"Wir haben die Information, dass an dem von uns bereits vor langer Zeit und ohne Widerspruch oder Hinweis der gambianischen Behörden beantragten Termin aufgrund des Festtages eventuell keine Versteigerung stattfinden kann, erst am 4. oder 5. November von unserem Partner Heinz Bormann aus Afrika erhalten. Da wir uns bemühen wollten, den Termin trotzdem zu halten und die Rallyeteilnehmer nicht unnötig sofort in Unruhe versetzen wollten, haben wir in den kommenden Tagen noch nichts Konkretes bekannt gegeben und auf eine definitive Erklärung von Hernn Bormann gewartet. Erst am 16. November bekamen wir einen Anruf von ihm, der uns die Gewissheit brachte, dass die Versteigerung nicht wie vorgesehen stattfinden kann. Daraufhin haben wir die Rallyeteilnehmer informiert", so Organisator Holger Leipnitz.
Vermasselte Versteigerung
Heinz Bormann, der in Gambia die NGO betreut und jene Spendengelder verwaltet, die durch die Auktionen regelmäßig erzielt werden, entschuldigte sich bei den Teilnehmern. Prekär und peinlich wurde die Lage jedoch durch die Tatsache, dass er bis zuletzt darauf beharrte, dass der konkrete Zeitpunkt des Tobaski-Festes sich nach dem Stand des Mondes richtet und erst kurze Zeit (circa zwei Wochen) vor dem tatsächlichen Termin festgelegt wird. Als ihm einige Rallyeteilnehmer daraufhin einen zwei Jahre alten Reiseführer über Gambia präsentierten, in welchem man nachlesen konnte, dass Tobaski im Jahr 2009 auf das Wochenende um den 29. November fallen würde, kippte die Stimmung.
"Wir sind diese 7.000 Kilometer durch Staub und Dreck gefahren, um die Sachspenden und unsere Autos selbst zu übergeben und eben nicht anonym unseren Beitrag jemandem zu überlassen, den wir nicht kennen und dem wir nicht vertrauen können. Dann hätte man auch von Deutschland aus eine Überweisung tätigen können", erklärte Rallyeteilnehmerin Isabella Gärtner und sprach damit fast allen Fahrern aus dem Herzen: "Es hätte mir schon eine besondere Freude bereitet, den Schlüssel und das Auto persönlich an denjenigen zu übergeben, der es ersteigert hat."
Die vermasselte Versteigerung wird wohl leider als bitterer Nachgeschmack zurückbleiben und die getrübte Stimmung verleitete einige besonders wütende Teilnehmer vereinzelt zu extrem negativen Aussagen und dem In Frage Stellen der Veranstaltung. Dass ausgerechnet diese Teilnehmer jedoch fehlten, als an den darauffolgenden Tagen die Möglichkeit bestanden hätte, sich mit eigenen Augen von den Hilfsprojekten zu überzeugen, die durch Gelder der NGO unterstützt werden, lässt sich wohl einzig auf Frust, Wut und ein wenig Trotz zurückführen. Manche Autos werden nun separat an Kindergärten, Schulen, Polizeistationen und Krankenhäuser gespendet und auch die Sachspenden wurden zum Teil bewusst bereits persönlich an ausgesuchten Stellen abgegeben.
Wenn man bedenkt, wie viel Zeit, Geld und Energie die monatelange Vorbereitung einer solch außergewöhnlichen Reise viele Fahrer gekostet hat, wenn man beachtet, dass so mancher Rallyeteilnehmer seinen kompletten Jahresurlaub aufgebraucht hat und auch an den Weihnachtsfeiertagen dafür arbeiten gehen wird, dass er nach Afrika fahren konnte und wenn man außerdem berücksichtigt, dass viele Teilnehmer mit dem Argument der Versteigerung Sponsoren angelockt haben, erklären sich die teilweise recht harschen Reaktionen möglicherweise ein Stück weit.
Aber: Die Versteigerung wird stattfinden und fast alle Autos werden wie geplant unter den Hammer kommen. Die Rallyeorganisation hat den Teilnehmern eine absolut gewissenhafte Dokumentation und Berichterstattung - wie es sie auch bei anderen Touren stets gab - zugesichert.
Hoffentlich wird eintreten, was häufig im Leben passiert und die Erinnerung an das Negative schneller verblassen, als die Gedanken an all die vielen positiven Ereignisse während der Reise. Hoffentlich werden die Rallyefahrer sich lachend an Sand zwischen den Zähnen, eine abenteuerliche Fahrt zu in einem Buschtaxi oder Stollenbacken auf dem Campingplatz erinnern. Hoffentlich werden sie an jene Freundschaften denken, die sie im Laufe der Zeit geknüpft haben und ihren Familien mit einem Grinsen von marokkanischen Toiletten, kaputten Duschen, einer Heuschrecke im Schlafsack oder ein wunderschönen Abenden am Lagerfeuer erzählen, wenn sie festlich gekleidet und frisch geduscht die neue Digitalkamera oder das Notebook aus der glänzenden Geschenkverpackung unter dem Weihnachtsbaum wickeln. Hoffentlich werden sie einen neuen Blick haben auf den Luxus und den Überfluss haben, in dem sie sich befinden.
Hoffentlich werden die wackeren Autopiloten als persönliche Erfahrung, die sie nie vergessen werden, auch Folgendes mitnehmen können: Sie wurden nicht mit dem Touristenjet nach Afrika eingeflogen und per Taxi zur "völlig authentischen" Trommelgruppe chauffiert. Sie haben sich dem Kontinent langsam angenähert, landschaftliche Veränderungen auf der Reise Stück für Stück wahrgenommen, kulturelle Unterschiede in den einzelnen Ländern kennengelernt, hautnah Kontakt mit den Einheimischen gehabt, rührende und spannende, lustige und nervenaufreibende Situationen erlebt, ihre Grenzen an Kraft, Mut und Durchhaltevermögen ausgetestet, zusammen gehalten, einander geholfen und durch ihre Spenden Hilfebedürftige unterstützt und in drei Wochen mehr von der Welt gesehen, als viele andere Menschen in ihrem ganzen Leben. Sie haben sich Afrika erobert, durch "Diesel and Dust".
| Etappen | Strecke |
|---|---|
| Prolog | Dresden |
| Etappen 1-4 | Dresden - Madrid |
| Etappen 5-7 | Algeciras - Marrakesch |
| Etappen 8-11 | Marrakesch - Dakhla |
| Etappen 12-16 | Dakhla - Banjul |


