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Rallye Köln

Guter Rutsch

Foto: Walter, Brucke 17 Bilder

Auch ohne den angekündigten Schnee stellten die rutschigen Strecken der Rallye Köln - Ahrweiler die Teams vor so schwierige Aufgaben wie noch nie. Die Entscheidung entwickelte sich zum spannenden Eifel-Krimi.

18.02.2008 Dirk Johae Powered by

Auch ohne den angekündigten Schnee stellten die rutschigen Strecken der Rallye Köln - Ahrweiler die Teams vor so schwierige Aufgaben wie noch nie. Die Entscheidung entwickelte sich zum spannenden Eifel-Krimi.

Der 1,92-Meter-Mann steht schon vor dem Start im Rampenlicht: "Berlandy ist wieder da!" Vier Mal in Folge gewann Georg Berlandy die Rallye Köln - Ahrweiler im Opel Ascona 400. Kein anderer Fahrer hat der Youngtimer-Rallye derart den Stempel aufgedrückt. Dann trennte sich der Stromberger von seinem historischen Rallye-Opel und konzentrierte sich mehrere Jahre lang auf den modernen Motorsport.

Mit Mut und Schmackes über rutschige Pisten

Aber Berlandy geht es wie vielen Fahrern und Fans: Die Köln - Ahrweiler gehört als krönender Abschluss zum Motorsportjahr. Das Weinörtchen Mayschoß im engen Tal zwischen Ahrweiler und Altenahr wird einmal im Jahr zur Pilgerstätte der Youngtimer- und Rallyefans.

Weil Berlandy weiß, dass sein Comeback bei der Youngtimer-Rallye für Aufsehen sorgt, hat er seinen Opel Ascona A in ein stilechtes Outfit der 70er Jahre gesteckt. "Das hier ist der Look des Ascona von Opel-Fröhlich, mit dem Klaus Miersch 1971 die Rallye Monte Carlo bestritten hat", erklärt der Hunsrücker zur Premiere.

Zusätzliche Motivation kommt vom Beifahrersitz. Lea Klein bestreitet ihre erste Rallye und blickt mit einem strahlenden Lachen unerschütterlich ins nasse Eifelgrau. Nur beim Thema Gesamtsieg wird der Blick kurz ernst: "Nein, dazu ist unser Auto einfach nicht stark genug." Diese Aussage bläst Georg Berlandy gleich in der ersten Wertungsprüfung weg wie Sturmtief Tilo das Laub von den Bäumen. Der Hüne diktiert der Konkurrenz mit 5,4 Sekunden Vorsprung das Nachtgebet.

Vorjahressieger Darius Drzensla gerät heftig ins Grübeln, ob seine neuen Reifen für die nasskalten Bedingungen wirklich die richtige Wahl sind. Erstens setzen die rutschigen Pisten viel Mut und Einsatz vor den Erfolg. Zweitens muss er sich bei seinem zehnten Start allen Gesamtsiegern seit 1997 stellen – von Dominik an der Heiden bis Oliver Rohde.

Neuer Rekord: 120 Teams am Start in Köln

Einen Rekord verzeichnen die Organisatoren um Hans-Werner Hilger bei der Gesamtstarterzahl. 120 Teams am Start künden von der großen Anziehungskraft der Youngtimer-Rallye. Die Spezialität der Veranstaltung, die seit 1971 nach dem gleichen Rezept zubereitet wird, ist das Trainingsverbot. Das Roadbook mit allen Strecken wird erst kurz vor dem Start ausgegeben. Beifahrer mit Erfahrung und Aufzeichnungen aus den Vorjahren stehen bei der Köln - Ahrweiler deshalb besonders hoch im Kurs.

Das kennt Heinz-Walter Schewe noch vom Original aus den Siebzigern. Der ehemalige Deutsche Rallyemeister kehrte heuer wieder zurück zu der Rallye, die er vor über 30 Jahren gewonnen hat. "Ich glaube, dass das Wetter damals so ähnlich war wie heute", erinnert sich der 65- Jährige, der vor seinem Start in einem Porsche 911 Carrera RSR alte Fotos studiert hat. Von seinen originalen Wettbewerbsautos besitzt der Mann aus Hagen keines mehr. "In den Siebzigern hatte man noch nicht so sehr die Beziehung zum Wert dieser Fahrzeuge".

Hingegen ist das Wissen überliefert, was einem Rallyeauto den Spaßfaktor verleiht: der Heckantrieb. In der großen Mehrheit der Wagen sorgt die Hinter- achse für Vortrieb. Es wird gedriftet wie im Zeitalter vor dem Allradantrieb. Die Platzierung wird fast zur Nebensache.

"Motor-Sport statt Motor Business"

"Ich will möglichst viel quer Fahren", gibt Stefan Schlesack zu Protokoll. Der Remscheider war in den 80ern Deutscher Gruppe N-Rallyemeister und ist heute Testfahrer mit prall gefülltem Terminkalender. In der knapp bemessenen Freizeit restauriert er daheim im Bergischen Land einen Ford Escort der ersten Generation. Weil der Hundeknochen aber nicht ganz fertig ist, erwarb er gemeinsam mit seinem Copiloten Hans Rudi Küfner einen BMW M3, um standesgemäß in den Saisonausklang zu driften.

"Ich liebe die Hecktriebler", bekräftigt der Gesamtsieger von 1998 nochmals auf der Zielrampe in Mayschoß. Der 48- Jährige war erneut Schnellster, doch sein M3 ist nicht alt genug. Deshalb gewinnen Schlesack/Küfner nur die Goldcup-Wertung für die Autos ab 1982.

Das Fahrverhalten und das Aussehen der Youngtimer versetzen die Teams und Zuschauer für zwei Tage in eine andere Motorsportwelt. Selbst für einen Profi wie Christian Menzel ist die Köln - Ahrweiler der Saisonhöhepunkt. "Hier gibt’s Motor-Sport, nicht Motor-Business", sagt der 36-jährige Porsche Supercup- Pilot, der sich der Youngtimer-Bewegung in einem Ford Escort RS 2000 anschließt. Nur ein Getriebeschaden verhindert, dass Menzel den Ausflug auf einem Spitzenplatz beendet.

Anderen Mitstreitern verderben die Rutschbahnen in der Eifel den Erfolg. Herbert Schilling, der mit seinem biederen Audi 80 im gedeckten Eifeljäger- Grün zu den schnellsten Fronttrieblern zählt, rutscht auf der ehemaligen Südschleife des Nürburgrings von der Piste. Rundstreckenspezialist Daniel Schrey muss nach seinem frühen Ausfall im VW Golf die Hoffnung auf den Youngtimer- Gesamtsieg abschreiben.

Platz eins bis sechs geht an Hecktriebler

Seit 1994 bildet die Rallye Köln - Ahrweiler das Finale dieser Rennserie. Zum vierten Mal kann Olaf Rost das Championat erringen. Mit dem Audi 50 und Copilot Wolfgang Großmann wird der 44-Jährige trotz technischer Probleme Siebter im Gesamtklassement und damit bester Front-Triebler. Der Gesamtsieg in der Youngtimer-Rallyetrophy geht jedoch an ein Auto mit Heckantrieb – an den Opel Kadett C von Jürgen Lenarz.

Auf den Rängen vor ihm wird um Sekunden gekämpft, als hätte Eifel-Krimi- Schreiber Jacques Berndorf die Fäden in der Hand. Während der achten Prüfung verliert Georg Berlandy Teile der Schwungscheibe und die Führung. Die Spitze erben Oliver Rohde und Jan Wolff im Porsche 924 Carrera GT. "Ich habe versucht, immer eine saubere Linie zu finden", berichtet Rohde, der vor zwei Jahren den Gesamtsieg feiern konnte.

Doch dahinter drängt sein Nachfolger Darius Drzensla mit einer Bestzeit nach der anderen in Richtung Spitze. Eine Verzweiflungstat des Escort-Piloten wandelt sich zum Erfolgsrezept: In der Mittagspause gibt der Ford-Pilot den neuen Pneus entnervt den Laufpass und montiert die Erfolgsreifen von 2006. Die spendieren endlich die gewünschte Haftung.

In der vorletzten Prüfung namens "Eifelgold", mit 13 Kilometern und mehrfach wechselnden Belägen die Paradeprüfung, nehmen Drzensla und Beifahrer Peter Schaaf dem Porsche-Team über 16 Sekunden ab. Rohde/Wolff kontern danach noch einmal, können aber nur mehr eine Sekunde zurückerobern. So gewinnen Darius Drzensla und Peter Schaaf mit 0,6 Sekunden Vorsprung.

Mission gerade noch mal geglückt: Der Vorjahressieger hat sich das Rampenlicht zurückerobert.

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