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Rallye Dresden-Dakar-Banjul

Mit der Sahara beginnt der Monsterteil

Rallye Desden Banjul Foto: Breitengrad e.V. 100 Bilder

Knapp zwei Wochen ist die Rallyegemeinde der Dresden-Banjul nun schon unterwegs. Wohlbehalten haben die Teilnehmer die Westsahara erreicht und füllen ein letztes Mal die Wasservorräte auf. Von Dakhla aus geht es jetzt weiter durch die Wüste nach Mauretanien.

18.11.2009

Die ersten freilaufenden Kamele wurden gesichtet, europäische Hygieneansprüche längst auf der Strecke zurück gelassen und die Durchschnittstemperatur sträubt sich tagsüber konsequent dagegen, unter die Dreißig-Grad-Marke zu fallen: Die Rallye "Dresden-Dakar-Banjul" bewegt sich an Tag elf der Reise entlang der afrikanischen Küste durch die Westsahara und taucht nun für fünf Tage komplett in die Wüste ein.

Marrakesch - ein Highlight der Tour

Viel ist passiert seit der Ankunft auf afrikanischem Boden, die Einreise nach Marrakesch und der erste Restday in der marokkanischen Metropole stellten für so manches Team ein Highlight der Tour dar: Die Souks der Stadt, enge, labyrinthische Gassen, in denen reges Marktreiben pulsiert, verführten mit tausend Farben, orientalischen Klängen und exotischen Gerüchen zum Streifzug durch Basare und kleine, verwinkelte Werkstätten. Auch die nächsten Tage brachten eine Fülle an Eindrücken und Erlebnissen.

Während die reguläre Rallyeroute am Ozean über das malerische, einstmals portugiesisch besetzte Essaouira nach Dakhla vor der mauretanischen Grenze führte, wählten viele Fahrer individuell den Weg über das Atlasgebirge. Die serpentinenreiche Strecke ist anspruchsvoll und erfordert einen geübten Autofahrer, der in der richtigen Geschwindigkeit die zum Teil völlig ungesicherten Kurven nimmt. Wenn ein überladener Lkw den Weg kreuzt (was in Afrika häufiger der Fall sein kann), heißt es: Ruhig bleiben! Vom Beifahrer wiederum verlangt diese Route vor allem die Freiheit von jeglichem Schwindelgefühl oder Höhenangst und Vertrauen zu jenem Teammitglied, das den Wagen über die Höhenstraßen lenkt.

Überladene Lkw, Berberdörfer und hilfsbereite Marokkaner


Den Rallyefahrern winkte jedoch ausreichend Belohnung für die Wahl dieser riskanteren Fahrtstrecke: Unvergessliche Blicke auf karge Felslandschaften mit bizarren Steinformationen, in denen plötzlich saftige, grüne Täler leuchteten, fantastische, erhabene Aussichtspunkte und der Kontakt mit den Einheimischen in kleinen, versteckten Berberdörfern. Fast jeder, der diese Route gewählt hatte, berichtete im Nachgang von der Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit der Anwohner.

Dass Marokko generell ein äußerst gastfreundliches und aufgeschlossenes Land mit einer überaus warmherzigen Bevölkerung ist, hatte das Team "Gourmetflizza" bereits einige Tage zuvor erleben dürfen: Nico und Rebecca waren gemeinsam mit anderen Teams unterwegs und hatten sich, als es dunkel wurde und sie immer noch sehr viele Kilometer bis zu dem von den Rallye-Organisatoren vorgeschlagenen Zeltplatz zurückzulegen gehabt hätten, für eine individuelle Outdoorübernachtung entschieden: Sie waren in der Dunkelheit auf ein vermeintlich ruhig gelegenes Areal aufgefahren, als sich plötzlich das begleitende Team "Al Capone" in Stacheldraht verfing. Der Jeep der drei Dresdner überstand das Manöver jedoch ohne Reifenschaden und so können die Ersatzräder auch weiterhin für die Wüstenetappe reserviert bleiben.

Frühstück beim Bauern

Hilfe in der Not kam von einem einheimischen Bauern, der insgesamt fünf "gestrandete“ Teams einlud, auf seinem Grundstück zu übernachten und die dankbaren Autofahrer am darauf folgenden Morgen mit einem opulenten marokkanischen Frühstück bewirtete.

Hilfe einer anderen Art mussten sich während der bereits erwähnten, eindrucksvollen Atlas-Etappe andere Teilnehmer gegenseitig geben. Es kam zu einer spektakulären Abschleppaktion: Mehrere Teams hatten sich zu einer "Fahrgemeinschaft" zusammengefunden, um die schwierigen Serpentinen und den Pass über die Berge gemeinsam zu durchqueren. Als  "Landstreicher" mit ihrem weißen Opel Omega mitten auf einer Bergstraße mit einer defekten Benzinpumpe zum Stehen kamen, war der VW Golf Country von "Syncrocruiser" gefragt: Der kleine Geländewagen schleppte den größeren Teilnehmer den Berg hinauf. Der notgedrungene Zwischenstopp wurde jedoch zu einer Einkehr in einer einsamen Berber-Klause mit spektakulärer Aussicht genutzt. Leckeres Omelett und marokkanischer Tee wurden quasi "on the rocks" genossen und echtes Rallye-Gefühl entstand: Niemand fuhr voraus, um rechtzeitig am Ziel anzukommen,  alle fühlten sich füreinander verantwortlich und standen die Panne gemeinsam durch. Den Weg bergab konnte von "Landstreicher" dann ohne fremde Hilfe bewerkstelligt werden: Der Opel sprang wieder an und man rollte in eine Werkstatt am Fuß der Berge ein. Der Tag im Gebirge wurde zu einem grandiosen Erlebnis, an das sich die Fahrer noch lange erinnern werden.

Ähnlich gravierende Aussichten und Einblicke bot auch der nächste Rallyetag, der den Eintritt in die Westsahara mit sich brachte: Die Landschaft veränderte sich fast schon minütlich und während die Tour mit einigen Bergausläufern begann, die sich vor dem Fenster erstreckten, wechselte das Bild schon bald zu flachen, kargen Ebenen, bis viele Teilnehmer zum ersten mal in ihrem Leben endlich echte Wüstensanddünen und vereinzelt einige Kamele erblicken konnten.

Erste Übernachtung in einem Wüstencamp

Während Marokko an vielen Stellen äußerst modern und fortschrittlich, beinahe europäisch wirkt, begann hier für die meisten das erste Mal tatsächlich, was sie sich immer unter dem sagenumwobenen Begriff "Afrika" vorgestellt hatten. Die erste Übernachtung in einem Wüstencamp, Kamelbraten mit Feigen zum Abendbrot und Pfauen oder kleine Äffchen, die die Rallyepiloten am Morgen beim ersten verschlafenen Blick aus dem Zelt begrüßten, kamen den deutschen Vorstellungen von der märchenhaften Wüste schon recht nah.

Aber auch in der Wüste gibt es eine strenge Verkehrsordnung, wie Manja und Michael vom Team "Hakunamatata" erfahren durften, als ein Polizist sie mitten in der Westsahara an den Straßenrand winkte: Sie hatten zwar keines der "Kamelwechsel"-Schilder missachtet, jedoch seiner Meinung nach ein Stoppschild überfahren. 400 Dirham (circa 40 Euro) sollte der Verstoß die beiden kosten und sie setzten all ihr Verhandlungsgeschick daran, eine glimpfliche Einigung mit dem Gesetzeshüter zu erreichen. Während das Dresdner Pärchen noch diskutierte, wurde ein später eintreffendes Team aufgrund des gleichen vermeintlichen Fehltrittes herausgebeten und gesellte sich schon bald zu den Streitparteien. Wagen auf Wagen kamen auf diese Weise insgesamt sechs Teams zum Stehen. Die von dem Polizisten aus dem Verkehr gezogen Fahrer konnten ihre Strafe letzten Endes auf 400 Dirham für ein sechsmal überfahrenes Stoppschild herunterhandeln - ein "Gruppenrabatt" mit dem alle leben konnten. Dass am Abend andere Rallyeteilnehmer von der Bezahlung des Polizisten mit einer Flasche Lidl-Rotwein berichteten, toppte allerdings selbst dieses Erlebnis bei Weitem. Dass ein Moslem sich mit Alkohol besänftigen lässt, schien den meisten schon ein starkes Stück zu sein. Aber es war bereits spät am Abend gewesen und vermutlich hatte Allah längst geschlafen und nicht gesehen.

Heißer Ritt durch die Sahara steht bevor

"Morgen beginnt der Monsterteil", so Organisator Holger Leipnitz: Die knapp hundert Teilnehmer der Rallye füllen ein letztes Mal die Wasservorräte auf, tanken so voll wie möglich und decken sich mit allem ein, was man einige Tage in der Wüste gebrauchen könnte. Die vorerst letzten SMS werden getippt und noch schnell ein paar Blog-Einträge nach Deutschland geschickt, solange noch Internet und Handynetz verfügbar sind. Die Autos werden in einer Werkstattstraße in Dakhla fit für den Sand gemacht: Unterbodenbleche werden angeschraubt, Radwechsel vorgenommen und Öffnungen an den Wagen abgedichtet. Ab morgen wird es spannend. Der Tross bewegt sich fortan nur noch im Konvoi und nach fünf Tagen wird die Karawane hoffentlich wohlbehalten und gesund wieder aus der Wüste auftauchen.

EtappenStrecke
PrologDresden
Etappen 1-4Dresden - Madrid
Etappen 5-7Algeciras - Marrakesch
Etappen 8-11Marrakesch - Dakhla
Etappen 12-16Dakhla - Banjul
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