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Räikkönen

"Mir ist egal, was andere denken"

Foto: Daniel Reinhard 47 Bilder

Starke Schwankungen der Top-Teams McLaren und Ferrari prägten bislang die Formel 1-Saison. Weltmeister Kimi Räikkönen spricht im Interview mit sportauto-online.de über die Gründe dafür, über seinen Vertragspoker und warum er das Fahren heute mehr genießt als früher.

25.07.2008 Michael Schmidt Powered by

Warum gibt es soviel Auf und Ab?
Räikkönen: Das hängt von den Rennstrecken ab. Die eine passt uns besser, die andere McLaren. Das war im letzten Jahr aber noch viel ausgeprägter. In diesem Jahr gab es für uns keine Strecke mehr, auf der wir total daneben lagen.

Ihr Problem ist es manchmal, die Reifen für die Qualifikationsrunde aufzuwärmen. Ist das schwieriger als im letzten Jahr?
Räikkönen: Viel hängt von der Streckencharakteristik, der Asphaltbeschaffenheit, der Außentemperatur und der verwendeten Gummimischung ab. Unter bestimmten Bedingungen tut sich McLaren leichter damit, die Reifen auf Temperatur zu bringen. Deshalb holen sie in der ersten Runde auch öfter als wir das Maximum aus dem Reifen. Dafür zahlen sie dann manchmal auch den Preis im Rennen, weil ihre Reifen schneller abbauen. Das gleicht sich aus. Am liebsten hätte man natürlich ein Auto, das beides kann, den Reifen schnell aufwärmen, ihn im Rennen aber zu schonen. Das geht aber nicht. Man muss sich für eines entscheiden, seitdem man die Abstimmung des Autos zwischen der Qualifikation und dem Rennen nicht mehr ändern darf.

Es sind aber auch große Schwankungen von einem Qualifikationsversuch zum nächsten zu beobachten.
Räikkönen: Die Reifen können von einem Satz zum nächsten sehr unterschiedlich sein, auch wenn man am Auto gar nichts ändert. Vor zwei Jahren, als wir noch einen Reifenkrieg hatten, gab es diese Qualitätsschwankungen nicht. Mit den Einheitsreifen schaut Bridgestone logischerweise auf die Kosten. Das wirkt sich auch auf die Produktionsprozesse aus. Die Unterschiede von Reifensatz zu Reifensatz machen es so schwierig, eine gute Trainingsrunde hinzukriegen. Du weißt nie, was dich erwartet.

Wie schwierig ist der Aufwärmprozess?
Räikkönen: Sehr schwierig, vor allem, wenn du ohnehin schon Schwierigkeiten hast, Temperatur in die Reifen zu kriegen. Auf einigen Strecken gibt es vor der Ziellinie nur langsame Kurven, wo es praktisch unmöglich ist, den Reifen zu belasten. Oder du hast das Pech, dass vor dir einer langsam fährt, weil er Platz zum Vordermann schaffen will. Du kannst dann in diesen entscheidenden Kurven nicht das Tempo fahren, das für das Reifenaufwärmen nötig wäre. Da gehst du dann mit zu kalten Reifen in die ersten zwei Kurven deiner Qualifikationsrunde. Es ist extrem schwierig für das Team, dich so rauszuschicken, dass du auf der Aufwärmrunde nicht in Verkehr läufst.

Wie wichtig ist es für Sie, dass Ferrari Ihnen viel Freiraum lässt.
Räikkönen: Das ist mir sehr wichtig und war auch einer der Gründe, warum ich McLaren vor zwei Jahren verlassen habe. Mit den Leuten im Team bin ich gut ausgekommen, aber es gab ein, zwei Vorfälle, die mir nicht gefallen haben.

Würden Sie anders leben, wenn Sie kein Rennfahrer wären?
Räikkönen: Keine Spur. Ich mache, was ich will. Einigen Leuten gefällt das, anderen nicht. Mir ist egal, was andere darüber denken. Ich kümmere mich ja auch nicht darum, was andere tun.

Könnten Sie sich ein Leben ohne Formel 1 vorstellen?
Räikkönen: Ich würde in ein anderen Rennserie fahren. Vielleicht Rallye. Ich habe mein ganzes Leben im Motorsport verbracht. Der Gedanke, etwas anderes zu tun, kam mir nie.

Wann haben Sie zum ersten Mal daran geglaubt, dass Sie es bis in die Formel 1 schaffen können?
Räikkönen: Nicht bevor ich 18 Jahre alt war, nach England gegangen bin und die richtigen Leute getroffen habe, die mir weiterhelfen konnten. In meiner Kartzeit habe ich nicht mal von der Formel 1 geträumt. Wir hatten ja kein Geld.

Welchen Rat würden Sie Kartpiloten geben?
Räikkönen: Ich bin kein guter Ratgeber. Das wichtigste ist es, Leute zu finden, die Kontakte haben und dein Talent fördern. Der Rest ist Glück. Du musst zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Ist es eine Stärke von Ihnen, dass Sie locker an ihren Job herangehen?
Räikkönen: Ich will mir keine Sorgen machen, einfach ein ganz normales Leben führen. Bis jetzt hat mir der Erfolg Recht gegeben. Für mich funktioniert dieses Modell. Ich versuche immer positiv zu denken. Nach dem Rennen in Silverstone oder Magny-Cours hätte ich mich über verpasste Chancen ärgern können. Das bringt nichts. Ich sage mir lieber: Wenigstens hast du noch ein paar Punkte geholt. Es hätte schlimmer kommen können.

Ihre Kollegen machen manchmal den Eindruck, als würden sie 24 Stunden an Ihren Job denken.
Räikkönen: Das halte ich für eine Erfindung. Jeder von uns ist froh, dass er mal an etwas anderes denken kann, wenn er aus dem Fahrerlager raus ist. Es wäre kontraproduktiv, dauernd über seinen Job nachzudenken. Der Unterschied zwischen anderen Fahrern und mir ist vielleicht der, dass ich im Winter nicht allzu viel testen will. Da mache ich bewusst Dinge, die nichts mit meinem Beruf zu tun haben. Ich brauche das. Wenn ich den Rennsport nicht mal für eine gewisse Zeit vergessen könnte, würde ich das Interesse daran verlieren.

Was ist das Schlimmste an Ihrem Job?
Räikkönen: Wenn ich wählen könnte, würde ich meinen Job nur auf das Rennfahren konzentrieren. Ich bin aber lange genug in dem Geschäft um zu wissen, dass die ganzen Nebengeräusche wichtig sind.

Haben Sie heute mehr Spaß als vor zwei Jahren?
Räikkönen: Ich genieße es heute viel mehr. Ferrari kümmert sich perfekt um mich. Sie wissen, was ich mag und was nicht und sie lassen mir Platz zum Atmen.

Fernando Alonso würde gerne wissen, ob Sie nach 2009 noch fahren?
Räikkönen: Ich habe Zeit.

Auf was warten Sie?
Räikkönen: Warum sollte ich mich beeilen. Ich habe für 2009 einen Vertrag, und den erfülle ich auch, egal was die Leute da spekulieren. Ich habe meine Verträge immer eingehalten.

Vielleicht würde Ferrari gerne wissen, was Sie nach 2009 planen?
Räikkönen: Ich glaube nicht, dass Ferrari in Eile ist. Eine Vertragsverlängerung ist nichts, was man so einfach mal schnell entscheidet. Da müssen viele Dinge in Betracht gezogen werden. Mehr will ich jetzt wirklich nicht verraten. Ich treffe meine Entscheidung, wenn die Zeit dafür reif ist.

Könnten Sie sich vorstellen mit Fernando Alonso zu fahren?
Räikkönen: Warum nicht. Ich glaube nur nicht, dass es dazu kommen wird.

Haben Sie Angst vor dem Leben danach? Mika Häkkinen wurde es zu langweilig.
Räikkönen: Mir wird nicht langweilig. Wenn ich in der Formel 1 aufhöre, werde ich bestimmt zum Spaß an anderen Rennen teilnehmen. Irgendwann will ich mal Rallyes ausprobieren. Das interessiert mich, weil man auf Asphalt, Schotter und Eis gut sein muss.

Könnten Sie es im Rallyesport auf WM-Niveau bringen?
Räikkönen: Schwer zu sagen, weil ich nie ernsthaft an einer Rallye teilgenommen habe. Auf Asphalt würde ich mich wahrscheinlich ganz ordentlich anstellen. Auf Schotter habe ich keine Erfahrung. Das schwierigste für mich wäre, nach den Ansagen des Co-Piloten zu fahren. Das bin ich nicht gewohnt.

Sind Sie schneller als Ihr Bruder Rami, der die finnische Meisterschaft fährt?
Räikkönen: Er lässt es nicht auf einen Vergleich ankommen.

Stimmt es, dass Ihnen im Auto manchmal langweilig wird?
Räikkönen: Nur wenn ich meilenweit in Führung liege, so wie letztes Jahr in Melbourne. Da denkst du dann schon einmal an andere Dinge oder spielst mit den Knöpfen am Lenkrad herum. Prompt habe ich einen Bremspunkt verschlafen. In diesem Jahr gab es solche Rennen leider noch nicht.

Liefern die aktuellen Formel 1-Autos den größten Fahrspaß?
Räikkönen: Den größten Fahrspaß hatte ich im ersten Jahr. Alles war neu für mich. Das Auto, die Rennstrecken. Von letztem Jahr zu diesem hat sich nicht viel geändert, obwohl die elektronischen Fahrhilfen fehlen. Dafür wurden die Autos besser. Dass die Traktionskontrolle nicht mehr da ist, merkst du nur in bestimmten Kurven.

Was tun Sie am liebsten: Playstation spielen, Motorradfahren, mit Freunden ausgehen?
Räikkönen: Motorradfahren. Und hinterher mit Freunden ausgehen.

Kennen Sie Italien?
Räikkönen: Ich war in meiner Kartzeit viel in Italien, bin durch das ganze Land gereist, damals noch mit dem Auto. Aber mehr als Tankstellen, Hotels und die Rennstrecken habe ich da nicht gesehen.

Was machen Sie mit der Corvette von Sharon Stone, die Sie in Monte Carlo ersteigert haben?
Räikkönen: Ich habe das Auto noch nicht einmal. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht, wo es im Augenblick ist, ob ich es abholen muss oder ob sie es mir schicken. Es war ja kein Lustkauf, sondern nur für einen wohltätigen Zweck.

Mehr zur Formel 1 in der aktuellen Ausgabe von sport auto Ausgabe 8/2008, ab 25. Juli im Handel.

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