Reifen-Zukunft: Runflat, Tweel und sprechende Reifen

Reifen-Zukunft

Die Reifenentwicklung hat klare Ziele: leichter, leiser, sicherer und leistungsfähiger. Nur schwarz und rund wird der Reifen bleiben. Geht dem herkömmlichen Reifen über kurz oder lang die Puste aus?

Zumindest wenn es nach den Größten im Gummi-Business geht, ist der luftfreie Reifen eines der heiß ersehnten Ziele. Denn eine Verbesserung der Pannensicherheit rangiert in den Lastenheften der Reifenköche mit an oberster Stelle. Didier Miraton, geschäftsführender Gesellschafter und Leiter des Technikzentrums bei Michelin, ist sich sicher: "Der Airless-Reifen wird kommen. Wir erproben ihn schon bei Baumaschinen."

Tweel: Rad-Reifen ohne Luftdruck

Ein Lösungsansatz hierfür ist das "Tweel". Dieses kommt schon bei Motorrollern zum Einsatz, auch bei Rollstühlen findet es Verwendung. Beim Automobil ist der flächendeckende Einsatz der Rad-Reifen-Kombination, die völlig ohne Luftdruck auskommt, noch Zukunftsmusik. Gegenüber herkömmlichen Reifen übernehmen beim Tweel hochflexible, zwischen Laufstreifen und Felge angeordnete Speichen die Dämpfungsaufgaben. Neben einer Verbesserung des Rollwiderstands soll das System den Vorteil bieten, dass die Steifigkeit des Reifens in vertikaler und horizontaler Richtung unabhängig voneinander abgestimmt werden kann.  

Selbstheilender Reifen von Pirelli


Der italienische Reifenmulti Pirelli forscht hingegen in anderer Richtung. Beim "selbstheilenden Reifen" registriert ein im Ventil integrierter Sensor einen etwaigen Druckverlust und meldet dies einem externen, in die Felge integrierten Luftbehälter. Aus dessen Reservoir werden die abfallenden Druckverhältnisse kompensiert. Eine langanhaltende Heilwirkung hat dieses Konzept zwar nicht, aber zumindest ist es in der Lage, den Druckverlust zu verlangsamen, um eine rettende Werkstatt aufsuchen zu können.

Runflat-Reifen: Weiterfahrt trotz Luftverlust

Der Runflat-Reifen verfolgt das gleiche Ziel, auch er gewährleistet eine Weiterfahrt trotz Luftverlusts. Dabei stützt sich der malade Reifen auf stabilen, mit mehr Gummi ausgearbeiteten Flanken auf. Allerdings kollidiert die Runflat-Technologie - neben den spürbaren Komforteinbußen - mit einem weiteren, wenn nicht sogar dem wichtigsten Entwicklungsziel: der Verringerung des Rollwiderstands.

Vor allem im Zeitalter der CO2-Reduzierung kommt der Thematik Leichtlaufreifen eine immer höhere Bedeutung zu. Michelin-Mann Miraton hat hierfür klare Vorstellungen: "Bis 2030 wollen wir den heutigen Rollwiderstand noch einmal halbieren." Franco Annunziato, Leiter des europäischen Entwicklungszentrums von Bridgestone, spricht von minus 20 Prozent bis zum Jahr 2015. Die Reifenzukunft ist ein Weg der kleinen Schritte, und dieser ist gepflastert mit Kompromisslösungen. Die Automobilindustrie fordert einerseits weniger Rollwiderstand. Andererseits darf die Sicherheit, allen voran der Nassgrip, nicht leiden.

Die Reifen der Zukunft werden sich weiter spezialisieren

Kleine, schmale Konstruktionen für den Stadtwagen mit Elektromotor, leichtere Pneus für den Sportwagen. Der wesentliche Fortschritt künftiger Entwicklungen liegt im spezifischen Materialmix begründet. Dabei führt die Reise "weg von auf Erdöl basierenden Komponenten und hin zu erneuerbaren Rohstoffen", prophezeit Xavier Fraiton von Goodyear. Das Chemielabor spielt also das Zünglein an der Waage - wie schon so oft in der über 100-jährigen Entwicklungsgeschichte des Reifens. So genannte funktionalisierte Polymere sind die jüngste Errungenschaft auf dem Gebiet der Synthesekautschuke. Durch gezielte chemische Modifikationen dieser Polymere wird Einfluss auf die Mischung und somit auf die Eigenschaften des Reifens genommen. Auch die Elektronik hält Einzug.

Der "sprechende" Reifen

Der Reifen wird noch mehr in das Gesamtsystem eingebunden und kommuniziert mit dem Auto. Sensoren im Innern des Reifen melden Informationen über den Reibwert der Straße, den Fahrzustand, die Temperatur und natürlich auch über den richtigen Luftdruck. So mag zwar dem Reifen irgendwann und in irgendeiner Form die Puste ausgehen, den Entwicklern aber sicherlich nicht.

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Jochen Übler

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