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Privates Carsharing

Das geteilte eigene Auto

Carsharing Foto: TÜV Süd 8 Bilder

Carsharing ist eine tolle Sache – wer kein eigenes Auto hat, kann sich zu fairen Preisen unkompliziert eines leihen. Das Prinzip funktioniert aber auch andersherum: Unser Mitarbeiter Michael Rassinger hat beim privaten Carsharing seinen eigenen Wagen vermietet.

22.10.2013 Michael Rassinger Powered by

Nein, eine Liebesbeziehung zu seinem Auto sollte man für privates Carsharing nicht aufgebaut haben. Zu schmerzlich wäre die Vorstellung, den gepflegten und liebgewonnenen Untersatz einer unbekannten Person für Stunden oder Tage zu übergeben. Neben der Bedeutung als Statussymbol kann der eigene Wagen auch einen privaten Rückzugsraum und ein Stück Freiheit bedeuten. Wie um alles in der Welt kann man also auf die Idee kommen, dieses ganz persönliche Refugium einem Fremden zu überlassen?

Für diesen Versuch schaltete ich alle Emotionen ab und stellte mein Cabrio, einen Toyota MR2, auf der Carsharing-Plattform autonetzer.de potenziellen Mietern zur Verfügung. Bevor man als stolzer Autobesitzer nun die Hände über dem Kopf zusammenschlägt: Es ist alles nicht so schlimm, wie es scheint. Schließlich vermietet man weder Familienangehörige noch sein Schlafzimmer, sondern ein Industrieprodukt, das in großer Stückzahl gefertigt wurde. Ganz pragmatisch gedacht bedeutet das also: Es ist nur ein Auto. Es gibt sehr viele davon. Es verliert laufend an Wert. Es kostet ständig Geld.

Ohne Grundvertrauen geht beim Carsharing nichts

"Die Voraussetzung als privater Autovermieter sollte natürlich schon ein Grundvertrauen zum Mieter sein", sagt Sebastian Ballweg, Geschäftsführer von autonetzer.de, einem der großen privaten Carsharing-Portale in Deutschland. Er gehört zu der Generation von Leuten, für die das Teilen und Mieten von Dingen wie Wohnraum und Autos längst Einzug ins tägliche Leben gehalten hat. Ballweg arbeitete, bevor er sich selbstständig machte, bei Daimler und suchte nach einer Möglichkeit, sein eigenes Auto besser auszulasten und die Fixkosten zu reduzieren. Bei einem Großstadtbewohner wie ihm, der meist mit Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs ist, stand der Wagen oft ungenutzt vor der Tür. Verkaufen war aber keine Option, denn ab und zu ist ein Auto einfach nötig. Daher kam der studierte Betriebswirtschaftler zusammen mit seinem Geschäftspartner Markus Gößler auf das Projekt mit dem Namen "Autonetzer".

Die Idee des privaten Carsharings ist recht jung. Erst vor rund fünf Jahren entwickelte sich weltweit fast gleichzeitig eine Sharing-Community für das Auto. Deutschland als klassisches Autofahrerland hält Ballweg durchaus tauglich für den Teilungs-Gedanken: "Die Leute in Deutschland sind zuverlässig, was für ein solches Projekt wichtig ist. Außerdem sieht man an Plattformen wie Mitfahrgelegenheit, Couchsurfing oder AirBnB (Mieten und Vermieten von Wohnraum auf Zeit), dass es in Deutschland funktioniert und in der Gesellschaft angekommen ist. Die Leute scheinen das Grundvertrauen mitzubringen, das man für den Verleih von privaten Dingen benötigt."

Das eigene Auto verdient Geld

Wie funktioniert aber das Verleihen des eigenen Autos? Es ist wirklich einfach: Nach dem Überprüfen der Voraussetzungen für das Vermieten meldet man sich auf der Webseite der Autonetzer entweder per Registrierung oder Facebook-Authentifizierung an. Anschließend gibt man seine Daten  sowie das Fahrzeug mit allen Details in die Maske ein, lädt Fotos hoch, legt die Mietpreise und Rückgabekonditionen fest und schaltet die Anzeige frei. Das war’s auch schon. Ab sofort kann der eigene Wagen von Mietern online gebucht werden.
In meinem Fall wurde ich per SMS und E-Mail über eine Mietanfrage informiert.

Fitnessclub-Besitzer Guido Wallmann aus Berlin wollte den MR2 für einen Tag mieten. Nach der Zusage per SMS musste nur noch das Protokoll ausgedruckt und bei Übergabe überprüft und unterschrieben werden. Ganz wichtig zu wissen: Die bestehende Kfz-Versicherung wird nicht angetastet. Stattdessen schließt der Mieter mit der R+V Versicherung einen Vollkasko-Schutz während des Mietzeitraums ab. Passiert tatsächlich einmal etwas, nimmt der Mieter direkt mit der R+V Kontakt auf, die dann alles abwickelt.

Die Übergabe verlief problemlos, nach einem kurzen Check von Führerschein und Personalausweis liefen wir ums Auto, hielten Zeit, Tankinhalt und Kilometerstand fest. Am nächsten Tag kam der Toyota genau wie besprochen und ohne Makel zurück, der Mietpreis wurde anschließend von den Autonetzern auf mein Konto überwiesen. Fitness-Experte Wallmann war so angetan von dem Autonetzer-Konzept, dass er demnächst den VW Bus des Fitness-Centers dort anbieten wird, um dessen Standzeiten und Fixkosten zu verringern.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Autonetzer bieten preiswertes und sicheres Carsharing an, bei dem der Privatwagen Geld einfährt und damit die finanzielle Belastung für den Fahrzeugbesitzer verringert. Man sollte allerdings keine emotionale Bindung zu seinem Auto haben, denn wer beim Verleihen des vierrädrigen Gefährten ein schlechtes Gefühl hat, der wird auch während der Mietdauer unruhig schlafen.

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