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Rallye Schweden WRC-Saison 2010

Schneewall-Schlacht beim Schweden-Auftakt

Rallye Schweden 2010 Foto: xpb 39 Bilder

Besser hätte die Saison 2010 kaum losgehen können. Trotz globaler Erwärmung lockte Schweden mit Schnee und stabilem Frost. Abgesehen von strahlendem Sonnenschein wärmte die Fans vor allem ein heißer Kampf an der Spitze.

20.02.2010 Powered by

Nie hat es in der Rallye-WM eine längere Pause gegeben. Dreieinhalb Monate waren seit dem Herzschlagfinale in Wales vergangen, bis der Tross Mitte Februar in Karlstad wieder über die Rampe rollte. Die Pause hat der angeschlagenen Meisterschaft gut getan. Allen Beteiligten blieb mehr Vorbereitungszeit.

Es ist nach wie vor schwer, an das Geld anderer Leute zu kommen, aber von Wirtschaftskrise war in diesem Winter wenig zu spüren. „Wir haben erstmals zwischen Weihnachten und Neujahr durchgearbeitet“, stöhnte Ford-Teamchef Malcolm Wilson. Jeder weiß: Der Gruß des Geschäftsmannes ist die Klage. Wilson baute neben diversen World Rally Cars neun neue Ford Fiesta Super 2000 auf, Stückpreis knapp 300.000 Euro. Der Rubel rollt. Weitere 17 Autos sollen in diesem Frühjahr folgen.

Neues Reglement macht Siege wichtiger

Wo wir schon bei knappen Zeitplänen sind: Zwei Tage vor der Rallye paukte die Sporthoheit FIA unter dem neuen Präsidenten Jean Todt das Punktesystem durch, das künftig auch für die Formel 1 gilt. Anstatt mit zwei Zählern kann sich ein Rallye-Gewinner künftig um sieben Punkte vom Zweitplatzierten absetzen. Das macht Siege noch wichtiger als früher. Bei einer maximalen Punktzahl von 25 tut allerdings auch ein möglicher Ausfall extrem weh.

So blieb die Aufgabe für Weltmeister Sébastien Loeb im Citroën und Vize Mikko Hirvonen im Ford die gleiche: alles geben außer einer Blöße. Das Dauerduell des Vorjahres setzte sich in Schweden nahtlos fort. Am ersten Tag trennten den Finnen und den Franzosen rund sechs Sekunden, am Samstagabend waren es gerade 16.

Andere konnten da nur staunen. Marcus Grönholm war auf Kosten des finnischen Multimillionärs Mathias Therman zu seiner Lieblings-Rallye gereist und wollte es noch einmal wissen. Doch eine Elektrikpanne legte seinen Ford Focus schon am ersten Tag für eine Viertelstunde lahm. Ein Reifenschaden am Samstag verbannte den zweimaligen Weltmeister endgültig aus den Punkterängen. Außer einer Bestzeit auf seiner Lieblingsprüfung in Sagen blieb ihm kein positives Resultat.

Während Grönholm sein Schicksal mit Fassung trug, war Petter Solberg schwer enttäuscht. Der Norweger hatte im Winter seinen Hauptsponsor verloren, aber gerade rechtzeitig eine Woche vor Saisonbeginn war der Vertrag mit Energiedrink-Hersteller Mad Croc unterschrieben, um mit weiteren Sponsoren ein komplettes WM-Jahr in einem 2009er Citroën C4 in Angriff zu nehmen. Ein besseres Auto hatte er seit seinem WM-Titelgewinn 2003 nicht mehr zur Verfügung.

Aber Solberg, der im Vorjahr unter schwierigen Bedingungen im alten Citroën Xsara glänzte, machte sich zu viel Druck und verfiel in alte Schwächen. Trotz eines guten Tests ließ er sich während des Showdowns vor der Rallye so verunsichern, dass er noch vor dem Start das Auto umbauen ließ. Prompt verlor er schon auf der kurzen Auftaktprüfung auf der Trabrennbahn von Karlstad die Beherrschung und rauschte in einen Schneewall. Gleiches widerfuhr ihm am Freitag in freier Wildbahn. Die Krönung lieferte er kurze Zeit später, als er beim Rutschen in einen Notausgang ins Heck des havarierten Ford von Matthew Wilson krachte. Am Ende blieb dem Mann, der gegen die Werksteams um den Titel kämpfen wollte, nur ein neunter Rang.

Deutsche Rallyefans schauen nun in die Röhre

Auch jenseits der Piste ist nicht alles eitel Sonnenschein. Kaum hatte die TV-Produktionsfirma North One am 1. Januar als globaler Vermarkter die Amtsgeschäfte übernommen, gab es in der britischen Presse reichlich Schelte für eine maue WM-Präsentation in Paris. Simon Long, Geschäftsführer der North One-Tocher ISC, spielt mit dem Gedanken, die erst vor gut einem Jahr installierte PR-Agentur Generate über Bord zu werfen. Im Magen liegt Long auch die Absage von RTL. Nach fünf Jahren zieht sich der Kölner Privatsender aus der WM zurück, vor allem, weil der bisherige Geldgeber Ford Deutschland das Programm nicht mehr sponsert. Weil North One auch die langjährige Zusammenarbeit mit Eurosport beendete, gucken deutsche Rallyefans nun in die Röhre - es sei denn, sie empfangen den Bezahlsender Motors TV.

Die Trennung von Eurosport hält Long dennoch für eine unerlässliche Maßnahme. „Das Problem waren zum einen die schlechten Sendezeiten, zum zweiten behinderte es uns bei Verhandlungen mit nationalen TV-Anstalten. Bei jedem Gespräch hieß es immer: Ihr seid ja schon auf Eurosport zu sehen.“

Sauer aufgestoßen waren dem WM-Vermarkter auch die Jubelmeldungen, die die Intercontinental Rally Challenge kurz vor dem WM-Beginn in Schweden verbreitete. Die Konkurrenz-Serie protzte mit zwölf Millionen Fernseh-Zuschauern bei ihrem Auftakt in Monte Carlo, ein Wachstum von 71,4 Prozent. Der Rallye-WM wurden dagegen von 633 Millionen im Jahr 2008 auf insgesamt 571 Millionen TV-Zuschauer schrumpfende Zuschauerzahlen attestiert - ein Verlust von 9,8 Prozent. Der Vergleich ist allerdings unsauber. 2009 wurden drei Rallyes weniger gefahren. Die durchschnittliche Zuschauerzahl lag im Vorjahr laut North One bei 47,6 Millionen und ist gegenüber 2008 um 5,5 Prozent gestiegen.

Die deutschen Fans tröstet das wenig. Bezüglich der hiesigen Lage sagt Long: „Ich bin über die Situation alles andere als glücklich.“ Nun will North One mit dem DSF verhandeln. Das nicht allzu finanzstarke Deutsche Sportfernsehen müsste sich zumindest um die Rechtekosten keine großen Gedanken machen. „Zur Not würden wir darauf verzichten. Deutschland ist ein zu wichtiger Markt“, sagt Long. Der Engländer sorgt sich vor allem um den Eindruck, den er ohne TV-Berichterstattung in Deutschland beim WM-Interessenten Volkswagen hinterlässt.

Ab 2010 fährt Mini in der Rallye mit

Als sicher gilt mittlerweile der Einstieg von Mini im kommenden Jahr. Das mögliche Werksteam Prodrive reiste mit der Führungsriege um Besitzer David Richards zum Serviceplatz nach Hagfors, im Schlepptau ein Marketing-Verantwortlicher von BMW. Gemeinsam speiste man in der Hospitality von Ford, um dem Rallye-Neuling aus Bayern einen Eindruck vom Auftritt bestehender Top-Teams zu verschaffen. Es geht das Gerücht um, dass der WM-Einstieg im März auf dem Genfer Automobilsalon verkündet werden soll.

Seinen Quereinstieg etwas leichter vorgestellt hatte sich Kimi Räikkönen. Unter großem Medien- Getöse betrat der frühere Formel-1-Weltmeister die WM-Bühne mit so großem finanziellem Rückenwind von Sponsor Red Bull, dass es für ein Cockpit im Semi-Werksteam von Citroën reichte. Um bei den ganz Großen mitzuspielen, reicht es aber noch nicht. Schon beim Testeinsatz bei der finnischen Arctic-Rallye stopfte der Grand-Prix-Star seinen C4 in eine Schneewehe, in Schweden gelang ihm das gleich drei Mal. Immerhin ließ der Rundstrecken- Spezialist sein Rallye-Potenzial mit ein paar Top-Ten-Zeiten aufblitzen. Räikkönen war enttäuscht „über die dummen Fehler“, aber glücklich, das Ziel erreicht zu haben.

So gesehen war Jari-Matti Latvala der glücklichste Mann im Feld. Schon im November hatte ihn Teamchef Malcolm Wilson offiziell zum Wasserträger für Mikko Hirvonen erklärt. Der Crash-Pilot der Saison 2009 soll Punkte holen, während der Teamkollege um Siege fährt. Die Angst vor weiteren dummen Fehlern lähmte den Schweden- Sieger 2008 zunächst so, dass er sich klar hinter Dani Sordo - der Nummer zwei bei Citroën - anstellen musste. Erst nach eineinhalb Tagen taute Latvala auf, und als Sordo-Beifahrer Marc Marti vergaß, vor einer Prüfung die Abdeckungen vom Kühlergrill zu nehmen, lief der C4 mit der Startnummer zwei heiß, und Latvala konnte sicher Platz drei einfahren.

Auch bei den Nummer-eins-Fahrern musste sich Citroën hinter Ford anstellen. Sébastien Loeb, der einzige Nichtskandinavier, der jemals in Schweden gewann, biss sich an einem bestens aufgelegten Mikko Hirvonen die Zähne aus. Hirvonen fuhr schnell, fehlerlos und nervenstark. Als Loebs finale Attacke am Sonntagmorgen lediglich zwei Zehntelsekunden einbrachte, gab der Franzose auf und sprach: „Ich dachte, ich ende lieber auf Platz zwei als in einer Schneemauer.“

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