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Rallye Dresden-Dakar-Banjul

Die Rallye-Gemeinde erreicht Banjul

Rallye Dresden Banjul Foto: Breitengrad e.V. 100 Bilder

Über drei Wochen sind seit dem Start am 7. November vergangen - nun hat sich die Rallye "Dresden-Dakar-Banjul" erfolgreich durch die letzte große Wüstenetappe gekämpft und ist in der gambianischen Hauptstadt Banjul eingetroffen.

03.12.2009

Die Ankunftseuphorie wurde zwar von organisatorischen Problemen getrübt, dennoch liegen eine Menge spannender Erlebnisse und neuer Erfahrungen hinter den tapferen Gebrauchtwagen-Piloten.

Superstau in der Hitze Mauretaniens

Nachdem in einer Werkstattstraße im marrokanischen Dakhla mittels abenteuerlicher Umbauaktionen ein letztes "Finetuning" für die Sandetappe vorgenommen worden war, hatte sich der Tross auf den Weg zur mauretanischen Grenze gemacht. In einer Art "Superstau" wartete der Gebrauchtwagenkonvoi in brütender Hitze auf den Durchlass. Die Teilnehmer waren mittlerweile bereits abgehärtet, was das Ausharren betrifft und so wurde der mehrstündige Zwangsstopp, der bei Weitem nicht der letzte sein sollte, zur Mittagspause, für die lange fällige Rasur oder den neuesten Blog-Eintrag kreativ umfunktioniert. Dass der komplette Grenzübertritt mit seinen circa sechs Stunden trotzdem der kürzeste seit Bestehen von "Dresden-Dakar-Banjul" war, konnten die erstaunten Fahrer später von den Organisatoren erfahren, die sich um die Formalitäten im Büro der Grenzbeamten gekümmert hatten. Afrikanische Uhren ticken eben einfach anders.

An der Grenze zu Mauretanien warteten bereits die vier einheimischen Wüstenführer auf die Reisenden. Sie verteilten sich auf verschiedene Autos der Teilnehmer und Organisatoren, um den Tross sicher durch die Dünen leiten zu können. An einem letzten Haltepunkt auf einer Teerstraße fand ein "Wüstenbriefing" zum Fahrverhalten statt. Organisator Torsten Schulze gab wichtige Sicherheitshinweise:  "Man sollte lieber einen Reifen als die Ölwanne riskieren. Fahrt lieber mit dem Rad als mit der Wagenmitte über einen spitzen Stein, wenn ihr nicht mehr ausweichen könnt." Wichtig in der Wüste ist außerdem das Stehenbleiben, wenn man den Anschluss an die Truppe verliert: Wiedergefunden zu werden, ist sehr viel einfacher möglich, wenn die Fahrer nicht auf eigene Faust durch die Dünen irren, um sich am Ende gar zu verirren. Mit der Warnblinkanlage werden andere Teilnehmer vor Tiefsand gewarnt, das Aufblendlicht signalisiert dem Vordermann: Ich stecke fest!

Kollektives Dampfablassen in der Wüste

Der erste Tagesordnungspunkt vor dem heiß ersehnten und lange erwarteten Offroad-Erlebnis lautete jedoch: "Kollektives Dampfablassen!". Damit die Räder sich besser durch den weichen Sand bewegen konnten, wurde der Reifendruck auf Maße gesenkt, die beim Befahren europäischer Teerpisten für interessante Erlebnisse sorgen würden und wer Spaß daran fand, hatte die Möglichkeit, noch ein letztes Mal etwas importierte deutsche Luft zu atmen. 

Die Spannung stieg, die Motoren röhrten und die Autopiloten nahmen die Sahara in Beschlag. Der Eintritt in die Wüste wurde für alle Beteiligten zum aufregenden Ereignis. So mancher reagierte angestaute Energien durch einen reichlich "ambitionierten Fahrstil" ab, der Sandspaß verlockte zu ausgiebigen Erprobungsrunden und natürlich kam es - wie die Organisatoren aus langjähriger Erfahrung wissen - dementsprechend in relativ kurzer Zeit zu ersten Einsandungen: Dass ausgerechnet der VW Country des Teams "Synchrocruiser" aus Dresden das erste Opfer sein würde, hatten sich die beiden Fahrer Stephan und Matthias jedoch nicht träumen lassen. Dass die beiden mit ihrem eigentlich äußerst geländetauglichen Fahrzeug nebenbei rekordverdächtig die "früheste Einsandung in Rallyegeschichte" ablieferten, war zwar nicht unbedingt Anlass zu übermäßigem Stolz, bot allerdings großartiges Unterhaltungsprogramm für den amüsierten Rest der Rallyeteilnehmer.

Im Kampf mit der Sahara

Selbst der massivste "Bolide" der Veranstaltung, der Magirus des "Teams Bayern", verlor während des (über)mutigen Erklimmens einer großen Düne den Kampf gegen die Sahara. Das Team "Braune Cobra" bot jedoch umsichtig Abschlepphilfe an und so durften begeisterte Beobachter erleben, wie ein winziger Mazda 121 den riesigen Lkw aus dem Sand "zog".

In den Freiluftcamps zwischen den Dünen tobte ausgelassene Stimmung: Ob im Bobbycar, auf dem Surfbrett oder mit dem Gleitschirm - auch ohne ihre Autos fanden die Fahrer diverse kreative Wege, sich mit dem Sand bekannt zu machen. Abends prasselten Lagerfeuer unter einem Sternenhimmel, den hier endlich kein urbaner "Lichtsmog" mehr beeinträchtigen konnte und der Mutige zur Übernachtung unter freiem Himmel verlockte. (Ein wenig Sand im Schlafsack oder einen kleinen Skorpion unter dem Feldbett, musste man allerdings einkalkulieren können.)

Sand als Waschpaste für ölverschmierte Schrauberhände

Rasch gewöhnten sich die Fahrer an die Gegebenheiten in der Sahara und passten sich der Natur an: Sand ist eine gute Waschpaste für ölverschmierte Schrauberhände und auch ein legitimer Wasserersatz beim Geschirrspülen. Zum Duschen reicht der Inhalt einer 1,5-Liter-Flasche und eine Wagenburg hilft gegen Sandstürme. Große Tuarektücher, die der eine oder andere in Marokko noch als lustiges Touristensouvenir erworben hatte, wurden gekonnt um die Köpfe geschlungen.

Gegenseitige Hilfe, gemeinsames Abschleppen und Anschieben festigten den Zusammenhalt der Gruppe: Pannen avancierten zu Herausforderungen für Entdecker und Bastler: Schläuche wurden mit Taschenmessern durchtrennt, Ölkühler zwischen den Dünen ausgebaut, Ersatzteile fabriziert aus dem, was eben gerade zur Verfügung stand und alles Überflüssige (Verkleidungen und Abdeckungen) wurde einfach abgerissen, wenn es störte. Die Dünencamps wurden zur abendlichen Wüstenwerkstatt umfunktioniert, in der ein Generator Strom zum Flexen, Schweißen und Bohren gab.

Man lernt das Auto viel besser kennen

Einer der reizvollsten  Aspekte dieser besonderen Art, zu reisen, kristallisierte sich in jenen Tagen zunehmend heraus: Während der Rallye wird das Auto - heutzutage Designobjekte, an dem sich zumeist keine Glühbirne mehr eigenständig wechseln lässt - wieder zu dem, was es eigentlich ist: eine Maschine. Der Umgang mit dieser Maschine erfolgt unsanft, pragmatisch und völlig befreit vom deutschen Kult um die geliebte Karosse, auf der ein Kratzer im Lack für Spießbürger schon die Apokalypse bedeutet. Während man daran gewöhnt ist, auf europäischen Betonpisten leise dahin zu gleiten, konnte man bei der Wüstendurchquerung Campingkocher im Kofferraum scheppern hören, während man sich innerlich bereits auf den nächsten Sprung über einen Sandhügel gefasst machte. Die Autos jaulten auf und ächzen an steilen Auffahrten. "Man lernt das Auto viel besser kennen, wie es reagiert und was es alles aushalten kann", freute sich auch Manja Ostermann, mit 23 Jahren eine der jüngsten Rallyefahrerinnen, über das Wüstenerlebnis.

Die Fahrer wurden zunehmend robuster und lockerer, wenn Pannen oder unvorhergesehene Probleme auftauchten. Loslassen lernen, Locker werden  - das sind absolut positive Aspekte der Rallye. Strapaziert und erleichtert erreichte die Blechkarawane nach mehreren Tagen wieder das Meer und die Reisenden stürzten sich umgehend in die Fluten, um Sand, Schmutz und Schweiß abzuspülen. In einem kleinen Sandsturm am nächsten Morgen harrten die mittlerweile relativ Hartgesottenen tapfer aus. Die Sahara hatte ohnehin längst alle Kaffeetassen, Augäpfel und Zahnzwischenräume erobert: Überall Sand, Sand, Sand.

Weiter durch Mauretanien

Im Anschluss an die Wüste empfing die mauretanische Zivilisation den Rallyetross: Müllgürtel um Stadtränder, bettelnde Kinder und Insektenschwärme führten den ein oder anderen an seine Belastungsgrenzen. Die Erfahrung jedoch, dass diese Art, einen Kontinent zu entdecken, eben keine touristische "Deluxe-Variante" von Afrika bietet, sondern die Teilnehmer durch das echte Leben lotst, wurde von den meisten im Nachhinein als wichtiger Lerneffekt bewertet. Auch unschöne Erlebnisse wie der Einbruch in ein Auto gehörten mitunter dazu. Wenn jedoch, wie in einem konkreten Einzelfall, Digitalkameras nicht angerührt und stattdessen Schlafsäcke und Nahrungsmittel entwendet werden, teilt auch dies den Europäern viel mehr über die Situation in einem Land mit, als es jede Pauschalreisetour vermag.

Durch den Senegal bewegte sich die Wagenkolonne aufgrund staatlicher Verordnungen erneut im Konvoi mit einer Eskorte. Nach einem Restday in St. Louis, aufregenden Fahrten durch Naturparks, durch die Hitze und den roten Staub der Savanne, vorbei an ursprünglichen Dörfern mit freundlicher Bevölkerung, für die die Blechkarawane ein aufregendes Ereignis darstellte, erreichte der Tross die gambianische Grenze und den chaotischen Fährhafen. Spät in der Nacht setzte das Schiff mit den Wagen über den Gambiariver über: Man hatte das Ziel erreicht.

Keine gelungene Welcomeparty - Versteigerung verlegt


Die Welcomeparty, welche traditionell auf die Ankunft in Gambia erfolgt, sollte wie bei bisherigen Rallyes das große Highlight und den krönenden Abschluss der Reise darstellen. Dass die Stimmung  dieses Mal jedoch deutlich getrübt sein würde, hatte sich bereits seit einigen Tagen abgezeichnet: Aufgrund des hohen muslimischen Festtages Tobaski, musste die für den 29. November geplante Versteigerung der Autos - also genau das entscheidende finale Ereignis, auf welches die Teilnehmer sich seit Wochen gefreut, auf das sie lange hingearbeitet hatten und so gespannt gewesen waren - um eine Woche auf den 6. Dezember verschoben werden. An diesem Tag werden fast alle der circa hundert Rallyeteilnehmer bereits längst wieder auf deutschem Boden angekommen sein.

EtappenStrecke
PrologDresden
Etappen 1-4Dresden - Madrid
Etappen 5-7Algeciras - Marrakesch
Etappen 8-11Marrakesch - Dakhla
Etappen 12-16Dakhla - Banjul
Umfrage
Gebrauchtwagen-Rallyes wie die Dresden-Banjul ...
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