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Probefahrt

Das sollten Sie beim probefahren beachten

Kundenberatung Foto: Beate Jeske

Die Besichtigung des Gebrauchtwagens liefert wichtige Erkenntnise über den Fahrzeugzustand. Letzte Klarheit über den Zustand des Autos liefert aber erst die Probefahrt. Auf diese sollten Sie unbedingt bestehen.

21.05.2013 Michael Rassinger

Nachdem Sie bei der Besichtigung den Gebrauchtwagen genau von außen betrachtet und im Motorraum Ölstand, Kühlwasser und Bremsflüssigkeit überprüft haben, geht es nun um die Fahreigenschaften. Eine gute Methode für den ersten Eindruck ist, zunächst den Verkäufer fahren zu lassen. Dies bringt den Vorteil mit sich, dass Sie als Beifahrer mehr beobachten können, da Sie nicht durch das Fahren mit einem unbekannten Fahrzeug abgelenkt sind. Die Probefahrt sollte bei Tageslicht stattfinden, da eine Nachtfahrt mehr Konzentration erfordert.

Schauen Sie beim Anlassen des kalten Motors auf die Kontrollleuchten: Falls die Maschine zügig anspringt (bei älteren Dieseln das Vorglühen nicht vergessen), sollten innerhalb weniger Sekunden alle Kontrolllampen erloschen sein. Dies ist im Regelfall ein Zeichen für das OK aller wichtigen Systeme, die dem Fahrbetrieb und der Sicherheit dienen. Wenn der Motor rund läuft, können Sie nochmals aussteigen und sich von der Funktion der Scheinwerfer samt Blinkern, Lichthupe, Nebelscheinwerfern und –schlußleuchte sowie Bremslichtern überzeugen. Lassen Sie nun den Verkäufer einige Kilometer fahren und beobachten Sie seine Fahrweise. Daraus lässt sich bei der Probefahrt zum einen schließen, ob er (als Privatverkäufer) mit dem Fahrzeug vertraut ist, zum anderen, ob seine Fahrstil vielleicht Mängel kaschieren soll.

Radio bleibt während der Probefahrt aus

Achten Sie darauf, wie das Auto beschleunigt und ob der Gangwechsel flüssig läuft bzw. die Automatik weich schaltet. Als entspannt sitzender Beifahrer nimmt man in der Regel die Federung und Rollgeräusche besser wahr. Ausgeleierte Stoßdämpfer und beschädigte Achslager spürt und hört auch ein Laie. Während der Besitzer steuert, können Sie bequem Funktionen wie Gebläse, Klimaanlage, Fensterheber, Schiebedach, Navigation, Radio u.a. ausprobieren, ohne sich auf den Verkehr konzentrieren zu müssen. Schalten Sie das Radio aber wieder ab, da es ein Ablenkungsfaktor ist.

Bitten Sie schließlich darum, auf einem Parkplatz oder einer freien Straße ohne viel Verkehr das Steuer übernehmen zu dürfen. Vorher müssen Sie sich erkundigt haben, wie das Fahrzeug derzeit versichert ist, denn alle Schäden bei einer Probefahrt gehen zu Lasten des Fahrers. Die Haftung wird allerdings durch Haftpflicht- und Kaskoversicherung auf die Selbstbeteiligung und den Rückstufungsschaden für den Fahrzeughalter beschränkt. Auch Verkehrswidrigkeiten gehen selbstverständlich auf das Konto des Fahrers, der sie verursacht. Fahren Sie keinesfalls mit einem unbekannt oder unzureichend versicherten Auto, denn Sie nehmen das volle Risiko auf sich und haften für alle Schäden! Der ADAC bietet hierzu eine Probefahrtvereinbarung auf seiner Webseite an.

Beim probefahren alle Funktionen selbst testen

Nachdem Sie hinter dem Steuer Platz genommen und Sitz und Spiegel eingestellt haben, probieren Sie alle Funktionen aus, die Sie bisher nicht testen konnten. Betätigen Sie dann Blinker, Hupe und Scheibenwischer zur Probe und machen Sie sich mit der Gangschaltung vertraut: Wie legt man den Rückwärtsgang ein? Sind alle Gänge im Stand gut und gleichmäßig zu schalten? Anschließend wird die Kupplung auf ordnungsgemäße Funktion überprüft. Ziehen Sie dazu die Feststellbremse an, legen Sie den 3. Gang ein und lassen Sie die Kupplung langsam kommen. Der Motor muss nun absterben, ansonsten rutscht die Kupplung durch und ist demnächst zu erneuern. Ebenso spüren Sie am Verhalten des Motors bei dieser Prozedur, wie es um die Lager bestellt ist: Rüttelt und schüttelt das Triebwerk spürbar, bevor es abgewürgt wird, sind wahrscheinlich die Motorlager verschlissen.

Nun geht es auf die Piste: Fahren Sie bei der Probefahrt auf einer möglichst geraden und wenig befahrenen Straße und nehmen Sie die Hände vom Lenkrad. Zieht der Wagen daraufhin kontinuierlich nach links oder rechts, stimmt wahrscheinlich die Spur nicht. Auch ein Unfallschaden kann die Ursache für eine verzogene Spur sein.

Die Funktion der Bremsen testen Sie ebenfalls auf einer geraden und trockenen Straße mit wenig Verkehr. Beim Treten des Bremspedals muss eine gleichmäßige und weitgehend geräuschfreie Verzögerung eintreten. Die Bremswirkung ist auf beiden Seiten unterschiedlich, wenn das Fahrzeug nach rechts oder links zieht. In diesem Fall muss in der Werkstatt nachjustiert werden. Beim Bremstest sollten Sie ebenfalls die Wirkung des ABS testen. Am Besten machen Sie auf einer Nebenstraße mit Rollsplitt oder rutschigem Untergrund eine Vollbremsung bei Tempo 40, sofern niemand gefährdet werden kann. Wenn Sie nun aussteigen und deutliche Schleifspuren sehen, hat mindestens ein Reifen blockiert und das ABS versagt. Eine Reparatur ist teuer, ein defektes ABS verhindert die Zuteilung der HU-Plakette.

Getriebe, Anlasser und Beschleunigung checken

Testen Sie nun ausführlich die Gangschaltung, indem Sie alle Kombinationen während der Probefahrt und je nach Verkehrslage ausprobieren. Schnelles Hoch- und Runterschalten sowie das Überspringen von Gängen zeigt, ob das Getriebe sauber läuft oder verdächtige Geräusche von sich gibt. Achten Sie bei Fahrzeugen mit Turbolader auf den Durchzug und die Akustik desselbigen: Ein leises Singen oder dezentes Pfeifen beim Beschleunigen ist unbedenklich, lautere Geräusche deuten auf Probleme und eventuell teure Reparaturen hin. Bewegen Sie das Fahrzeug im Stadt-Modus mit viel Stop & Go und im Landstraßen- und Autobahnmodus mit hohen Gängen bei niedrigen, mittleren und hohen Drehzahlen. Testen Sie auch, ob das Lenkrad bei höheren Geschwindigkeiten zu vibrieren beginnt.

Bei einer Vollgasfahrt darf das Kühlmittelthermometer (falls vorhanden) nicht zu sehr ansteigen, muss sich aber bei langsamer Fahrt schnell wieder erholen. Ansonsten könnte ein Problem mit dem Thermostat vorliegen. Wenn eine Öldruckanzeige vorhanden ist, können Sie nach einer schnellen Fahrt den Motor überprüfen. Halten Sie während der Probefahrt an einer sicheren Stelle an, schalten Sie in den Leerlauf und beobachten Sie den Öldruck. Sinkt er deutlich ab, hat das Triebwerk Probleme mit dem Schmierstoffkreislauf und wahrscheinlich keine allzu lange Lebenserwartung mehr.

Zu guter Letzt checken Sie die Lenkung bei langsamer Fahrt und beim Einparken. Gibt sie bei Volleinschlägen Geräusche von sich? Hat sie deutliches Spiel? Beim Rückwärtseinparken können Sie prüfen, ob die Lenkung gut arbeitet. Müssen Sie zu stark kurbeln oder knarzt es deutlich hörbar, deutet dies auf Probleme im Lenkgetriebe hin.

Zeit nehmen für die Probefahrt

Eine ausführliche Probefahrt, wie sie hier beschrieben wird, nimmt normalerweise nur 30 bis 40 Minuten in Anspruch, lohnt sich aber in jedem Fall. Ein Verkäufer, der nichts zu verbergen hat, wird dem Kaufinteressenten diese anstandslos zugestehen. Bedenken Sie jedoch, dass man bei einem Gebrauchtwagen nicht den Gegenwert eines Neuwagens erwarten kann. Verschleißteile gehen ebenso wie andere Bauteile oft unerwartet kaputt und werden ab gewissen Kilometerständen fällig. Mit Defekten hat der neue Besitzer also immer zu rechnen.

Andererseits können Mängel, die bei der Probefahrt deutlich werden, dem Käufer auch einen Verhandlungsspielraum einräumen. Lässt der private Verkäufer jedoch nicht mit sich reden, ist er wahrscheinlich unseriös und hofft auf einen weniger kompetenten Abnehmer. In diesem Fall lohnt der Verzicht auf das Fahrzeug, denn die Sachmängelhaftung ist bei einem Privatverkauf in den allermeisten Fällen bereits im Vertrag ausgeschlossen.

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