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Ralf Schumacher

Quo Vadis?

Foto: Daniel Reinhard

Ralf Schumacher fährt auch in Magny-Cours für Toyota. Damit erweisen sich die Auswechselgerüchte als haltlose Spekulation. Der Deutsche wird die Saison trotz seines bisher mäßigen Abschneidens zu Ende fahren. Es gibt auch keinen, der sich als sinnvoller Ersatz anböte.

27.06.2007 Michael Schmidt Powered by

Was Toyota jetzt am nötigsten braucht, ist Erfahrung im Cockpit. Darauf setzt Ralf auch bei seinen Verhandlungen für die kommende Saison. Der sechsfache GP-Sieger sagte in einem Interview  mit sport auto: "Ich fahre 2008 zu 100 Prozent in der Formel 1." Einzelheiten nennt der 31-Jährige nicht. Zwischen den Zeilen lässt sich aber heraushören, dass Toyota seine erste Wahl ist. Wahrscheinlich auch seine einzige. Die attraktiven Cockpits sind besetzt, und ob er bei Red Bull David Coulthard ersetzen kann, ist eher fraglich. Auf Freundschaftsdienste darf Ralf da nicht hoffen. Coulthard hat bei Red Bull-Chef Dietrich Mateschitz mindestens ebenso gute Karten. Der schottische GP-Veteran ist Stammgast bei Mateschitz in Salzburg und sitzt regelmäßig auf der Tribüne von dessen Fussballclub. Coulthard hat Mateschitz bereits angedeutet: "Ich will nächste Saison für dich fahren."

Gehalt nach Leistung

Schumacher wird bei Toyota Gehaltseinbußen in Kauf nehmen müssen. Möglicherweise bietet er sich sogar auf Erfolgsbasis an. Für einen, der zuletzt 16 Millionen Dollar verdient haben soll, ist das auch kein Problem. Darauf deutet auch folgende Aussage hin: "Das Finanzielle ist nicht mehr meine Motivation, weil ich das glücklicherweise nicht mehr so nötig habe. Meine Motivation ist die, dass ich glaube, noch etwas bewegen zu können. Ich bin nicht mit dem zufrieden, was meine Karriere so hergegeben hat. Das muss besser gehen." Von wegen Amtsmüdigkeit: "Ich konzentriere mich im Moment darauf, mit dem Team nach vorne zu kommen. Die Truppe gibt sich extrem viel Mühe, auch wenn das nach außen nicht sichtbar ist, weil die Erfolge fehlen. Es ist nicht meine Art, einfach so die Saison ausklingen zu lassen und mich auf die Rente vorzubereiten."

Ralf glaubt an Toyota

Obwohl Toyota auch in diesem Jahr den Rückwärtsgang eingelegt hat, glaubt Schumacher immer noch an die Kölner Truppe. "Ich sehe nach wie vor Möglichkeiten, dass dieses Team Erfolg hat. Wir müssen nur konzentriert weiterarbeiten und dürfen uns nicht von unwichtigen Nebengeräuschen einschüchtern lassen." Erfahrung, analysiert Ralf, sei weiterhin das Manko des Rennstalls, der 2002 in der Formel 1 debütierte. "Wir fahren im sechsten Jahr gegen Teams wie Ferrari und McLaren, die ewig dabei sind. Wir müssen aufholen, Erfahrung sammeln und dann noch besser sein als die. Das bedeutet die doppelte Arbeit, und das lässt sich mit Geld auch nicht kaufen." Denen, die jetzt nach Heilsbringer wie Ross Brawn rufen, antwortet Schumacher: "Das wäre zu einfach gedacht. Gute, erfahrene Leute würden sicher helfen, aber von heute auf morgen geht es nicht. Selbst Teams wie Ferrari, McLaren und Renault gehen hin und wieder durch schwierige Zeiten. Renault war zwei Mal Weltmeister und hat jetzt Probleme."

Der Fahrer informiert, das Team muss umsetzen

Von der Theorie, dass ein Fahrer im Stile seines Bruders bei Ferrari das Ruder herumreißen könne, hält der Wahl-Salzburger gar nichts. "Der Fahrer kann das nicht, weil er das Auto nicht baut. Von dem ist er zunächst einmal abhängig. Der Fahrer muss das, was er braucht um schneller zu fahren, den Ingenieuren so gut wie möglich rüberbringen. Dann ist es Sache des Teams, das in mechanischer und aerodynamischer Form umzusetzen. Das war bei Michael und Ferrari nicht anders."

Probleme mit den Einheitsreifen

Die augenblicklichen Probleme von Ralf Schumacher haben viel mit den Einheitsreifen zu tun. "Das vordere Ende des Autos macht nicht das, was ich mir vorstelle, und das hintere ist nicht besonders stabil. Generall fehlt es an Grip." Teamkollege Jarno Trulli hat damit weniger Probleme, weil der Italiener einen anderen Fahrstil pflegt. Er bremst nicht so aggressiv in die Kurven hinein. "Mit dem Einheitsreifen kann ich nicht so spät bremsen wie ich möchte, und ich kann auch nicht in die Kurven reinbremsen. Wenn ich das mache, blockieren die Räder, und ich fahre geradeaus."

Ralf versucht sich umzustellen, was nicht einfach ist, weil es gegen seine Instinkte geht, die über die Jahre in Fleisch und Blut übergegangen sind. Deshalb verlangt er auch vom Team eine Anpassung: " Du kannst nur richtig schnell fahren, wenn du eins mit deinem Auto bist. Ich versuche natürlich anders zu bremsen, anders einzulenken, aber das ist nicht natürlich gewachsen und damit ein Kompromiss." Der Wohlfühlfaktor, so Schumacher, werde generell unterschätzt: "Wenn der Fahrer Vertrauen ins Auto hat, dann ist das gleich ein paar Zehntel wert." Die nächsten drei Strecken sollten dem Deutschen wieder mehr auf den Fahrstil geschnitten sein. In Magny-Cours, Silverstone und am Nürburgring gibt es hauptsächlich schnelle und langgezogene Kurven. Da fällt das Untersteuern nicht so ins Gewicht wie zuletzt auf den Straßenkursen von Monte Carlo und Montreal.

Ziel muss sein, endlich mal Trulli im Training zu schlagen. Noch steht das Trainingsduell 7:0 für den Italiener. Der Unterschied sei dabei gar nicht so groß, auch wenn in der Startaufstellung manchmal bis zu zehn Positionen zwischen den beiden Toyota-Piloten lagen. Die große Hürde ist für beide die erste Qualifikationsrunde. "Da entscheiden ein, zwei Zehntel über Weiterkommen und Sitzenbleiben. Die haben mir meistens auf Jarno gefehlt. Ab der zweiten Qualifikationsrunde profitiert er dann von der besseren Gummiauflage auf der Strecke. Die kommt unserem Auto zugute. Und er gewinnt immer mehr Vertrauen in das Auto, ist deshalb auch in der Lage mehr rauszuholen. Die Strecke von der ersten Quali-Sitzung ist mit der von der letzten nicht vergleichbar."

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