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Projekt Nürburgring wankt

Eifel Kurs-Zukunft ist ungewiss

24h Rennen Nürburgring 2011 Atmosphäre Start Foto: Rose 61 Bilder

Das Großprojekt "Nürburgring 2009" taumelt. Die Zukunft der Formel 1 in der Eifel ist ungewiss. Ausbleibende Pachtzahlungen, Kündigung der Betreiber, Stellenstreichungen - gerät die Rennstrecke zum Millionengrab für die Steuerzahler?

15.02.2012 dpa

Boris Becker war begeistert bei der Eröffnung des neuen Freizeitparks an der Formel-1-Strecke in der Eifel: "Der Nürburgring ist für den Motorsport das, was Wimbledon für das Tennis ist: ein Mekka", verkündete der ehemalige Wimbledon-Sieger im Sommer 2009. Und der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) wollte sich sein Großprojekt "Nürburgring 2009" in der Eifel nicht zerreden lassen: "Die Zukunft hat begonnen. Die Ampel steht auf grün", rief er aus.

Nürburgring-Betreiber mit Pachtschulden

Zweieinhalb Jahre später leuchtet die Ampel eher rot. Die Zukunft der Formel 1 am Ring steht in den Sternen. Das abgelegene Freizeit- und Geschäftszentrum gilt als überdimensioniert und leidet unter Besuchermangel. Das Land hat den zwischenzeitlich eingesetzten Privatbetreibern vergangene Woche gekündigt, weil Pachtzahlungen ausstünden. Rund 330 Millionen Euro hat das Land in den Ausbau des Nürburgrings gesteckt, um - bislang vergeblich - die hohen Defizite der Formel 1 auszugleichen. Mit allen Darlehen und Zuschüssen soll beim Freizeitpark über die Jahre sogar fast eine halbe Milliarde Euro zusammengekommen sein.
 
2010 hat Beck noch versichert: "Wir gehen davon aus, dass sich das Invest aus den Pachtzahlungen trägt." Mittlerweile sagt er praktisch das Gegenteil: Der Ring werde sich auch künftig nicht selbst tragen. Infrastrukturminister Roger Lewentz (SPD), der als einer der Kronprinzen von Beck gilt, räumt ein, dass die vereinbarten Pachtzahlungen ans Land nicht reichen. Der Landesrechnungshof befürchtet ein Risiko von 210 Millionen Euro bis 2030.
 
Die grüne Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, nicht um klare Aussagen verlegen, sagte bei der Trennung von den Pächtern: "Wir haben hier vereinbart, dass wir dauerhaft diesem Fass ohne Boden einen Boden einziehen wollen." Im Umkehrschluss: Es war bereits ein Fass ohne Boden. Lemke kann sich auch einen Teilrückbau der neuen steuerfinanzierten Gebäude am Ring vorstellen. Dort wird der Vorwurf geprüft, dass es gesundheitsgefährdenden Schimmelbefall gibt.

Formel 1-Rennen in Gefahr

Überdies könnte es zum langen Rechtsstreit kommen: Die Pächter Kai Richter und Jörg Lindner gehen juristisch gegen ihre Kündigung vor und erwägen, Schadenersatz zu fordern. Die Trennung könnte auch für Motorsport-Fans aus Sicht der privaten Betreiber eine Hiobsbotschaft sein. Richter und Lindner befürchten, "dass die Formel 1 schon im nächsten Jahr in ein anderes Land vergeben wird und der Deutschland Grand Prix nur noch alle zwei Jahre auf dem Hockenheimring ausgetragen wird". Dabei hätten sie die Kosten der teuren Rennen mit Formel-1-Chef Bernie Ecclestone schon herunterverhandelt.
 
Ecclestone ließ allerdings soeben die "Rhein-Zeitung" wissen, er wolle trotz der Querelen am Nürburgring weiter Rennen ausrichten. "Wenn die (rheinland-pfälzische) Landesregierung einen neuen Vertragspartner findet, der sich bereiterklärt, das Rennen durchzuführen, bin ich gerne dazu bereit, einen neuen Vertrag zu unterzeichnen."
 
Die Vergangenheit scheint die SPD einzuholen. Der frühere Wirtschaftsminister Hendrik Hering - jetzt SPD-Fraktionschef - räumt Fehler ein: "Aus heutiger Sicht waren die 2010 gemachten Annahmen zu optimistisch." Die neuen Bauten am Ring seien "überdimensioniert". Auch das Personal könnte zu zahlreich zu sein: Richter und Lindner wollen 92 Stellen streichen, das Land möchte sie möglichst erhalten.
 
CDU-Landeschefin Julia Klöckner warnt vor einer "dritten Pleite". Denn schon zum zweiten Mal ist privates Engagement am Ring gegen die Wand gefahren: 2009 platzte eine Finanzierung des Freizeitparks über Liechtenstein, Dubai und die Schweiz mit dubiosen Geldgebern. Finanzminister Ingolf Deubel (SPD) nahm damals seinen Hut. Inzwischen scheint ein Prozess gegen ihn wegen Untreue näher zu rücken. Im Visier der Staatsanwaltschaft Koblenz sind auch Ringchef Richter und andere Manager.
 
Als Symbol überzogener Träume an der Rennstrecke gilt der "Ringracer" - einst als schnellste Achterbahn der Welt gepriesen mit 217 km/h, steht er wegen technischer Probleme einschließlich Explosionen und fehlender Genehmigungen still.
 

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