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Reise Australien

Rand-Erscheinung

Trip in die Einsamkeit: Auf dem Weg von Adelaide gen Westen erleben Reisende die Zivilisation vornehmlich als endloses Asphaltband. Im Holden Monaro auf Entdeckungsfahrt am südlichen Rand Australiens.

02.12.2006

Der Adler breitet seine Schwingen aus. Gestört beim abendlichen Imbiss auf einem offensichtlich von einem Auto erlegten schweinsgroßen Wombat, hebt er ab. Hinter dem Steuer des Holden Monaro bleibt wenig Zeit, den Anblick von zwei Meter Flügelspannweite zu bewundern. Denn das so abrupt beendete Dinner findet 800 Kilometer westlich von Adelaide statt, auf der Schotterpiste zwischen Cactus Beach und Highway.

Mitten auf der Route, genau hinter einer Kuppe, die das 354 PS starke Coupé Sekunden zuvor erklommen hat. Bremsen wäre da vollkommen sinnlos. Stattdessen reiße ich  das Steuer nach links, haarscharf zwischen Adler-Mahlzeit und Steinwall am Straßenrand hindurch. Das Heck bricht aus. Gegenlenken hält den Wagen gerade noch auf der Piste. Die Besatzung ist schlagartig hellwach. Aus der Höhe ertönt ein beleidigter Schrei.

Die oft eintönige Landschaft im Süden des australischen Kontinents nagt bei langen Etappen an der Konzentration. Felder mit Getreide und Gräsern in verwaschenen Gelb-grün-Tönen, nur selten unterbrochen von Menschenansiedlungen oder Eukalyptus-Wäldern. Dazwischen eine schnurgerade Straße, die direkt in den Horizont zu führen scheint. Die Fahrt zur Nullarbor-Ebene, einem baumlosen Nationalpark genau in der Mitte der Südküste, nimmt auf den letzten 500 Kilometern hypnotisierende Züge an.

Endlosschleife im Sendersuchlauf 

Der Sendersuchlauf im Radio dreht eine Endlosschleife. Hier ist man mitten im Nichts. Kurz: eine Strecke, die man am liebsten im Eiltempo hinter sich lassen möchte.

Doch das ist aus zwei Gründen nicht ratsam. So ignoriert die örtliche Tierwelt – wie die Begegnung mit Raubvogel und Wombat zeigt – sämtliche Verkehrsregeln. Den Fahrern der bis zu 50 Meter langen Roadtrains mag das einerlei sein, aber sitzt man in einem Auto, hat die Begegnung nicht nur für die Tiere Folgen. Außerdem gilt in Südaustralien ein Tempolimit von 100 Kilometern pro Stunde. Wer darauf setzt, dass sich in diese Ödnis kaum ein Polizist auf Streife verirrt, täuscht sich: Der Eyre Highway, die wichtigste West-Ost-Verbindung des Landes, ist definitiv keine radarfreie Zone. Eher im Gegenteil. Hier kontrollieren die Ordnungshüter zweier Bundesstaaten: die aus Südaustralien, weil sie zuständig sind, die aus Westaustralien nur so zum Zeitvertreib. Sie bringen ihre Dienstwagen nämlich im Süden in die Werkstatt. Die liegt in Ceduna an der Eyre-Halbinsel, ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Adelaide und Nullarbor.

Knöllchen verteilen als Beschäftigungstherapie

Also Fuß vom Gas. Doch warum steuert der Monaro in diese scheinbare Eintönigkeit?

Einfach weil die Gegend bei genauerer Betrachtung alles andere als öde ist. Sicher, das Meer sieht man vom Highway eigentlich nie, doch dort, wo kleine Pisten nach Süden abzweigen, erwartet den Reisenden eine wilde Küste. Weitläufige Sandstrände wechseln sich ab mit schroffen Klippen. Die Brandung ist unter Surfern legendär. Viele Stellen, berichtet Wellenreiter Steve respektvoll, seien aber nur etwas "für Kamikaze-Typen oder echte Profis“. Also kein Ort für gemütliche Badeurlauber, für Naturliebhaber dafür umso mehr. Denen bietet sich zwischen Juli und Oktober am Rande des Nullarbor-Nationalparks am Head of Bight ein besonderer Anblick.

Direkt am Fuße der rund 60 Meter hohen Bunda-Klippen prusten massige dunkle Körper Dampfwolken in den Himmel. Eng neben den bis zu 17 Meter langen und 80 Tonnen schweren, fast schwarzen Fleischbergen schwimmen etwa sechs Meter lange Miniaturausgaben im blauen Ozean: Die Weibchen der Südlichen Glattwale verbringen den australischen Winter mit ihren Kälbern direkt an der Küste. Unter der Aussichtsplattform dümpeln fünf Mütter mit den bei der Geburt rund eine Tonne schweren Babys im Wasser. Der Ort Nullarbor selbst besteht vor allem aus dem Roadhouse mit Tankstelle, Motel und Camping-Platz. Auf den ersten Blick ein verlorener Außenposten der Zivilisation.

Einst war hier eine Schafstation, aber im Nationalpark haben die Wolle-Lieferanten nichts mehr verloren. Übrig geblieben sind ein paar Gebäude fürs Personal, eine Landebahn für die Flugzeuge der Flying Doctors sowie ein Autofriedhof mit Wracks aus vier Jahrzehnten. Bis zum Horizont sind nur hüfthohe, verkümmerte Sträucher zu sehen, doch unter der Oberfläche erstrecken sich ausgedehnte Höhlensysteme. Die Aborigines nutzten die Hohlräume, in denen ohne weiteres ein Doppelhaus verschwinden könnte, als Unterschlupf. Malereien und Handabdrücke künden von dieser Zeit.

Der Ausflug in die Unterwelt ist nur kurz, dann steuert der Holden Monaro wieder gen Osten Richtung Eyre-Halbinsel. Rund 400 Kilometer durch eintönige Weiten. Nach Stunden übertönt plötzlich eine Gitarre das Brabbeln des 5,7-Liter-Achtzylinders, U2 besingen einen "Beautiful day“. Das Radio hat Empfang, die Zivilisation ist nicht mehr fern. Ceduna, ein 3000-Seelen-Nest am westlichen Rand der Halbinsel, wirkt nach der Einsamkeit wie eine Weltstadt. An einem Kreisverkehr hysterisches Kreischen. Verwundert stoppt der Monaro-Fahrer. Ein weißer Wagen hält daneben. Die blonde Beifahrerin ist ebenso aus dem Häuschen wie ihr Chauffeur: „Hey, what a great car!“

Der orangefarbene Holden kommt an. Auf dem Land genießt der Sportler ein Ansehen wie in den USA ein Ford Mustang.

Eine Blondine kreischt

Die Insassen des Traumautos erwartet auf der Halbinsel eine Art Australien im Miniformat: Im Norden locken die Gawler Ranges mit Kängurus, Salzseen und roter Wüste die Offroad-Freaks, an der Küste kann man an der Baird Bay mit Delfinen schwimmen und mit Seelöwen spielen. Alan Payne schippert Touristen zu den Kolonien der verspielten Meeressäuger. Wer will, kann die Angel auswerfen. Kurz: der richtige Ort, um sich wieder an Menschen zu gewöhnen, bevor es weitergeht in die 600 Kilometer entfernte Millionen-Stadt Adelaide.

Tipps für den Süden Australiens:

  • Anreise: Qantas (www.qantas.de) fliegt täglich von Frankfurt über Singapur nach Adelaide. Weiter zur Eyre-Halbinsel fährt man am besten im Mietwagen.
  •  Touren: Der Veranstalter Selfdrive Australia (www.selfdriveaustralia.com.au) organisiert maßgeschneiderte Touren inklusive Mietwagen und Unterkunft und bietet deutschsprachigen Service in Australien. Spezialisiert auf die Region der Eyre- Halbinsel ist Gawler Ranges Wilderness Safaris (www.gawlerrangessafaris.com). Der Schwerpunkt liegt bei Erkundungstouren im Busch mit Übernachtung in Safari-Zelten sowie auf Rundfahrten entlang der Küste inklusive Bootsausflügen zu den Seelöwen in der Baird Bay (www.bairdbay.com).
  •  Geschichte: Wissenswertes über die Vergangenheit der Eyre- Halbinsel erfährt man im Wadlata Outback Centre in Port Augusta (www. portaugusta.sa.gov.au). Das Museum gibt einen Überblick über Geologie, Flora und Fauna sowie die interessante Geschichte der Siedler im Süden Australiens.
  •  Reisezeit: Im australischen Frühling und Frühsommer zwischen September und November ist die angenehmste Jahreszeit mit Tagestemperaturen um 22 Grad. Im Hochsommer (Dezember bis Februar) ist es vor allem für Touren in Nullarbor oder den Gawler Ranges zu heiß.

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