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PSA-Chef Carlos Tavares im Interview

Audi ist Vorbild für Marke DS

Interview Carlos Tavares Foto: Stefan Baldauf 15 Bilder

Der PSA-Chef über die Folgen des VW-Skandals, Probleme in Deutschland, und darüber, warum er bereit ist, sich 30 Jahre Zeit für den Aufbau der neuen Marke DS zu nehmen.

26.11.2015 Jens Katemann
Sie haben sich entschieden, aus der Citroën-Submarke DS eine komplett eigenständige zu machen. Eine neue Marke aufzubauen braucht aber sehr lange Zeit und kostet sehr viel Geld. Was ist Ihre Strategie?

Tavares: Es stimmt, es dauert lange, eine Premium-Marke aufzubauen. Audi hat 30 Jahre gebraucht, sie haben einen super Job gemacht.

Aber Sie wollen doch wohl nicht 30 Jahre warten, oder?

Tavares: Doch, werde ich. Wenn es 30 Jahre dauert, dann dauert es halt 30 Jahre. Das Gute an DS ist, es ist schon heute eine profitable Marke. Wir nehmen uns die Zeit für die richtigen Produkte und bauen langsam ein Händlernetz auf, das den Ansprüchen von Premium-Kunden gerecht wird. Audi ist unser Vorbild für den Aufbau der Marke DS. Sozusagen unser Lehrbeispiel.

Audi hat sich sein Image allerdings mit vielen neuen Technologien aufgebaut. Bei DS ist der Unterschied zu den anderen Marken des Konzerns noch nicht so sichtbar. Wie wollen Sie das ändern?

Tavares: DS ist die einzige Premium-Marke mit voller Konnektivität in allen ihren Modellen. Ich glaube, mit so etwas kann man sich heute besser differenzieren als mit irgendeinem neuen Allradsystem, um nur ein Beispiel zu nennen. DS strahlt französischen Luxus aus, etwa beim Design und bei den ausgewählten Materialien. Das macht die Marke einzigartig. Ihre Frage impliziert für mich übrigens, dass wir uns mit den deutschen Premium-Marken messen wollen. Aber das wollen wir gar nicht.

Müssen Sie das nicht? Schließlich dominieren Audi, BMW und Mercedes den weltweiten Markt für Premium-Automobile.

Tavares: Die Deutschen fokussieren sich bei ihren Autos stark auf die Ingenieursleistung – wir mehr auf Design, die Auswahl von Materialien, das Lebensgefühl in einem Auto. Technologien sind doch in allen Autos recht vergleichbar, und selbst wenn man etwas als erste Marke hat, ziehen andere ganz schnell nach. Für mich ist es deshalb mehr die Sinfonie eines Autos, das Arrangement von Technik, die den Unterschied machen und zukünftig den eigenen Status ausdrücken.

Macht Sie die Debatte um den Stickoxidausstoß von Fahrzeugen nach dem VW-Skandal eigentlich nervös? Können Sie garantieren, dass PSA sauber ist?

Tavares: PSA Peugeot Citroën respektiert die Verfahren der Zulassungsprüfungen in allen Ländern, in denen wir agieren. Unsere Fahrzeuge wurden nie mit einer Software oder einem System ausgestattet, um den Motor in einen saubereren Modus während eines Abgastests zu setzen beziehungsweise eine Stickoxidbehandlung zu aktivieren, die dann bei realen Fahrbedingungen abgeschaltet würde.

Hat der VW-Skandal für Sie einen nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung des Dieselmotors und dessen Absatz in Europa?

Tavares: Ein Skandal von dieser Größe stellt die ganze Branche infrage. Das Risiko besteht darin, dass alle Dieselmotoren in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit diskreditiert werden, trotz des bewiesenen Vorteils der Technologie hinsichtlich des CO2-Ausstoßes.

Im Hinblick auf Umweltfreundlichkeit könnten Sie sich auch positionieren, denn Ihr Flottenverbrauch ist ausgesprochen niedrig.

Tavares: Stimmt, beim CO2-Ausstoß haben wir die niedrigsten Werte in Europa. Deshalb macht uns die ganze Diskussion um die CO2-Ziele auch nicht nervös.

Macht der niedrige Flottenverbrauch von PSA das Unternehmen nicht für andere Autohersteller interessant? Wollen Sie das Unternehmen trotzdem eigenständig halten?

Tavares: Das hängt von den Alternativen ab. Wir haben eine starke Entwicklungsabteilung und in allen Kooperationen mit anderen Herstellern wie Opel, Toyota oder Fiat immer einen guten Beitrag zum Erfolg geliefert. Wir können unabhängig so weitermachen, müssen es aber nicht.

Wenn Sergio Marchionne, der Chef von Fiat Chrysler (FCA), also morgen anrufen würde, wären Sie gesprächsbereit?

Tavares: Ich rede mit jedem. Der entscheidende Punkt dabei ist: Wenn ich mit jemandem spreche, will ich in guter Form sein.

Weil man sich dann nicht unter Wert verkaufen muss?

Tavares: Korrekt.

Sprechen Sie aktuell mit jemandem?

Tavares: Nicht mit einem speziell.

PSA scheint aber in guter Form zu sein. Die Halbjahreszahlen von PSA waren jedenfalls nach längerer Zeit wieder einmal positiv. Wird das Gesamtjahr auch so erfreulich?

Tavares: Zunächst haben wir uns sehr darüber gefreut, dass die viele Arbeit, die alle im Unternehmen in den vergangenen Monaten geleistet haben, sich nun auch in den Zahlen niederschlägt. Wichtig ist, dass wir jetzt fokussiert bleiben, denn einige Marktbegebenheiten, die uns im ersten Halbjahr Rückenwind gegeben haben, werden im zweiten Halbjahr eher für Gegenwind sorgen.

Welche sind das?

Tavares: Da wären zum einen Währungsschwankungen in einigen Wachstumsmärkten, aber auch der stagnierende chinesische Markt. Ich erwarte aber, dass wir trotzdem Ende des Jahres so gut dastehen wie nach dem ersten Halbjahr. Ziel ist es, sagen zu können: Wir haben unseren Turnaround-Plan durchgezogen und es geschafft.

Was geschafft? Schwarze Zahlen?

Tavares: Nein, das würde mir nicht reichen. Es geht bei unserem Plan nicht darum, nur wieder profitabel zu sein. Wir sind bei der Umsatzrendite mit fünf Prozent wieder auf dem Niveau unserer Wettbewerber und nicht mehr am Ende des Feldes. Das ist entscheidend für die Zukunftsfähigkeit von PSA.

Mit welchen Stückzahlen rechnen Sie für 2015?

Tavares: Wir werden in etwa so viele Autos verkaufen wie im Vorjahr.

In Deutschland läuft es ja nicht so gut. Was glauben Sie, woran liegt es, dass sich die französischen Marken in Deutschland so schwer tun?

Tavares: Das müssen Sie die deutschen Konsumenten fragen. Dass wir keine befriedigenden Ergebnisse in Deutschland haben, liegt offenbar daran, dass wir die deutschen Kunden nicht so gut von unseren Produkten überzeugen wie die spanischen, französischen, österreichischen oder niederländischen. Unsere Autos haben eine gute Qualität, Performance und ein attraktives Preisniveau, trotzdem funktioniert es nicht. Daran müssen wir dringend arbeiten.

Ist das nicht eine Vertrauensfrage? Die zuletzt vorgestellten Modelle waren in den Tests von auto motor und sport deutlich besser als früher, aber das Grundvertrauen in die Marken scheint nicht da zu sein.

Tavares: Da gebe ich Ihnen Recht, aber das dauert einfach seine Zeit. Ich glaube, wir müssen nicht nur an unserem Image, sondern vor allem am Händlernetz in Deutschland arbeiten. Das ist nicht in allen Regionen gut aufgestellt und insgesamt viel zu ineffizient. Was nützt uns Imagewerbung, wenn wir vor dem Kunden im Autohaus keine gute Figur abgeben?Müssen Sie nicht wieder stärker den französischen Stil in den Vordergrund stellen? Den Kunden erklären, was französische Autos so einzigartig macht?Tavares: Wir müssen vor allem sicherstellen, dass das nicht der Hauptpunkt unserer Probleme ist. Der Kunde sucht doch ein Auto, bei dem Komfort, Fahrleistungen, Effizienz, Sicherheit und moderne Konnektivität stimmen und das zu einem wettbewerbsfähigen Preis. Wenn der Grund, einen Peugeot oder Citroën nicht zu kaufen, das Herkunftsland Frankreich ist, dann müssen wir unsere Kommunikation verbessern. Der neue 308 ist wirklich ein sehr gutes Auto geworden und er verkauft sich überall in Europa gut. Nur in Deutschland nicht. Ist es normal, dass wir in Spanien 16 Prozent Marktanteil haben, in Deutschland dagegen nur 3,5? Ehrlich gesagt, ich möchte das nicht als normal akzeptieren. Wir müssen in Deutschland besser werden.

Was halten Sie eigentlich vom autonomen Fahren, und wann wird diese Technologie in PSA-Modellen erhältlich sein?

Tavares: Autonomes Fahren bietet uns die Chance, unseren Kunden etwas sehr Wertvolles zurückzugeben, nämlich Zeit. Davon haben wir ja alle zu wenig. Wir werden das ab 2020 in unseren Autos anbieten.

Vita Carlos Tavares

Geboren 14.8.1948 in Portugal

1981 bis 2004 In diversen Positionen bei Renault tätig

2004 bis 2011 Wechsel zu Nissan als Executive Vice President und Nordamerika-Chef

2011 bis 2013 Vize-Chef Renault

Seit 31. März 2014 Chef von PSA Peugeot Citroën

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