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PSA-Chef Philippe Varin im Interview

"Wir machen zwei Modelle mit GM"

Philippe Varin Foto: Dino Eisele

Philippe Varin, Chef von Peugeot-Citroën (PSA), spricht im Interview mit auto motor und sport über die Allianz mit General Motors (GM), die  Motorenkooperation mit BMW und wie er seine Marken höher positionieren will.

19.09.2013 Jens Katemann, Jens Dralle
PSA hat eine schwere Zeit mit finanziellen Problemen hinter sich. Wie weit sind Sie im Restrukturierungsprozess?

Varin: Die Strategie hat mehrere Bausteine. Und jeder Baustein ist wichtig, ob es die Maßnahmen zur Kostensenkung oder die Internationalisierungsstrategie sind. Klar ist auch: Wir müssen es schaffen, unsere Marken höher zu positionieren. Wenn unsere Autos nur durchschnittlich sind, haben wir in diesem, besonders in Europa harten Wettbewerbsumfeld keine Chance. Mit dem Peugeot 308 ist uns da bereits ein sehr großer Schritt gelungen, er hat ja auch in Ihrem Test ein sehr gutes Ergebnis erzielt. Gleichzeitig gehen wir durch einen zugegeben schmerzlichen Prozess der Restrukturierung, der uns auch auf der Kostenseite wieder wettbewerbsfähig und PSA damit profitabel machen wird.

Wann wird die Restrukturierung abgeschlossen sein?

Varin: Wir sind absolut im Plan und rechnen damit, Mitte 2014 alle Maßnahmen zur Kostensenkung umgesetzt zu haben. Wir sind darüber hinaus in Verhandlungen mit den Gewerkschaften. Vor zehn Jahren waren Sie in Deutschland mitten in der Debatte um die Hartz-Reformen. Wir befinden uns in Frankreich aktuell in einer ähnlichen Situation.

Doch mit Kostensenkungen ist es nicht getan. Muss PSA nicht globaler werden?

Varin: Völlig richtig. Wir müssen uns globaler aufstellen, und das tun wir. 2009 verkaufte PSA lediglich ein Drittel seiner Autos außerhalb Europas, im ersten Halbjahr 2013 waren es 41 Prozent, und 2015 werden es 50 Prozent sein.

Einen Schritt zu einer höheren Positionierung haben Sie bei Citroën mit der DS-Linie gemacht. Wie hoch ist der Anteil der DS-Modelle am Gesamtabsatz?

Varin: Knapp 20 Prozent des Citroën-Absatzes entfällt auf die DS-Modelle. Das ist für uns ein sehr großer Erfolg. Und wir glauben, dass es weitergeht. Wir sind gerade dabei, DS als Marke in China einzuführen.

Auf der IAA in Frankfurt haben Sie die Serienversion des Citroën C4 Grand Picasso gezeigt. Was sind die wesentlichen Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger?

Varin: Ich denke, uns ist in puncto Design ein großer Wurf gelungen. Dazu kommen handfeste Verbesserungen wie eine Gewichtsreduzierung um 140 Kilogramm im Vergleich zum Vorgänger. Der C4 Picasso durchbricht so die Grenze von 100 g CO2/km nach unten – ein wie ich finde sehr beachtlicher Wert in diesem Segment.

Brauchen Sie wie Renault eine Billigmarke oder zumindest ein Low-Cost-Auto?

Varin: Wissen Sie, der europäische Markt ist so stark umkämpft, dass man sich auf seine Stärken konzentrieren muss. Unsere Stärke resultiert aus hervorragenden Ingenieuren und einer qualitativ hochwertigen Produktion. Dazu passt keine Billigauto-Strategie.

Und damit werden Sie 2014 wieder profitabel?

Varin: Wir haben keine festen Leitlinien zur Profitabilität. Wir hatten ein hartes letztes Jahr, und wir erwarten 2014 eine Verbesserung des operatives Geschäfts. Die Restrukturierung und die Einspareffekte aus der Zusammenarbeit mit General Motors (GM) werden Wirkung zeigen. Aber die Höherpositionierung der Marken braucht ihre Zeit.

Haben Sie genug Geld, um diese Zeit zu überbrücken?

Varin: Ende Juni dieses Jahres hatten wir eine finanzielle Sicherheit von 11,8 Milliarden Euro. Da droht also keine Gefahr.

Haben sich denn die Einnahmen pro Auto erhöht? Das wäre ja ein erstes Signal, dass Ihre Höherpositionierung Früchte trägt.

Varin: Die Einnahmen pro Auto haben sich seit drei Jahren um 1.000 Euro erhöht. Dass wir Potenzial in Richtung Premium haben, sehen Sie auch an den Einbauraten des für den Kunden vergleichsweise teuren Diesel-Hybrids. Beim Citroën DS5 werden 30 Prozent der Autos mit Diesel-Hybrid ausgeliefert, beim Peugeot 508 sind es 20 Prozent.

Was bringt Ihnen die Allianz mit General Motors?

Varin: Wir sind auf dem richtigen Weg, eine Milliarde US-Dollar Kostenreduzierung für den Konzern zu erreichen. Im ersten Jahr haben wir nur durch den gemeinsamen Einkauf bereits 60 Millionen Euro gespart. Und wir haben erst im Februar angefangen.

Doch es bleibt nicht nur beim Einkauf, richtig?

Varin: Wir haben darüber hinaus vereinbart, zwei Modelle gemeinsam zu machen. Da reden wir über einen Van der Größe eines Opel Meriva oder C3 Picasso, der auf einer PSA-Architektur basieren wird. Und einen Crossover von der Größe eines 3008, der ebenfalls auf unserer Plattform stehen wird. Außerdem wollen wir gemeinsam kleine Motoren entwickeln.

Die Motorenkooperation mit BMW wird beendet?

Varin: Erst einmal nicht. Wir entwickeln gemeinsam die Version 6.1 des EP Motors. Wir haben noch keine Entscheidung über 2017 hinaus angekündigt. Nächstes Jahr werden wir uns über eine Verlängerung unterhalten, aber unsere Entscheidung muss die Euro 7-Abgasgesetzgebung berücksichtigen.

Werden Sie mit Toyota weiter gemeinsam die Kleinwagen Toyota Aygo, Citroën C1 und Peugeot 107 bauen?

Varin: Ja, die nächste Generation wird wieder gemeinsam entwickelt und in Tschechien produziert.

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