Pro und Contra Große Räder: So geht cooler Bandscheibenvorfall

Alufelgen, Henning Busse, Jens Katemann

Jens Katemann kritisiert den Trend zu immer größeren Rädern. Redakteur Henning Busse dagegen versteht die Ablehnung von üppig dimensionierten Alufelgen mit flachen Reifen nicht.

Hening Busse steht auf große Felgen

Kollege Katemann und meine Wenigkeit sind uns wenigstens in einer Sache einig: Alufelgen hübschen die Optik von Autos auf. In allen anderen Punkten, die Leichtmetallräder betreffen, gehen wir jedoch andere Wege. Dabei kann ich nicht verstehen, warum man gegen dicke Schlappen ist.

Für mich sind die Felgen ein wichtiger Teil des Fahrzeugdesigns. Leider sehen das viele Hersteller anders, indem sie gut aussehende Autos mit kleinen, langweiligen und gar unpassenden Serienrädern auf die Straße schicken. Leute, das kann ja wohl nicht sein. Wer zieht schon Gummistiefel zu Anzug und Krawatte an? Niemand, oder? Die Serienräder dürften ruhig ein wenig größer sein. Und kommt mir jetzt bitte nicht mit den Kosten. Dieses Argument zieht bei den heutigen Fahrzeugpreisen nicht – so viel mehr kostet das auch nicht.

Passende Felge zu vertretbarem Preis

Ein Blick auf den freien Markt zeigt, wie sehr hier derzeit die Preisschlacht tobt. Wer nicht gerade ein Schmiederad oder eine mehrteilige Felge möchte, der findet zu vertretbaren Preisen passende Produkte in allen Größen. Bei den Reifen sieht es ähnlich aus. Bis zu 30 Prozent können Autofahrer sparen, wenn sie sich Zeit für einen Preisvergleich nehmen. Ich empfehle jedem, der nicht bereit ist, viel Geld bei den Herstellern für die Zubehörfelge hinzublättern, den freien Markt. Der Weg zum Händler um die Ecke kann sich lohnen. Somit muss die schicke Felge nicht an den Kosten scheitern.

Vielleicht scheitert sie aber am Thema Komfort? Breite Felgen in Verbindung mit schmalen Reifen mindern den Federungskomfort, was auf den Rücken schlägt, heißt es. Dieses Argument ist immer wieder zu hören und ist nur bedingt richtig. Es geht doch nicht allein um endlos breite Felgen, die statt eines Reifens nur ein Gummiband ziert. Aber man muss es ja nicht übertreiben, und so greife ich statt der 17-Zoll-Serienfelge nicht zur 19-, sondern zur 18-Zoll-Ausführung. Das heißt: Statt des 50er-Niederquerschnittreifens fahre ich nicht den 35er-, sondern den 40er-Querschnitt. Wenn dann noch die Einpresstiefe der Felge stimmt, ist der beste Kompromiss gefunden.

Besseres Handling mit breiten Schlappen

Außerdem erfährt das Handling des Autos eine spürbare Aufwertung mit größeren Schlappen, das sollte nicht vergessen werden. Eines steht fest: Wähle ich den Mittelweg, leidet der Komfort nicht – ich muss also nicht jedem Gullydeckel aus Angst um meine Gesundheit ausweichen. Ich habe daher kein Verständnis für die Ablehnung – das Komfortargument zieht nicht und die Sache mit den Kosten auch nicht.

Jens Katemann sieht Geldmacherei

Eines sei hier gleich vorausgeschickt: Ich mag Alufelgen. Sie geben vielen Autos einen edlen Look, werten ihre Optik sichtbar auf. Aber warum müssen die Räder auf unseren Autos immer größer und die Reifen immer flacher werden? Warum schneidern Autodesigner die Karosserien mit derart ausladenden Radhäusern, dass selbst 16-Zoll-Alufelgen in ihnen so mickrig aussehen wie die Gummiringe auf dem Dreirad meines Sohnes? Na klar, damit sich der Kunde für die wesentlich teurere Optionsbereifung entscheidet. Da kann er im Prospekt zwischen gefühlten 100 Alurädern auswählen und wird nochmals richtig abkassiert.

Beispiel gefällig? Schon ab Werk rollt ein neuer BMW 320d auf 16 Zoll. 17-Zöller kosten 900, 18-Zöller 1.550 und 19-Zöller 2.450 Euro extra. Aufschläge, die allein mit höheren Produktionskosten definitiv nicht zu rechtfertigen sind. Doch damit nicht genug: Wenn nach einigen Jahren ein frischer Satz Reifen fällig ist, wird es wieder richtig teuer. Während man für einen Reifen der Größe 205/60 R 16 knapp 200 Euro bezahlt, müssen Besitzer von Autos mit 19-Zöllern das Doppelte berappen. Wenn dieser sündhaft teure Größenwahn abgesehen von der heißeren Optik, über die man geteilter Meinung sein kann – wenigstens Vorteile mit sich brächte.

Das Gegenteil ist der Fall: Breite, flache Reifen treiben den Verbrauch in die Höhe, verschlechtern den Geradeauslauf, sorgen bei Regen für eine größere Aquaplaning-Gefahr und mindern den Abroll- und Federungskomfort. Da kann ich nur sagen: tiefer, breiter, blöder! "

Ein Zehntel interessiert mich im Alltag nicht

"Aber das Handling ist super", höre ich Kollege Busse sagen. Was interessiert mich im Alltag denn, ob mein Auto mit breiten Elefantenfüßen ein Zehntel schneller durch eine Pylonengasse wedelt? Ich habe da wesentlich profanere Ansprüche: Ich will in der Stadt nicht jeden Gullydeckel umschiffen müssen, nur damit es mir nicht ins Kreuz fährt. Liebe Autohersteller, natürlich wollen wir attraktives Design. Es sollte sich aber Alltagsbedürfnissen wie einem ordentlichen Federungskomfort unterordnen. Und was nützt all die Spritspartechnik, wenn sie durch die breiten Schluppen konterkariert wird? Stylt eure Autos bitte so, dass sie auch mit normal dimensionierten Alufelgen und bezahlbaren Reifengrößen sexy aussehen.

Liebe Autokäufer, egal wie cool Ihr es im Showroom oder auf den Automessen findet: Lasst die Finger von wuchtigen Felgen und flacher Niederquerschnittsbereifung. Glaubt mir, Ihr ärgert euch nur über den schlechten Komfort und beim Kauf neuer Reifen über die happigen Preisaufschläge.

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