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Prototyp auf Basis des VW Bus T3

Der irre Rallye-Bus

VW Bus T3 Rallye, Frontansicht Foto: Sabine Hofmann 14 Bilder

Rohrrahmen, 280-PS-Mittelmotor, Allrad und Kohlefaser-Karosserie: So einen Bully hat die Welt noch nicht gesehen. Ausfahrt im Rallye-Bus von "Syncro-Bernd" Jäger.

22.01.2014 Claus Mühlberger

Eine einschlägige akademische Ausbildung gibt nicht zwingend auch den späteren Beruf vor. So wirkt zum Beispiel eine Physikerin, Angela Merkel, als Bundeskanzlerin. Und Bernd Jäger, 55, Sozialpädagoge mit Prädikatsexamen, wurde zum Erfinder, Baumeister und Fahrer eines extravaganten Autos für Offroad-Rallyes.

VW T3 Rallye-Bus mit VR6-Motor aus dem Passat

Der VW Bus vom Typ T3, den der in der Bully-Szene als "Syncro-Bernd" bekannte Bus-Spezialist auf die grobstolligen Räder stellte, hat mit dem braven, bis 1992 hergestellten Heckmotor-Bus technisch fast nichts mehr gemeinsam. Statt des nach heutigen Maßstäben eher schmalbrüstigen Wasserboxers werkelt nun zum Beispiel ein kräftiger, in der Wagenmitte installierter VR6-Motor, Leihgabe aus dem VW Passat.

280 PS aus 3,6 Litern Hubraum – das schreit förmlich nach einem Allradantrieb. Syncro gab’s zwar damals schon als Option für den VW T3 Bus. Das 4WD-System von Jägers Prototyp hat damit allerdings nichts zu tun. "Die Differenziale stammen zum Beispiel von einem Ford Cosworth, die Antriebswellen habe ich eigens bauen lassen", erklärt der studierte Sozialpädagoge und stürzt sich voller Begeisterung gleich auf die technischen Details: "Bei den hinteren Wellen haben wir innen und außen 128er-Rallyesportgelenke verwendet, vorne auf der inneren Seite jeweils auch 128er-Gelenke und außen die Gelenke vom serienmäßigen VW Bus 4Motion T5."

Aha. Nach diesen Ausführungen glaubt man Jäger sofort, wenn er sagt: "Die Allradtechnik zu konstruieren und im Auto unterzubringen, war die größte Herausforderung an diesem Projekt."

Motor im sitzt dort, wo Platz war

Jäger näherte sich dem Projekt VW T3 Rallye-Bus mit großem Pragmatismus. "Zunächst waren nur die Radaufhängungen festgelegt. Und natürlich das Kastenprofil des Aufbaus. Dann kamen das Getriebe und die Differenziale hinzu. Salopp gesagt, habe ich den Motor dort eingebaut, wo Platz war. Das Auto ist praktisch um den Allradantrieb herum konstruiert worden." Von der Handwerkskunst des Käfigherstellers ist Jäger, der sein Geld mit einer Spezialwerkstatt für historische VW Busse verdient, restlos begeistert: "Ein Kunstwerk, tolle Schweißnähte und klasse Verarbeitung."

Der postgelbe Renner sieht dem so treuherzig dreinblickenden VW-Serien-T3 verblüffend ähnlich. Klar, denn wichtige Maße wie Länge und Radstand wurden beibehalten. Lediglich in der Breite legte der VW T3 Rallye-Bus ein bisschen zu, das allerdings nur in Form von dezenten Kotflügelverbreiterungen.

Vom ursprünglichen Material der Karosserie – Stahlbech – blieb aber nicht arg viel übrig: Türen, Seitenteile und Heckklappe sind nun aus federleichter Kohlefaser. "Im Winter will ich weitere CFK-Teile einbauen", sagt Jäger. "Ich denke an das Dach oder die Hutze für den Kühllufteinlass. So spare ich bestimmt nochmals 100 Kilo ein." Aktuell bringt der Rallye-T3 rund zwei Tonnen auf die Waage, startfertig versteht sich, also bemannt mit zwei Personen und mit wohlgefülltem 170-Liter-Benzintank.

Lenkrad wie im Reisebus

Fertigmachen zur Probefahrt. Erste Hürde: Der Weg ins Cockpit wird versperrt durch die gekreuzten Rohre des Sicherheitskäfigs. Um den Fahrersitz unfallfrei zu erklimmen, sind Grundkenntnisse in Origami, der japanischen Kunst des Faltens, sehr nützlich. Glücklich angekommen im Schalensitz, folgt die nächste Überraschung: das Lenkrad. Serie! Original 70er-Jahre, Hartplastik!

Und dann erst die Position des Volants. So flach wie bei einem Reisebus. Oder eben beim VW T3 von anno dunnemals. Ergonomisch höchst fragwürdig. Fragender Blick zu Bernd Jäger auf dem Kopilotensitz: "Hab’ ich absichtlich so gelassen", sagt er. "Wenn ich Bus fahre, will ich doch das Bus-Feeling haben." Ok, Zündschlüssel drehen. Es ertönt schmetternder Wohlklang. Nur rudimentär schallgedämpft, kann der VR6 seine musikalischen Fähigkeiten voll ausleben. Und er zeigt beachtliches Talent als durchzugsmächtiger Partner des sequenziellen Fünfgang-Getriebes.

Alles funktioniert bei diesem Prototyp wie gewünscht: Der VR6 hängt gierig hechelnd am Gas und schiebt den VW T3 Rallye-Bus mächtig vorwärts. Die Bremse beißt herzhaft zu. Die Lenkung lenkt, wenngleich etwas indirekt. Dank Allrad ist Traktion natürlich kein Thema. Eine positive Überraschung: 28 Zentimeter Federweg machen den Rallye-Bus auch bei groben Schlaglöchern zur Sänfte, und sie wirken als vertrauensbildende Maßnahme. Denn trotz dieser Geschmeidigkeit wirkt er agil und keineswegs schunkelig.

VW T3 Rallye-Bus trägt spezielle Sponsoren-Aufkleber

Jedes anständige Rennauto fährt Sponsoren-Aufkleber spazieren. Jägers Bus macht da keine Ausnahme – jedoch auf sehr spezielle Art. "Geist ist geil", steht auf einem Sticker. "Deutsche raus aus Afghanistan", wird auf einem anderen gefordert. "Im Grunde bin ich grüner als die Grünen", sagt Jäger.

Grüne Gesinnung und Rallye fahren – ist das nicht so, als wenn ein Vegetarier plötzlich ’ne fette Schweinshaxe verzehrt? "Wahrscheinlich würden sie mich rausschmeißen, wenn sie wüssten, was ich für ein Auto fahre", sagt Jäger. "Aber ein bisschen Spaß sollte doch jeder haben dürfen, oder?"

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Dieser Artikel stammt aus diesem Heft
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