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Prophylaxe fürs Getriebe

Nein, ich will nicht zum Zahnarzt!

ZF-Getriebe, Eingang Foto: Arturo Rivas 11 Bilder

Aua. Zahnweh ist übel. Dennoch drücken wir uns vor dem Arztbesuch - aus Angst vor Schmerzen. Wenn beim Auto die Zähne, sprich das Getriebe, ein Problem verursachen, sorgt das vor allem für schmerzhafte Einschläge auf dem Konto. Wer Vorsorge trifft, ist besser dran.

27.12.2011 Anna Matuschek Powered by

Der Redaktions-Sharan unserer Schwesternzeitschrift Autostarßenverkehr war in den vergangenen Wochen nicht der Beliebteste im Fuhrpark. Immer öfter hing der Schlüssel verstaubt am Testwagenbrett. "Pass auf mit dem Getriebe, das macht komische Geräusche", warnt mich ein Kollege vor der letzten Fahrt. Tatsächlich, der Van macht brrrrr….brrrrr…., immer wenn man während der Fahrt auf die Kupplung tritt. Dazu kommt ein kurzes, schlagartiges Haken beim Anfahren. Beängstigend. Kann ja nur das Getriebe sein, resümieren wir gemeinschaftlich.

Jeder Autofahrer sollte gelegentlich lieber einmal der Mechanik des Autos anstatt der Musik aus dem Radio lauschen, denn bei einer gängigen Inspektion in der Werkstatt wird maximal das Getriebeöl kontrolliert. Um uns die knapp 4.000 Euro für ein Wechselgetriebe bei VW zu sparen, machen wir uns auf die Reise zu ZF nach Dortmund.

Wer zu lange hadert, riskiert einen Getriebeschaden

Auf der Probefahrt steht das erste Urteil schnell fest: Das "Brrrrr" könnte vom Zweimassenschwungrad, einem Bauteil der Kupplung, kommen. Damit lässt sich leben, denn hierbei handelt es sich um ein Verschleißteil. Je nach Fahrstil hält die Konstruktion, die den Kraftfluss zwischen Motor und Getriebe während des Schaltvorgangs unterbricht, bis zu 150.000 Kilometer. Der Preis von 258 Euro (ohne Einbau) für ein Sachs-Kupplungs-Kit ist noch zu verschmerzen, allerdings muss dazu die Getriebeglocke ab, bei vielen Autos sogar das komplette Aggregat ausgebaut werden. Das ist teuer. Doch spätestens wenn sich die Gänge nicht mehr einlegen lassen, kommt man um den Wechsel nicht herum. Wer zu lange hadert, riskiert zudem einen Getriebeschaden.

Nach dem Ausbau der Kupplung wird klar: Der VW Sharan hat durch regelmäßiges Schleifenlassen des linken Pedals Schaden genommen, die Scheibe ist blau angelaufen. Ob die Zähne auf den Wellen im Inneren des Fünfgangschalters bereits "gefressen" haben, können Frank Jaeger und seine Kollegen nur am ausgebauten Teil feststellen. Drei Stunden dauert die aufwendige Demontage, wobei es hier enorme Unterschiede gibt. "Bei manchen Fahrzeugen muss das halbe Auto zerlegt werden, bei anderen geht es ruckzuck", erklärt uns Getriebemonteur Jaeger.

Unverständnis zeigt er für unsachgemäßen Gebrauch von Autos. "Wer ein zwei Tonnen schweres Auto nur in der Stadt bewegt, sollte sich nicht wundern, wenn das Getriebe schlapp macht. Die Belastung ist viel zu hoch, denn der Wagen wurde für zügige Autobahnfahrten konstruiert." Zudem empfiehlt er, lieber in einem etwas höheren Drehzahlbereich zu fahren als untertourig. Damit wird die Belastung auf das Getriebe reduziert, allerdings steigt der Kraftstoffverbrauch.

Frische Verzahnung fürs Sharan-Getriebe

Üblicherweise sind als Erstes die Lager verschlissen oder die Verzahnungen auf den einzelnen Rädern abgehobelt. Wir bangen, als Jaeger die Getriebeglocke abnimmt. Mit geübtem Finger prüft er den Sitz der Kugellager. Alles okay. Kaum Verschleiß und damit auch kein Grund für eine teure Überholung. Allerdings stößt er auf ein anderes Problem: Die Verzahnung an der Antriebswelle ist definitiv hinüber. "10.000 Kilometer maximal noch, dann ist Schluss", prophezeit er. Und dann? Dann ist der Kraftfluss vom Getriebe zu den Rädern nicht mehr vorhanden und damit Stillstand garantiert. Zudem würde das Wechselgetriebe Schaden erleiden. Dieses dient dazu, die Kraft der Räder in Kurvenfahrten auszugleichen. Ansonsten würden sich die Reifen identisch schnell drehen, man könnte nur geradeaus fahren. 310 Euro kostet das Ersatzteil.

Damit ist auch das Geheimnis um das Knacken beim Anfahren gelöst. Die frische Verzahnung hat kein Spiel mehr – ein gutes Gefühl. Nach dem Reinigen des Getriebes wird es wieder mit dem Motor verbunden und mit frischem Öl befüllt. "Schalter sind im Großen und Ganzen sehr robust. Eine Automatik ist weit anfälliger. Da reicht schon ein kleiner Span im Öl, um alles lahmzulegen", erklärt der Fachmann. Fahrern von Automatikautos rät er, den Wählhebel bei kurzen Ampelpausen und im Stop-and-go auf "D" stehen zu lassen, damit die Kupplung nicht so viel arbeiten muss. Die Lebenserwartung soll so um bis zu 20 Prozent steigen.

Zudem sollte ein "Kickdown", der kräftige Tritt auf das Pedal, bei dem das Getriebe automatisch zwei Gänge runterschaltet, vermieden werden. Unser Schalt-Sharan tritt jetzt frisch verarztet ohne Wackeln an, aber leider ist das "Brrrr" immer noch nicht behoben. "Das muss aus dem Motor kommen, das Getriebe ist auf jeden Fall fit", versichert Jaeger. Hoffentlich ist die Probefahrt beim Motorenspezialisten ebenso kostenfrei wie bei ZF, ansonsten kommt in der Redaktion schnell Zähneknirschen auf.

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