. Vorsichtshalber wurde das Budget knapp gehalten, eine DKW 250 gerade eben geduldet. So blieb der 1949 in Düsseldorf entdeckte BMW 328 zunächst unerschwinglich.

Als Bechem aber einige Wochen später mit einem Mercedes 170 V Cabrio aufkreuzte, das mit Petroleum und Heizöl betrieben werden konnte, ließ sich der Sportwagen eintauschen. Dieser wies allerdings nicht mehr den Originalmotor auf. Für das originale 80 PS-Aggregat wurde das Motorrad verkauft. Bechem meldete seinen BMW 328 zum Eifelrennen auf dem Nürburgring am 11. Juni 1950 - Kühlwasserverlust im Training aber ließ ihn von seinem ersten Einsatz Abstand nehmen.

Zweiter Platz im ersten Rennen

Ein zweiter Versuch sollte beim Großen Preis von Deutschland im August stattfinden. Die Veritas RS dominierten die große Klasse der Sportwagen, doch der Trainingsschnellste Theo Helfrich verlor ein Rad, Toni Ulmen hatte Motorschaden, nur Fritz Rieß blieb vorn. Hinter ihm kam Karl Günther Bechem mit dem BMW 328 in seinem ersten Rennen als Zweiter ins Ziel. Nach diesem Ergebnis konnte den Hagener nichts mehr von einer Karriere im Rennsport abbringen, nur dem Vater durfte er nichts davon erzählen. Von einer Witwe konnte Bechem den AFM Typ 50 übernehmen, einen Formel 2 von Alex von Falkenhausen mit BMW-Motor. Bei Rappold in Wülfrath ließ er für 2.000 Mark eine Rennsportwagen-Karosserie anstelle des Monoposto-Aufbaus anfertigen.

Er startete unter dem Namen "Bernhard Nacke"

Beim Saisonauftakt 1951 am 14. Mai in Hockenheim konnte Bechem auf Anhieb gut mit den etablierten Größen wie Ulmen, Rieß, Helfrich, Niedermayr und deren Veritas mithalten. Ein Stößelschaden machte ihm einen Strich durch die Rechnung, mit Glück rettete er den fünften Rang. Auch bei den nächsten Rennen hatte er Pech, am 2. September in Nürnberg aber kamen von neun Zweiliter-Sportwagen vier ins Ziel: Bechem vor Peters, Seidel und von Strachwitz. Somit konnte der Hagener im fünften Rennen den ersten Sieg feiern.

Vor dem Vater ließen sich die Aktivitäten nun nicht mehr verbergen, zumal auch die lokalen Zeitungen aufmerksam geworden waren. Dem 30-jährigen Sohn konnte Bechem Senior zwar das Leben nicht vorschreiben; da er ihn jedoch zu seinem Nachfolger machen wollte, hielt er solche öffentlichen Auftritte für ungeeignet. Daher wurden 1952 der AFM Rennsportwagen sowie der alte HH 48-Formel 2 von Helmut Holbein unter dem Namen "Bernhard Nacke" an den Start gebracht.

Das Eifelrennen am 28. Mai endete mit einem Ausfall in der Formel 2 und einem fünften Platz hinter vier Veritas im Sportwagen-Lauf. Zum Großen Preis von Deutschland ging es wieder im großen Tross zur Eifel: Ein Borgward-Lkw zog den Wohnanhänger, dahinter wurde der AFM teils mit eigener Kraft gefahren, teils am Seil geschleppt. Es folgte ein VW Kübelwagen mit dem HH 48 am Seil. Im Sportwagenrennen rutschte Bechem am Schwalbenschwanz in den Zaun, das Resultat war ein dritter Rang hinter Toni Ulmen und Wolfgang Seidel. Im Formel 2-Lauf fand sich Bechem mit dem vier Jahre alten HH 48 in einem Starterfeld von 30 meist aktuellen Wagen von Ferrari, Maserati, Gordini, HMW und Veritas. Die Ferrari- Piloten machten den Sieg unter sich aus: Ascari vor Farina. Bechem schied nach sechs Runden mit Motorschaden aus.Eine Woche später fuhr er mit dem AFM in München-Riem wiederum auf Platz drei und konnte 400 Mark als Preisgeld mit nach Hause nehmen.

Aufeinandertreffen der Borgward RS und des Porsche 550


Beim Avusrennen in Berlin wurde "Bernhard Nacke" Vierter, statt des ursprünglich gemeldeten Formel 2-Wagens brachte er im Lauf der Seriensportwagen seinen neuen Porsche 356 an den Start und wurde Fünfter. Den HH 48 hatte er nach einem erneuten Ausfall zum Verkauf angeboten. Doppelstarts wollte Karl Günther Bechem jedoch auch künftig unternehmen, 1953 wieder unter seinem richtigen Namen. Bei Rappold wurde eine neue Karosserie in Auftrag gegeben, ein echter Zweisitzer.

Maximaler Hubraum von 1500 cm

Dazu entstand ein zweiter Motor, ebenfalls auf BMW 328-Basis, jedoch auf 1,5 Liter reduziert, denn für die Sportwagen-Meisterschaft war ein neues Hubraumlimit von 1.500 cm³ eingeführt worden. Durchdachte Halterungen sollten einen schnellen Wechsel der Karosserien und sogar der Motoren erlauben, um nach dem Sportwagenlauf mit dem 2-Liter-Aggregat und dem bisherigen Aufbau einen zweiten Start bei den Formel 2-Rennwagen zu ermöglichen. Das Eifelrennen 1953 sah das erste Aufeinandertreffen der Borgward RS in der neuesten Ausführung, der EMW aus Eisenach und des Porsche 550 mit den Wagen der Privatfahrer.

Karl Günther Bechem im Mercedes 300 SL

Helm Glöckler siegte mit dem Porsche vor den Borgward von Brudes und Hartmann, Rosenhammer (EMW) wurde Vierter vor Karl Günther Bechem mit seinem 1,5 l-AFM. Der erhielt bald darauf ein Telegramm von Alfred Neubauer. Der Mercedes-Rennleiter lud ihn zu Testfahrten mit dem 300 SL auf dem Nürburgring. Am 15. Juli 1953 trafen die drei Erstplatzierten des Sportwagenrennens auf der Avus (Klenk, Herrmann und Bechem) erneut aufeinander. Bechem erzählte später: "Hans Klenk und Hans Herrmann waren noch besser als beim Rennen. Für den Mercedes war ich zu langsam." Nur eine Woche darauf jedoch war er der Schnellste, diesmal bei Testfahrten mit dem Borgward 1500 RS. Als Berufsfahrer konnte ihn Borgward nicht verpflichten, da Bechem inzwischen Verantwortung im Familienunternehmen trug.

Porsche gegen Borgward

Für den Stahllieferanten seines Automobilwerks fand Carl F. W. Borgward eine elegantere Lösung und bot an, stets einen Platz im 1500 RS frei zu halten. Beim Großen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring sahen die Zuschauer das erwartete Duell der Werksteams von Porsche und Borgward, Herrmann behielt schließlich die Oberhand vor Bechem. Am Schauinsland gab es eine Woche später dasselbe Resultat, womit auch die Deutsche Meisterschaft mit der Platzierung Herrmann vor Bechem entschieden war.

Am 30. August folgte der nächste Auftritt in der Eifel, zum 1.000 km-Rennen hatte Borgward zwei 1500 RS mit Brudes/ Hammernick und Bechem/Helfrich gemeldet. Im Rennen brauste der Hagener zu ungestüm los und überforderte den Vierzylinder, durfte aber auf den Wagen von Brudes wechseln. Nach 44 Runden hießen die Klassensieger Bechem und Helfrich; hinter dem Ferrari 375 von Ascari/Farina und dem Jaguar C-Type von Stewart/Salvadori wurden sie Dritte im Gesamtklassement. Die Saison 1954 sah lediglich drei Rennen um die Deutsche Meisterschaft in der Sportwagenklasse vor.


Benzin-Direkteinspritzung beim Großen Preis von Deutschland

Beim Eifelrennen warteten sowohl Porsche als auch EMW mit neuen dohc-Motoren auf, dazu trat noch OSCA aus Italien an, Borgward war nun mit drei Werkswagen vertreten. Bechem gewann vor seinem Teamkollegen Hartmann. Beim Großen Preis von Deutschland waren die Borgward-ohv-Rennmotoren dann erstmals mit Benzin-Direkteinspritzung ausgestattet. Mit einem fünften Rang hinter vier Porsche 550 Spyder erhöhte Bechem sein Punktekonto auf sieben Zähler. In Bremen herrschte Ratlosigkeit über die machtvolle Demonstration der Zuffenhausener Konkurrenten - Bechem blieb jedoch Optimist, es gab schließlich noch eine Chance auf der Avus.

Der Titel ging an Herrmann

Dort besiegte von Frankenberg Hans Herrmann, damit hatten alle drei je einen Sieg und zehn Punkte. Der Titel wurde Herrmann zugesprochen, das Reglement hatte für den Gleichstand das Ergebnis des zweiten Nürburgring-Laufs zugrunde gelegt. Für Bechem war die Saison jedoch noch nicht zu Ende. Nach dem Mercedes-Erfolg von 1952 war auch Borgward im Vorjahr bei der Carrera Panamericana in Mexiko angetreten. Hartmann hätte mit dem 1500 RS seine Klasse überlegen gewonnen, wenn nicht kurz vor Schluss ein gebrochenes Saugrohr zu einer Zeitüberschreitung und damit zum Ausschluss geführt hätte. Am 19. November erfolgte der Start zur ersten Etappe in Tuxtla, Bechem legte die 530 Kilometer in seiner Klasse als Schnellster zurück. Am nächsten Tag baute der Hagener seinen Vorsprung aus. Die dritte Etappe beendete er als Fünfter, da ihm bei 200 km/h ein Hund in den Wagen gelaufen war und einige Ausbesserungsarbeiten erforderlich wurden.

Bechelm beschließt eine Pause

Ein weiterer Zwischenfall ereignete sich am darauffolgenden Tag: Bei Rio Hondito versperrten Zuschauer die Sicht, Bechem musste abbremsen und versuchte einen Drift zu vermeiden, um niemanden zu gefährden. Er kam links leicht von der Fahrbahn ab und krachte direkt auf der Höhe des Fahrerplatzes in einen Begrenzungspfeiler aus Beton. Mit einer Oberschenkelfraktur wurde er nach Mexiko City ins Hospital gebracht. In Deutschland überschlugen sich die Zeitungen mit Schlagzeilen über die todesmutige Raserei der Rennfahrer. Karl Günther Bechem beschloss nun, erst einmal eine Pause einzulegen. Eigentlich wollte er nach seinem HH 48 nie wieder einen Monoposto mit frei stehenden Rädern fahren, er befürchtete ein Verhaken der Räder im Getümmel.

Bechem änderte seine Meinung

Als ihm aber Eberhard Mahle den Einstieg in seinen Vertrag für einen Formel Junior-Rennwagen anbot, da er die Leitung der Kolbenfabrik übernehmen musste, änderte Bechem seine Meinung. Der von Alfred Hartmann in Berchtesgaden gebaute Wagen mit einem Dreizylinder- Zweitaktmotor von DKW ließ die Rennkarriere von „Bernhard Nacke“ wieder aufleben. Auf der Nürburgring-Südschleife gab es im Herbst 1959 bereits einen dritten Platz zu verzeichnen. 1960 war Bechem neben dem Formel Junior auch mit dem Firmenwagen aktiv: Im Mercedes 190 fuhr er das Flugplatzrennen in Pferdsfeld und das Bergrennen in Bitburg. Mit einem Porsche 356 trat er in Heidelberg an.

Im Jahr darauf musste er seiner Frau Hannelore versprechen, nur noch Bergrennen zu fahren, dafür bekam er ihren BMW 700. Dieser wurde sieben Jahre lang eingesetzt. Der alte Freund Günther von den Steinen baute ein Fünfganggetriebe ein, verschiedentlich saß auch ein Werksmotor aus München im Heck. Mit dem Motorsport beschäftigte sich der Hagener danach nicht mehr, bis heute bleibt er zusammen mit dem Weggefährten Günther von den Steinen aktiv auf dem Fachgebiet der Geothermie und der Bohr-Technik. Am 21. Dezember 2008 feierte Karl Günther Bechem seinen 87. Geburtstag - sprühend vor Ideen und engagiert wie eh und je.

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