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Rallye Cup-Adam

Der kleine Überflieger

Rallye Cup-Adam, Seitenansicht, Flug Foto: Opel 26 Bilder

Aus dem Stand mauserte sich die Rallye-Version des Opel Adam zum Verkaufsschlager. Der ADAC Opel Rallye Cup ist das Sprungbrett für Nachwuchs-Drifter.

03.08.2014 Markus Stier Powered by

Der Mythos von der Entstehung des Menschen sieht die Sache klar: Adam war der erste, der Anfang. Und so wirkte es ein bisschen optimistisch, als Opel auf dem Pariser Autosalon 2012 ein Dutzend bunter Kleinwagen präsentierte, die den Namen Adam trugen. Prekär schien die Lage der General-Motors-Tochter, gering die Unterstützung aus Amerika. Doch dank des Adam startete Opel mit Vollgas wieder durch, und voran stürmt sein sportlichster Vertreter.

Es gab viele Überlegungen, wie sich die Marke Opel auch im Motorsport neu aufstellen kann. Die DTM und die Tourenwagen-WM waren im Gespräch. Am Ende erinnerte man sich an die gute alte Zeit, als Opel mit Walter Röhrl eine Macht im Rallye-Sport war. Nach der kurzen Rallye-Glanzzeit in den frühen Achtzigern und dem Titelgewinn in der ITC 1996 mit dem Calibra V6 war es vor allem der Breitensport, wo die gelb-schwarz-weißen Fahnen wehten. Heerscharen von Privatfahrern und Nachwuchsleuten bevölkerten die Service-Parks.

Premiere im Jahr 2013

Das Kadett C Coupé war ein schnelles und zuverlässiges Sportgerät für kleines Geld, es war die ehrliche Haut. Bodenständigkeit soll auch der Adam verkörpern, und was lag da näher, als mit dem feschen Neuling einen Markenpokal aus der Taufe zu heben.

Beim ADAC rannten die Opel-Motorsportler mit der Idee offene Türen ein. Schließlich krankt es im deutschen Rallye-Sport seit vielen Jahren an einer passenden Bühne für den Nachwuchs. Der Automobilclub in München ist der größte Förderer im Motorsport-Nachwuchs, die clubeigene Stiftung Sport unterstützt regelmäßig Talente über mehrere Jahre, zum Beispiel Hermann Gaßner junior, EM-Teilnehmer Sepp Wiegand oder Junioren-WM-Starter Christian Riedemann.

Im Premierenjahr 2013 trat der Adam-Cup im Rahmen des ADAC Opel Rallye Cup an, nach einer Neuordnung des nationalen Rallye-Sports präsentieren sich die Opel-Junioren nun auch in der Rallye-DM, dazu gibt es ein Gastspiel auf ganz großer Bühne: beim WM-Lauf im August in Trier. Schon im Vorjahr fanden sich aus dem Stand zwei Dutzend Teilnehmer, was umso bemerkenswerter ist, als nach langen Jahren ohne Nachwuchsserie mit Renault und Citroën plötzlich zwei weitere Hersteller einen Markenpokal aus der Taufe hoben. Dass sich am Ende die Mehrheit für das Opel-Programm entschied, liegt nicht nur an der Aussicht auf Förderung vom ADAC, sondern auch am Sportgerät.

Es stimmt natürlich nicht, dass die Rallye-Version des Flohs aus Rüsselsheim aus einer Rippe des Serienbruders geschnitzt wurde, vielmehr bekam der sportliche Ableger ein paar Rippen dazu. In die Rohkarosse der Standardversion ist ein solider Stahlkäfig eingeschweißt. Der Adam sollte kein Provisorium, sondern ein richtiges Rallye-Auto sein. Das beginnt mit einem einstellbaren Sportfahrwerk oder der hydraulischen Handbremse und reicht bis zum Getriebe. Im Cup-Adam schalten die Fahrer wie in den großen World Rally Cars sequenziell.

Rallye-Adam zum Kampfpreis

Opel schickt zum Missfallen der Konkurrenz sein Cup-Auto mit einem Kampfpreis von 29.500 Euro in den Markt. Aufgebaut werden die Rallye-Flöhe beim Unternehmen Holzer nahe Augsburg, das früher auch die DTM-Autos vorbereitete. Geschäftsführer Günther Holzer war als Beifahrer mit seinem Bruder Ronald selbst einst Deutscher Rallye-Meister.

Passend zum konsequent auf den Wettbewerb ausgerichteten Chassis ist auch der Motor. Mit 140 PS ist der Adam der Stärkste neben den beiden anderen Cup-Autos von Renault und Citroën. Dabei ist das große Herz im kleinen Opel gar nicht zu Hause. Denn in der Serie wird der Adam nicht mit einem 1,6-Liter-Vierzylinder angeboten. Das hat zur Folge, dass es für den Opel noch keine internationale Homologation gibt, die Cup-Teilnehmer können in keiner anderen Serie antreten. Dem Erfolg hat das keinen Abbruch getan. Zu den über 20 Autos in Deutschland lieferte Holzer weitere 18 nach Frankreich. Opels Motorsport-Direktor Jörg Schrott berichtet stolz, dass auch die Importeure in Ungarn, Tschechien, Belgien und Dänemark schon mit den Hufen scharren.

In der zweiten Saison geht es aber auch im deutschen Cup schon ziemlich international zu. Jacob Madsen kommt aus Dänemark, Oscar Johansson und Auftaktsieger Emil Bergkvist aus Schweden, dazu gesellt sich ein prominenter Name aus Belgien: Yannick Neuville demolierte zwar sein Auto beim ersten von acht Läufen, bewies aber schon bei den Vorbereitungs-Rallyes, dass längst nicht alles Fahrtalent der Familie nur in seinen Bruder geflossen ist. Der amtierende Vizeweltmeister Thierry Neuville schaute seinem Bruder in Hessen zu und legte sich auch selbst unters Auto, als Not am Mann war.

Opel Rallye Cup eine echte Brutstätte für Talente

Dass der Opel Rallye Cup nicht nur eine Vermarktungsplattform der Marke ist, sondern eine echte Brutstätte für Talente, zeigte sich schon 2013. Der 25-jährige Marijan Griebel musste sich am Ende nur dem Routinier Markus Fahrner beugen. Der heute 34-Jährige gehörte mal zur erweiterten Junioren-Weltspitze. Griebel indes rückte mit dem erst 21-jährigen Fabian Kreim ins neu gegründete Opel Rallye Junior Team auf, wo die beiden Auserwählten 2014 ein Programm aus nationalen und europäischen Läufen bestreiten. Laut Sportchef Schrott war der blutjunge Kreim bis 2012 allenfalls ein paarmal um den Kirchturm gefahren. Darin war er aber wohl besonders gut, denn auf dem Stadtrundkurs in St. Wendel fuhr der Mann aus dem Odenwald beim Auftakt der Rallye-DM die drittschnellste Zeit.

Allerdings gelang das gegen 300 PS starke Mitsubishi Evos nicht im Cup-Adam, sondern in der nächsten Eskalationsstufe des kleinen Überfliegers. Die nennt sich Adam R2 und hat dem FIA-Reglement entsprechend schon 190 PS unter der Haube. Beide Junioren hoffen auf eine große internationale Karriere, und vielleicht können sie dabei auch weiter in einem Opel sitzen.

In der Sportabteilung denkt man schon länger über den Bau eines Allrad-Opel mit Turbomotor nach. Damit könnte man Deutscher Meister, Europameister oder auch Champion in der WRC2-WM werden. Darüber rangiert nur noch die Top-Liga der WM.

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