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Rabattschlacht USA

Kunden hart umkämpft

Foto: GM

Die Rabattschlacht auf dem wichtigsten Automarkt der Welt wird immer härter. In den USA erhielt im Juli jeder Käufer für einen Neuwagen im Schnitt Kaufanreize von 3.090 US-Dollar (2.517 Euro), zwei Prozent mehr als noch vor einem Jahr.

12.08.2004

Das geht aus einer Studie des amerikanischen Marktforschungsinstituts Autodata hervor. Auch europäische und asiatische Autokonzerne sind bereit, einen Teil ihrer Margen für neue Kunden zu opfern. Die Rabatte der Europäer schnellten im Vorjahresvergleich um 18,4 Prozent auf 2.783 Dollar in die Höhe.

Geködert mit attraktiven Leasing-Angeboten, Sonderausstattungen oder Cash werden die Amerikaner nicht so sehr bei Pkw, sondern vor allem bei den beliebten Pickup Trucks und Geländewagen SUVs (Sport Utility Vehicles). "Das ganze Segment hat unglaubliche Rabattraten erreicht", sagt ein Chrysler-Manager.

Die Anreize zeigen Wirkung. Per Juli hatte sich der US-Automarkt mit einem bereinigten Absatz von 17,3 (Vorjahr 16,95) Millionen Fahrzeugen vom Juni-Einbruch weitgehend erholt gezeigt. Zu den Juli- Gewinnern zählten Chrysler (Absatz plus 6,3 Prozent), Toyota (plus 18) und allen voran Nissan (plus 36), während GM (plus 0,3) und Ford (minus 3,9) einmal mehr ausgebremst wurden.

Europäische Autobauer unter dem Durchschnitt

Die europäischen Autoschmieden liegen aber noch immer deutlich unter dem Rabattniveau ihrer US-Konkurrenten, die ihren Kunden durchschnittlich 4.088 Dollar erlassen. Besonders tief greift derzeit Ford in die Tasche, um der Absatzschwäche zu begegnen. Die Detroiter erhöhten die Angebote im Juli um fünf Prozent auf 3.872 Dollar, denken aber über neue Marketingstrategien nach. Bei einigen neuen Modellen soll jetzt der Einstiegspreis drastisch gesenkt werden.

Noch spendierfreudiger ist der Erzrivale General Motors (GM), der im Juli seine Rabatte über alle Modelle gerechnet um 2,2 Prozent auf den höchsten Branchenwert von 4.347 Dollar steigerte. Vor wenigen Tagen eröffnete der weltgrößte Autokonzern dann eine neue Runde der Preisfeilscherei. Für einige 2004er-Modelle werden bis September Nachlässe bis zu 6.000 Dollar gewährt. Dies wird in der Branche als direkte Kampfansage an Ford und Chrysler verstanden. Europäer und Asiaten seien weniger betroffen, sagt ein Frankfurter Analyst.

Porsche, BMW und Co. pushen den Absatz

Chrysler-Chef Dieter Zetsche will sich von GM aber nicht provozieren lassen. Mit einem ordentlichen Halbjahresgewinn von 516 Millionen Euro im Rücken sagte der Sanierer in einem Interview, die Modelloffensive der Daimler-Chrysler-Tochter mache weitere Rabatte unnötig. Tatsächlich sank die Chrysler-Rabattsumme im Juli um 1,9 Prozent auf 3.773 Dollar. Zetsche will im zweiten Halbjahr 2004 die Anreize noch weiter zurückschrauben.

Die Vorstände der deutschen Autokonzerne BMW, Volkswagen, Daimler-Chrysler und Porsche versuchen seit jeher, das Thema US-Rabatte öffentlich auf kleiner Flamme zu kochen. Aber nach Einschätzung des Autoforschers Ferdinand Dudenhöffer können auch sie sich dem Marktdruck in Nordamerika nicht komplett entziehen. "BMW hat beim 7er Rabatte gegeben, als er in den USA nicht so gut ankam." Derzeit werde der Z4-Absatz mit Anreizen gestützt. Selbst Porsche habe amerikanische Stammkunden mit einem Jubiläumsbonus umworben. Jedoch liegt es oft im Ermessen der Händler vor Ort und nicht in dem der Hersteller, ob sie einen Teil ihrer Gewinnspanne opfern.

Starker Druck auf VW

Besonders stark unter Druck sei VW. "Nachdem sie zweistellig Marktanteile verloren haben, haben sie die Rabatte ganz schön erhöht", sagt Dudenhöffer. Bei VW werde sich der US-Absatz voraussichtlich erst 2005 mit den neuen Bora und Passat wieder erholen. Ein VW-Sprecher erklärt, die neue Preisrunde werde der Konzern nicht mitmachen: "Wir geben im Schnitt über 2.000 Dollar, das reicht." Bei Mercedes-Benz sind wie bei BMW und Porsche Cash-Anreize tabu. Ein Sprecher der Mercedes Car Group in Stuttgart betont, prinzipiell gebe es kein Bargeld. Bei Auslaufmodellen - wie in diesem Jahr die M-Klasse - seien Sondereditionen mit Extras als Zugabe aber üblich.

Die von Absatzrekorden verwöhnten Japaner kommen mit geringeren Rabatten aus. Die asiatischen Konzerne gewährten im Juli beim Kauf eines Neuwagens durchschnittlich Nachlässe von 1.498 Dollar (plus 5,3 Prozent). Nissan lag im Vormonat erstmals seit 1999 wieder über der Rabattmarke von 2.000 Dollar. Toyota, der profitabelste Autobauer der Welt, kappte dagegen seine Zugaben von 1.132 auf 907 Dollar.

Keine amerikanischen Verhältnisse in Deutschland

Rabattschlachten in der amerikanischen Dimension halten Branchenkenner in Deutschland für unwahrscheinlich - obwohl die Händler-Nachlässe seit Jahresbeginn einer Studie zufolge von zehn auf 13 Prozent je Neuwagen erhöht worden sind. "Die Amerikaner sind bei dem Thema viel offener als die Europäer und kaufen aus dem Bauch heraus", sagt Dudenhöffer, der als Professor an der FH Gelsenkirchen tätig ist.

Für deutsche Autokäufer seien Leasing-Modalitäten und der Restwert wichtige Fragen bei der Kaufentscheidung. "In den USA bekommt der Käufer einen Wagen teilweise für null Anzahlung und null Zinsen. Und das Restwert-Risiko liegt auch komplett beim Hersteller. Da ist es den Leuten egal, wie viel der Wagen später noch wert ist."

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