Jetzt auch für: iPhone, iPad, Android und Windows
Marken
Themen
Artikel
Videos
Baureihen
Alle Treffer mit anzeigen

Reise Florida

Miami Weiss

Foto: Hardy Mutschler 12 Bilder

Florida bietet zur Weihnachtszeit viel mehr als nur künstlichen
Schnee. Eine Fahrt durch den radikal  geschmückten Sunshine State im Dodge Durango von Fort Myers nach Miami.

22.12.2006

Der Weihnachtsmann fährt einen Cadillac – und er wäscht ihn sogar selbst. "Ja, ich bin Mister X-Mas“, grinst Harvey Schwarz, während er sorgfältig die Wassertropfen vom glänzenden Lack seines 80.000-Dollar-Wagens wischt. Damit daran auch gar keine Zweifel aufkommen, hat sich der 65-Jährige das entsprechende Wunschkennzeichen gesichert. Die ungeteilte
Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen ist ihm damit im Weihnachtsverrückten Amerika sicher, der Geschäftsmann aus Chicago genießt seinen Auftritt in vollen Zügen.
Wie viele andere verbringt er Weihnachten im warmen Florida. Den unzähligen Touristen, die nur über die Feiertage für einen kurzen Urlaub gekommen sind, hat Harvey aber eines voraus: Er ist ein so genannter Snowbird. Das sind meist Rentner, die wie die Zugvögel dem feuchten und kalten Norden ihres Landes entfliehen, um im Sunshine State zu überwintern. Sie kommen im Herbst und bleiben meist für mehrere Monate dort. Florida wird damit seinem Ruf als Altersheim der USA gerade in dieser Zeit gerecht. Temperaturen um 25 Grad, viel Sonnenschein und selten Regen sind gute Gründe dafür.


Diese Vorzüge des südlichsten US-Bundesstaates wusste schon Henry Ford zu schätzen. Bereits 1915 überredete ihn sein enger Freund, der geniale Erfinder Thomas Alva Edison, ihm in der kalten Jahreszeit in den Süden zu folgen. In Fort Myers, im tropischen Südwesten Floridas, hatten die beiden ihre Winterhäuser, die heute als Museen besichtigt werden können.


In der Garage von Fords Haus steht noch immer eine Tin Lizzy, das Fahrzeug, mit dem Henry Ford in die Automobilgeschichte einging. Die Anwesen der beiden Pioniere der Industriegeschichte sind um diese Jahreszeit selbstverständlich weihnachtlich, aber für hiesige Verhältnisse eher dezent und geschmackvoll geschmückt: Im Garten steht ein mächtiger Weihnachtsbaum mit goldenen Kugeln.

Was jedoch in vielen anderen Vorgärten nach einem sehr amerikanischen Ritual inszeniert wird, hätte Edison, bekanntlich
auch Erfinder der Glühbirne, sicherlich hoch erfreut. Schon
seit Thanksgiving werden unschuldige Hecken und Garagen mit Meterware blinkender und leuchtender Lichterketten behangen, Schneemänner aufgeblasen und von innen illuminiert, Palmen mit Lametta verziert und Rasenflächen mit weißem Vlies bedeckt.

Selbst die coolsten Pickup-Trucks tragen zum Fest ein rotes Schleifchen am Kuhfänger. Die nächtliche Fahrt durch die Wohngebiete von Fort Myers Beach gleicht der Reise durch einen psychedelischen Weihnachtsmarkt: Es glitzert und blinkt an Bäumen und an Hausfassaden, doch die Motive erinnern mehr an Disneyland als an biblische Krippendarstellungen. Durch lokale Dekorationswettbewerbe hoch motivierte Hausbesitzer wuchten, auf klapprigen Leitern stehend, glitzernde  Plastikhirsche auf ihre Vordächer, und verzurren beeindruckende Rentierrudel zwischen Bugainvillea-Sträuchern und Banenstauden.

Im Jingle-Bells Sperrfeuer gefangen


Zu ihnen gehören auch Jim und Pat Nolan, mehrfach ausgezeichnete Gewinner des von der örtlichen Handelskammer
ausgerufenen Weihnachtsbeleuchtungs-Wettkampfes von
Fort Myers Beach. Pat erklärt stolz, dass sie niemals in direkt
aufeinander folgenden Jahren denselben Schmuck verwende
und all ihre Kreativität in die Anordnung des Lichtermeeres
fließen lasse. Ihr Mann Jim müsse dann nur noch alles verkabeln. Auf die Frage nach den Auswirkungen auf seine Stromrechnung bleibt der ehemalige Versicherungsfachmann sehr entspannt: "Ein paar hundert Dollar mehr, das ist keine große Angelegenheit.“


Der Versuch, dem Jingle-Bells-Sperrfeuer in den Shopping Malls und den Lebkuchendüften aus der Spraydose an den Uferpromenaden zu entkommen, treibt den Ruhe suchenden Urlauber unweigerlich in die Everglades im Hinterland. Auf der beschaulichen Route des Tamiami Trails, der mitten durch die Mangrovensümpfe führt, kann man, nur durch einen schmalen Kanal von der Fahrbahn getrennt, mit etwas Glück hunderte Alligatoren beobachten.


Ein Schauspiel, das sich so nur im Winter erleben lässt: Weil es den wechselwarmen Amphibien in den schattigen Gewässern zu kalt ist, lassen sie sich am Rand der dichten Sumpfwälder zum Sonnenbaden nieder und dösen dort stundenlang unbeweglich vor sich hin. Entlang des Trails in Ochopee findet sich auch das kleinste Postamt der Vereinigten Staaten, eine Hütte nur unwesnetlich größer als der Durango. Eine prima Gelegenheit, die Weihnachtspost abzuschicken.

Kommentar schreiben

Es ist noch kein Kommentar vorhanden. Seien Sie der Erste und sagen Sie und Ihre Meinung.

Neues Heft
Empfehlungen aus dem Netzwerk
Autokredit berechnen
Anzeige
Whatsapp
Immer auf dem neuesten Stand mit unserem WhatsApp-NewsletterJetzt kostenlos anmelden