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Portrait Team Andexer

Hahnemanns Vermächtnis

Foto: Hardy Mutschler 7 Bilder

Der geniale Verkaufsstratege Paul Gustav Hahnemann füllte die BMW-Nische erfolgreich mit der Neuen Klasse. Die fahraktiven Limousinen gab es in drei Größen. Das Team Andexer kümmert sich vor allem um den sportlichen Nullzwei. 

31.01.2008 Alf Cremers Powered by

Es sieht aus wie in einem Museum, das montags geschlossen hat. Kein Publikumsverkehr. Das Personal kümmert sich um die BMW-Artefakte, zieht einen Zylinderkopf aus dem Regal, macht einen Satz generalüberholter Bremssättel versandfertig.

Ein Mitarbeiter im Blaumann schiebt eine Nullzweier-Rohkarosserie auf einem Gestell über den Gang, ein anderer sucht eine Batterie Weber-Vergaser aus - Typ 45 DC OE. Also genau die vom 1800 TI/SA, gut für 130 PS oder noch mehr im Zweiliter. Drüben im Regal türmen sich Stapel von Alu-Rädern, Ronal, ATS oder gar die reizvollen Petrini – die im CS-Look, mit den neckischen verchromten Radkappen aus dem Prospekt vom Touring 2000 tii.

Bavaria-Garagen: Familienbetrieb im Bergischen Land

Hans Friedrich Andexer hat ihn griffbereit im Ordner. Es ist sein Reich hier in der Schlüssel-Metropole Velbert, treffend hat er es Bavaria-Garagen getauft. Hier hütet er das Vermächtnis von Verkaufsdirektor Paul Gustav Hahnemann, hält die Wagen der Neuen Klasse seit 25 Jahren am Leben oder holt sie wieder dahin zurück.

"Nischen-Paule" nannten sie einst den hemdsärmeligen Strategen, er hat BMW in den frühen Sechzigern neu erfunden. Die Hahnemann-Ära steht für echte BMW - Autos wie filterlose Zigaretten: klein, hart, stark. Die Firma heißt Team Andexer, ein Familienbetrieb wie ein Bauernhof. Aber einer der Autos baut, notfalls rund um ein paar Reste mit Fahrgestellnummer. "Dieser Aufwand lohnt sich nur für Idealisten bei den 1682 gebauten BMW 1600 Cabriolets oder erst recht bei den 256 bügelfreien 2002", räumt Andexer ein.

Der Vordenker, Tüftler und Vergaserspezialist ist ein ruhiger, abgeklärter Autodidakt, der mit Hingabe die beiden Solex-Vergaser eines 2002 ti synchronisiert. Ehefrau Roswitha und Tochter Stefanie ziehen die Fäden im Hintergrund, Tochter Jennifer, Biologin mit Benzin im Blut, hilft oft.

Nur ein paar gute Freunde arbeiten noch mit. Einer von ihnen ist Cornel Koch. Der 35-jährige Industriekaufmann ist quasi der Chefmechaniker der Bavaria-Garagen. Als begabter Autodidakt, Besitzer eines ziemlich makellosen BMW 2800 CS und eines späten 2002 L der gesuchten "Schwarzen Serie", komplettiert er mit Können und Hingabe die frisch lackierten Rohkarosserien, vermählt sie mit Motor und Fahrwerk oder führt anspruchsvolle Reparaturen an Kundenautos aus.

Raritätenkabinett des Nullzwei-Experten

Andy, wie sie den Chef in der Szene verbindlich, aber respektvoll nennen, züchtet nicht nur die seltenen Nullzwei-Cabrios, sondern auch Touring, echte Ti, Kugelfischer-tii und andere Raritäten. Wenn es sein muss, auch mal einen der 1670 Mal gebauten 2002 turbo. "Dessen Leistungscharakteristik missfällt mir", sinniert Andexer - bekannt dafür, die Dinge beim Namen zu nennen. "Unten rum das Drehmoment eines 1502 und ab 4.500/min der Schub eines M1, das macht nicht glücklich." Vor allem nicht bei Oldtimer-Rallyes im Gebirge.

Die Bavaria-Tour, ein Weltkonzert der Neuen Klasse, haben Andexer und sein Team 2002 und 2006 mit je 300 Autos von Oberammergau aus dirigiert. Andy ist froh, dass die Originale dominieren: "Der Nullzwei litt lange unter dem Halbstarken-Image, jetzt ist er wieder die noble, kompakte Sportlimousine, wie sie einst von BMW gedacht war. Die Preise steigen, wobei die offiziellen Classic Data- Preise viel zu niedrig angesetzt sind", klagt Andexer. Es fällt ihm nicht schwer, einen nahezu perfekten 1600 ti auch mal für 25.000 Euro zu verkaufen. "Die Leute wollen mittlerweile perfekte Autos und zahlen auch dafür."

Andexer baut die Nullzwei-Spezialitäten meist im Kundenauftrag auf. Karosseriebau und Lackierung gibt er außer Haus. Im Nachbarort Wülfrath entsteht gerade unter den Händen von Meister Steinborn aus einem Torso ein BMW 1600 GT, Andys neues Spielzeug. Das ist einer von 1.259, eine spannende Melange aus BMW-Technik, Frua-Karosserie und Glas-Vorderachse.

Auch ME-TA 222, das perfekt restaurierte türkisfarbene 2002 Cabriolet mit Targabügel, gehört zum Familiensilber. Ebenso ein Alpina-Touring, ein Z1 und natürlich Diana. Dieser charmante Nullzwei-Handkuss als Referenz an die damalige Hubert Hahne-Ehefrau Diana Körner umfasste 1970 eine Kleinserie von zwölf exklusiven 2002 ti: Doppelscheinwerfer, Ledersitze, elektrisches Schiebedach - jedes Auto andersfarbig, maximal individuell.

Andexer baut auch Wunschwagen

Die weiß gekalkten Wände von Andexers Reich, das neben einem bestens sortierten Teilelager noch Stellplätze für Autos und eine gut eingerichtete Werkstatt umfasst, sind liebevoll dekoriert mit allerlei Techniquitäten der Sechziger und Siebziger: ein Agfa-Rhombus, ein großer BMW-Propeller, Reifen- und Motorölwerbung auf buntem Blech, ja sogar eine BMW-Flugzeug-Turbine sind Requisiten seines kleinen Privatmuseums.

Blickfang bleibt jedoch das grandiose Schnittmodell des berühmten BMW M10-Vierzylinders in Originalgröße. Andexer lässt die Kolben auf und ab tanzen und erzählt in entspannter Plauderlaune, wie er zum Nullzwei kam: "In den Sechzigern fuhr ich als junger Mann von Anfang 20 zuerst Opel Rekord P1, dann eine Ford Badewanne. Wir hatten damals eine Fabrik für Kinderbekleidung, und ich war viel im Außendienst tätig. Weil mir Opel und Ford zu behäbig vorkamen, kaufte ich mir Anfang 1968 einen 1600 ti, mit dem ich gewöhnlich Kunden besuchte und am Wochenende Slalom- und Bergrennen fuhr."

Andexer erwarb 1973 einen Touring 2000 tii, fünf Jahre später fand er zufällig wieder einen 1600 ti. Die Obsession war nicht mehr zu stoppen. Der Nullzwei wurde zum Hobby, zur Passion. Und ab 1982, bei der Gründung von Team Andexer - auch zum Nebenberuf. Fünf Jahre später, der Nullzwei war inzwischen zum begehrten Klassiker gereift und Andexer hatte das hohe Potenzial der kleinen Sportlimousine erkannt, wurde er entgültig zur Hauptsache.

Der gebildete Mann mit dem trockenen Humor gilt mittlerweile als der Nullzwei-Experte. Andexer und Team kümmern sich um Teilenachfertigungen speziell, aber nicht nur für die raren Baur-Cabriolets, bieten Weber-Vergaser und Bilstein-Fahrwerke zum Nachrüsten an, ja sogar Getrag-Fünfgang-Getriebe sind im Angebot. Hier laufen die Nullzwei- Fäden zusammen. Deshalb kann man in Velbert-Neviges seinen Wunsch-BMW ordern. Schlüsselfertig oder als betreute Restaurierung, in Wunschfarbe mit Extras, fast wie einen Neuwagen oder wie einst Diana.

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