Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Reinhard Sachse

Reinhard Sachse von Steenbuck Automobiles

Foto: Beate Jeske 12 Bilder

Reinhard Sachse leitet das Oldtimer-Haus Steenbuck Automobiles - in einem restaurierten Heide-Hof. Die Scheunen beherbergen jede Menge Traum-Oldies.

28.04.2008 Malte Jürgens Powered by

Das Geschäftsprinzip des Reinhard Sachse, Chef bei Steenbuck Automobiles in Gödenstorf-Lübberstedt südlich von Hamburg, klingt viel versprechend: "Wir wollen nicht mit einem einzigen Geschäft reich werden." Im Klartext bedeutet dies, dass Sachse neben der Liebe zu Mercedes, Rolls-Royce, Bentley und Aston Martin auch die kleineren Geschäfte durchaus ernst nimmt - jene Schnäppchen also, die im professionellen Bereich des Oldtimer-Handels eher in der zweiten Reihe stehen, mit unsicherer Kundenlage und schmalerer Rendite.

"Wir freuen uns immer ganz besonders, wenn unsere Kunden bei ihrem nächsten Autowunsch wieder zu uns kommen", sagt Sachse, 54, und leitet damit über zu seinem zweiten Prinzip, "denn dann hat unsere Beratung gut funktioniert." Neueinsteigern, die vor dem Kauf ihres ersten Oldtimers stehen, gibt der Mann aus der Lüneburger Heide dabei zunächst folgenden Tipp: "Beginnen Sie nicht mit einem Millionenobjekt, sondern mit einem Auto, das überschaubar bleibt in Anschaffung und Unterhalt."

Karriere: Bester Nachwuchsverkäufe, Lkw-Verkäufer, Selbständigkeit

Nicht ohne Grund beginnt seine Preisliste schon bei rund 10.000 Euro für einen VW Käfer, Baujahr 1958, mit Faltdach. Des Weiteren findet sie ihre artenreichste Ausdehnung zwischen 50.000 und 150.000 Euro und schwingt sich dann bis in die Höhe etwa einer halben Million. Im Topsegment offeriert Sachse dann schon mal einen raren Bugatti 40 A, einen Rolls-Royce Phantom II mit hölzerner Boattail-Karosserie oder auch einen Mercedes 300 SL.

Kunden auf Anhieb einzuschätzen und ihnen schon beim ersten Gespräch ein möglichst passendes Auto anzubieten, hat der gelernte Industriekaufmann von der Pike auf mitbekommen. 1980 stieg er als Berufsanfänger bei Mercedes ein, qualifizierte sich zum besten Nachwuchsverkäufer, durfte in Stuttgart Lastwagen verkaufen, gründete dann in Hamburg ein Büro für Transportberatung und stieg bei der Hamburger Mercedes-Benz-Niederlassung ein.

Oldtimer faszinierten Sachse dabei seit langem, allerdings zunächst privat. 1985 holte er seinen ersten Mercedes 190 SL aus Texas, später kam ein Derby-Bentley von 1935 mit James-Young-Karosserie dazu. Das Hobby wurde dann 1999 zum Beruf: Zunächst bei Mirbach Nord, dann 2004 mit dem Sprung in die eigene Selbständigkeit. Sachse übernimmt den Bestand des Oldie- und Teile-Spezialisten Peter Steenbuck.

Unternehmen zum Anfassen

Mit dem stilgerecht restaurierten Bauernhof in Lübberstedt findet Sachse das passende Geschäftslokal mit ansehnlichem Wohntrakt: "Wir möchten unsere Kunden nicht in einer Grosstadt empfangen, sondern in einer Umgebung, die perfekt zum Thema Oldtimer passt. Wenn wir hier wachsen wollen, kein Problem - anzubauen ist jederzeit möglich."

Die Anonymität eines Großbetriebes ist Sachses Sache nicht: "Mein Unternehmen soll in erster Linie überschaubar bleiben, gewissermaßen zum Anfassen." Auf den sorgfältigen Check neu im Angebot stehender Automobile legt der Chef größten Wert: "Meine Kunden sollten bei der Probefahrt keine Schwächen entdecken, die uns verborgen geblieben sind."

Sachses Tipp: Mit Sportwagen liegt man immer richtig

Womit der Chef beim delikaten Thema des Ankaufs gelandet ist. Vier Hauptgründe hat der Steenbuck-Boss dafür ausgemacht, dass Oldtimer selten ganz vom Markt verschwinden, sondern immer mal wieder auftauchen: Tod des Besitzers, Scheidungen, Epochenwechsel beim Sammler und die Verkleinerung eines mit den Jahren immer mehr gewachsenen Fuhrparks.

Käufern, die neu in die Oldtimer-Szene einsteigen, empfiehlt Sachse: "Mit sportlichen Autos der einzelnen Jahrzehnte liegt man eigentlich nie daneben, denn hierfür gibt es immer einen Markt. Ältere Kunden, die etwas suchen, um mit ihren Enkelkindern sonntagnachmittags eine Runde zu drehen, brauchen natürlich ein anderes Auto, zum Beispiel eine Vorkriegslimousine."

Vorkriegsautos bieten für Sachse ohnehin den meisten Fahrspaß. Viele der betagten Limousinen sind zwar nachträglich zu Roadstern umgebaut worden, aber gute Saloons gilt es schon wegen ihrer oft fantastisch detailreichen Interieurs zu erhalten.

Natürlich kämpft Sachse auch mit regionalen Eigenheiten: "Italienische Autos gehen offenbar in Süddeutschland besser als hier oben. Mein Maserati 5000 GT und der Fiat Spider Volumex werden zwar oft angeschaut, aber nicht von Käufern. Dafür gehen hier Engländer besser, und Mercedes, BMW und Porsche sowieso."

Die Höhepunkte im noch nicht so alten Oldtimer-Händlerdasein? Sachse braucht nicht lange nach der Antwort zu suchen: "Hier in Hamburg haben wir vier Doppelgaragen voller Schrott leergeräumt und darunter ein BMW-502-Coupé von Baur gefunden. Nur schade, dass die eloxierten Zierleisten überlackiert waren. Und bei Stuttgart haben wir unter einem Haufen Müll zwei 300 SL entdeckt, einen Flügeltürer und einen Roadster. Der Besitzer sah darin nichts weiter als zwei alte, nicht mehr fahrbereite Autos." Manche Scheunen laden eben zum Träumen ein.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige