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Pro und Contra Wohnmobil

Zwei Redakteure, zwei Meinungen

Wohnmobil, Jens Katemann, Jörn Thomas Foto: Reinhard Schmid 48 Bilder

Unser Autor Jörn Thomas liebt das Reisen mit dem Wohnmobil, empfindet ein großes Gefühl von Freiheit. Jens Katemann sieht die mobilen Eigenheime eher als rollende Verkehrshindernisse mit unbequemen Betten an.

19.10.2011 Jens Katemann, Jörn Thomas Powered by

Jörn Thomas - Pro Wohnmobil

Quietschende Hotelbetten, gekräuselte Haare fremder Herkunft in der Dusche? Danke schön. Ich will raus, frei sein umherziehen, vagabundieren. Deswegen Wohnmobil. Wie der Name schon sagt: mobil. Also bitte keine Dauercamper-Idylle hinterm Jägerzaun der Edel-Favela im Schlagschatten der A 8 oder an irgendeinem brackigen See, wo Mutti den ganzen Tag im Nyltest-Kittel werkelt, während Vati seine Bierwampe zur Schau stellt.

Wir reisen lieber ungezwungen herum, lassen uns treiben. Pirschen in Städte, folgen Flussläufen und schrauben uns in die Berge. Eine Nacht auf dem ruhigen Hallenbadparkplatz oder vorm lauschigen Tennisheim birgt mehr Urlaub als Pseudo-Wellness im mit Gips-Statuen aufgebrezelten Provinzhotel. Langeweile? Niemals. Man hat schließlich dauernd irgendwas zu tun. Betten umbauen, Morgentoilette, Bäcker suchen, Brötchen holen. Frühstück machen, Vorräte checken. Strom, Gas, Frisch- und Abwassertank. Beim Wasserbunkern wird man zum Kapitän inklusive hoher Verantwortung für Material und Personal.

Und erst die Passagiere. Sie fühlen sich fast immer wohl an Bord. Maulende Kinder? Nicht im WoMo. Hier gibt es für die Stöpsel ständig etwas zu entdecken, ruck zuck haben sie sich eine Schlafhöhle gebaut, turnen im und ums Auto herum, entdecken die Umgebung. Am besten klappt das natürlich auf einem feinen Campingplatz, weshalb der Ideal-Urlaub eine Mischung aus wildem und organisiertem Übernachten sein sollte.

Das Abenteuer beginnt schon beim Laden

Wenn dann abends die Holzkohle knistert, die Steaks brutzeln und Kondenstropfen von der kühlen Bierflasche perlen, ist das toller als ein steifes Diner vorm gestärkten Linnentuch. Oder lieber rituelles Spaghettikochen in der Mini-Kombüse? Kein Thema - Tomatensoße schmeckt notfalls auch mal ein paar Tage hintereinander. Wenn es uns gefällt, bleiben wir, wenn es genügt, ziehen wir weiter.

Ein Wochenendausflug genügt zum Relaxen, das Abenteuer beginnt schon beim Laden, spätestens bei der Abfahrt. Hektiker tiefenentspannen, wenn sie auf dem Bock sitzen, der Diesel grummelt und selbst auf der Autobahn Tempo 100 genügt. Etwa so: "Hast du schon das Sonnenblumenfeld gesehehen" oder "Hupps, die gotische Kapelle ist mir ja noch nie aufgefallen." Sie werden sich wundern, was es zu entdecken gibt. Das Weg ist das Ziel. Gute Reise!

Jens Katemann - Contra Wohnmobil

Ich mag Wohnmobile weder als Verkehrsmittel für mich noch als Verkehrsteilnehmer überhaupt. Mich nerven diese Hobby-Trucker, die auf der Autobahn mit Tempo 100 die Lastwagen überholen und dabei nicht selten die Ausmaße ihres Gefährts überschätzen. Trotzdem gibt es Schlimmeres. Nämlich selbst mit einem Wohnmobil Urlaub machen zu müssen. Das beginnt schon auf der Fahrt zum Ferienort, auf der man mit Tempo 100 durch die Republik tuckert und trotzdem meist über zehn Liter Diesel pro 100 Kilometer verbraucht. Da muss ich mich schon ohne Stau aufregen.

Dabei will ich mich doch erholen. Und das kann ich nicht in einem rollenden Hasenstall. Warum soll ich in den Ferien enger und unbequemer schlafen als daheim? Warum soll ich Toiletten ausleeren, die Dusche putzen? Es muss ja gar nicht der Fünf-Sterne-Bunker auf Mallorca sein, aber ein bisschen Komfort gehört für mich zum Urlaub dazu. Dazu zählt auch, in der Stadt einfach in ein Parkhaus fahren zu können und nicht nach einen Stellplatz für mein überdimensionales rollendes Wohnzimmer suchen zu müssen. Während der Camper noch seine Runden dreht, sitze ich schon entspannt beim Cappuccino im Café.

Ein Wohnmobil ist ein teurer Spaß

Wohnmobilisten reden gerne von der großen Freiheit. Aber wie frei wäre ich denn mit einem Wohnmobil wirklich? Ich müsste viele zehntausend Euro auftreiben, denn so ein Gefährt ist ein teurer Spaß. Ein Auto brauche ich ja trotzdem, denn wer will schon im Alltag mit dem Wohnmobil zur Arbeit oder zum Supermarkt fahren? Macht zwei Mal Kfz-Steuer, zwei Mal Versicherung, zwei Mal neue Reifen. Ich müsste mit zwei Fahrzeugen zum TÜV und zur Inspektion. Und irgendwo muss das Teil ja auch hin, wenn ich nicht gerade auf großer Fahrt bin. Also auch zwei Mal Stellplatz. Das Geld gebe ich lieber für gutes Essen und gemütliche Ferienwohnungen aus.

Ich habe mich übrigens im Urlaub mit dem Auto noch nie gefangen gefühlt. Ich kann auch heute in dem einen Hotel auschecken und 100 Kilometer weiter ein neues Quartier beziehen. Bei der Wahl meiner Urlaubsziele wäre ich ebenfalls eingeschränkt. Mal in die USA, nach Australien oder Neuseeland? Das geht halt nur mit dem Flugzeug. Statt die weite Welt zu sehen, müsste ich mein Dasein auf Campingplätzen mit neunmalklugen Nachbarn fristen, die mir zur Begrüßung erst einmal die Platzregeln erläutern. Nein danke!

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