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Pro & Contra: Alfa Romeo

Italienische Zukunftsperspektiven

Alfa Romeo 4C, Sebastian Renz, Jens Dralle Foto: Hans-Dieter Seufert 12 Bilder

Alfa Romeo startet ein Comeback – mal wieder. Im Gegensatz zu den Verkaufszahlen ist die Liebe zu der Marke immer auf konstant hohem Niveau geblieben. Zu Recht?

20.06.2015 Sebastian Renz, Jens Dralle

Sebastian Renz: Mythos ist unzerstörbar

Alfa wird nicht nur überleben, sondern groß zurückkommen. Dazu braucht es nicht mal unbedingt gute Autos. Wenn wir zurückdenken, wann Alfa zuletzt ein echt wettbewerbsfähiges Fahrzeug angeboten hat, rauschen wir bis tief in die Siebziger – in eine Zeit, von der wir nicht exakt wissen, ob die Autos damals wirklich gut waren oder wir die Schwächen von Alfasud, Spider oder Giulia nur verklärt haben. Bei Alfa geht das.

Selbst den Arna, ein Kooperations-Missverständnis, bei dem jeder der beiden Teilnehmer die eigenen Schwächen mit ins Projekt einbringen durfte (Nissan das Design, Alfa die Produktion), finden wir heute fesch. Später quälte Alfa seine Kunden mit 33, 155 oder dem dicken Brera. Doch selbst das aktuelle Programm – Mito, Giulietta, 4C – scheint zum Überleben zu genügen.

Weil die Kunden Alfa lieben. Lieben wollen. Es gibt seit Jahrzehnten keinen vernünftigen Grund, einen Alfa zu kaufen. Aber es gab immer genügend unvernünftige – den 156 in zartem Hellblau, den 166 mit beigem Knautschleder und meist auch das Echo eines V6. Dazu immer Image und Design. Beides wird für Käufer immer wichtiger – das mag ein Problem für Opel oder Ford sein, aber eine Chance für Alfa. Es ist noch immer etwas Besonderes, einen Alfa zu fahren – etwas besonders Schönes. Wenn die neue Giulia ein halbwegs ordentliches und vor allem begehrenswertes Auto wird – was mit einer Hinterradantriebs-Plattform gelingen sollte –, klappt das Comeback. Weil Fans auf einen hinterradgetriebenen Alfa warten – mit einer Hoffnung, die nicht mal Fiat seit der Übernahme 1986 zerstören konnte.

Nun das Argument für letzte Zweifler: Glauben Sie, Ferdinand Piëch hätte Alfa Romeo kaufen wollen, glaubte er nicht an ein Comeback der Marke?

Jens Dralle: Unzerstörbarkeit ist ein Mythos

Kaum ein anderer Hersteller verfolgt eine derart konsequente Marketingstrategie wie Alfa Romeo. Seit etwa vier Jahrzehnten wird jedes neue Modell als der beste Alfa aller Zeiten bejubelt. Völlig zu Recht übrigens, wären nur seither die gesamten Wettbewerber nicht um Lichtjahre besser. Der letzte Alfa Romeo, der technologisch wirklich etwas zu bieten hatte, war die 1962 vorgestellte Limousine Giulia.
Seither gelingt es der Marke, das Image aufrechtzuerhalten, sie baue für Nonkonformisten sportliche Autos mit fortschrittlicher Technik – besonders schöne noch dazu. Erstaunlich, dass dieser Mythos nach wie vor existiert, denn schließlich schufen die Italiener ohne Skrupel vierrädrige Grausamkeiten wie die Oberklasse-Limousine Sei und den Nissan-Zwitter Arna.

Ja, ich hab’s ausprobiert, denn ich besaß einen Alfa 90 – selbst ein Lada Samara mit Stufenheck hatte mehr Sex-Appeal. Aber dem Mythos widerstehen? Keine Chance, zählte doch sein V6 zu den brillantesten Triebwerken überhaupt und die Gewichtsverteilung dank Transaxle-Bauweise zu den ausgeglichensten. Aber was nützt das, wenn sich die Gänge hakelnd durch die Gassen quälen und einiges gerne erst aus-, dann abfällt?

Und 1986 übernahm Fiat, was nicht unbedingt ein Garant für bessere Produkte ist. Ja, der 1997 vorgestellte 156 war ein Lichtblick. Die gruselige Qualität brachte wieder Finsternis. Ja, der 4C zeigt, zu welchen Höchstleistungen die Marke imstande ist. Doch der Sportwagen füllt nur eine sehr kleine Nische. Ein neues Volumenmodell muss her. Im gesamten FCA-Konzern existiert allerdings keine technische Basis, auf der ein wettbewerbsfähiger Alfa entstehen könnte. So wird also die neue Giulia selbst mit Hinterradantrieb vor allem eines sein: der beste Alfa aller Zeiten.

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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