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Reise im Triumph TR 6

Hoch-Gefühl auf Madeira

Triumph TR 6, Madeira, Berge Foto: Michael Schršder 25 Bilder

Madeira, die Insel des ewigen Frühlings, ist ein ideales Reiseziel. Portugals Außenposten im Atlantik verwöhnt das ganze Jahr hindurch mit milden Temperaturen. Ideal für Oldtimerfreunde.

20.06.2012 Michael Schröder Powered by

Die Straße wirft sich sofort mächtig ins Zeug. Kurven und Kehren, die entweder Schwindel erregend hoch über dem Atlantik in den Berg gehauen wurden oder im nächsten Moment für ein kurzes Stück direkt am Wasser entlang führen. Dazwischen absurd steile Passagen, wie man sie bestenfalls in den Alpen vermuten würde, und allenthalben Häuser, die aus schierer Platznot wie Adlerhorste in den Felsen hängen. Auf Madeira, so viel ist bereits nach wenigen Kilometern klar, spielt sich das Leben in der Vertikalen ab.

Auf Madeira herrscht fast immer ideales Roadsterwetter

Der erste Halt nach nicht einmal 20 Minuten Fahrt und gleich das Postkartenmotiv der Insel schlechthin: Das westlich der Hauptstadt Funchal gelegene Cabo Giráo gilt als zweithöchste Klippe der Welt, knapp 600 Meter freier Fall und eine Aussicht über die tiefblaue See jenseits von Gut und Böse. "Die Südküste bietet bereits vieles von dem, was den einzigartigen Reiz Madeiras ausmacht", schwärmt Roland Bachmeier.

Der Hotelier und Oldtimerfan lebt bereits seit 1968 auf Portugals atlantischem Außenposten und besitzt neben einem Austin-Healey und einem Jaguar XK 140 eine Flotte von sechs Triumph TR 6, mit denen seine Hotelgäste geführte Touren über das Eiland unternehmen können. Bachmeier schätzt den britischen Roadster, weil das Auto stark und genügsam sei. Ein festes Dach bräuchte man auf Madeira ohnehin nicht, allenfalls Mütze und Schal. "Die Temperaturen fallen selbst im Januar oder Februar selten unter 18 Grad, wir haben also immer ideales Cabrio-Wetter."

Weiter an der Küste entlang in Richtung Westen. Die warme Luft, die ins Cockpit strömt, riecht angenehm nach Salz, und der Blick über das Meer wirkt beruhigend und befreiend zugleich. Roland Bachmeier gibt fürs Erste ein gemütliches Tempo vor, während sein aus Österreich stammender Nachbar Gerald Bretterbauer mit seinem Riley RM quasi die Nachhut bildet.

Madeirenser sind vollkommen autoverrückt

Die beiden Inselkenner wollen mir zwei Tage lang die schönsten Strecken Madeiras zeigen, wohl wissend, dass so ein rot-grün-rotes Klassiker-Trio natürlich auffällt. Wildfremde Menschen grüssen und winken, sobald wir auftauchen. "Madeirenser sind vollkommen autoverrückt", erklärt Bachmeier während der nächsten Pause in einer Strandbar im charmanten Ponta do Sol. Es gäbe sogar eine sehr aktive Oldtimerszene auf der kleinen Insel. Und auch einen Club, der stets im Juni eine viertägige Oldtimer-Rallye veranstaltet, die sogar Teil des internationalen FIVA-Kalenders ist. "In diesem Jahr findet die Volta à Madeira Classic Rallye bereits zum 25. Mal statt", ergänzt Riley-Fan Gerald Bretterbauer. Es versteht sich von selbst, dass die beiden Männer Mitglieder im "Clube Automóveis Clássicos da Madeira" sind.

Perfektes Terrain für Oldtimerfreunde

Wenige Kilometer später steigt die Küstenstrasse hinter Calheta abermals steil an. Die beiden Triumph und der Riley verschwinden für eine Weile in einer dunklen Schlucht, um nach vielen wilden Haken ihren Trip schließlich ein paar hundert Meter oberhalb des Atlantiks fortzusetzen.

Laut Karte erwartet uns während der nächsten 40 Kilometer bis zum Hafenort Porto Moniz kein gerades Stück Straße mehr - perfektes Roadster-Terrain in einer tropisch anmutenden Welt: Eukalyptusbäume, Bananen, riesige Farne, Bougainvilleen und Hortensien gedeihen gleich neben der Strecke, und von hoch oben ergießt sich schon mal ein Wasserfall auf den geschundenen Asphalt. Einheimische nutzen diese Gelegenheit, um ihre Autos von Staub und Dreck zu befreien - indem sie im Schritttempo direkt unter den Strahl fahren. Wir in unseren offenen Klassikern hingegen sind gezwungen, uns möglichst dicht an der Felswand entlangzuzwängen, um zumindest einigermaßen trocken zu bleiben.

Kurz vor Porto Moniz schließlich der Abzweig, der endgültig auf das Dach der Insel führt - die genau genommen die Spitze eines Gebirges ist, das rund 1.900 Meter aus dem Wasser ragt. Rasch knackt der von mannshoher Baumheide flankierte Weg die 1.000-Meter-Marke und zieht sich nach einer Weile durch eine Landschaft, die plötzlich an Schottland erinnert. Sogar das Wetter würde auf einmal perfekt in den Norden Englands passen: Ein bitterkalter Wind jagt dunkle Wolkenfetzen über die Hochebene von Paúl da Serra.

Von wegen kein Winter auf Madeira! Die Temperatur ist auf einer Höhe von über 1400 Metern deutlich unter zehn Grad gefallen, statt Sonnenbrille trage ich Handschuhe und die Mütze tief im Gesicht und habe die Heizung auf Maximal gestellt. Nur ab und zu blitzt die Sonne durch, selten gestatten Löcher im Nebel einen kurzen Ausblick auf die wild geformte Felsbastionen oder den Atlantik unter uns. Der Kontrast zur frühlingshaften Südküste könnte nicht größer sein.

Madeira - weltfremd und mystisch

Doch ein Abstecher, darauf bestehen meine beiden Tourguides, muss rasch noch sein, bevor es wieder hinab in die Wärme geht. Über die Straße in Richtung Ribeira da Janela bis zu einer Gruppe uralter, scheinbar für ewig im Nebel gefangener Lorbeerbäume. "Ein wahrhaftig mystischer Ort", schwärmt Roland Bachmeier. Ein weltfremder auf jeden Fall, der bereits seit 1999 zum Welterbe der UNESCO gehört.

Über den spektakulär angelegten Encumeada-Pass fallen wir wieder auf Meereshöhe hinab. Der Blick aus meinem Cockpit reicht über wildgefaltete Bergrücken, tiefe Canyons und schroffe Steilküsten - von dem rund 1.000 Meter hoch gelegenen Übergang offenbart sich noch einmal die gesamte Dramaturgie, die Madeira zu bieten hat.

"Das schwer zugängliche Zentrum der Insel ist ein Paradies für Wanderer", erklärt Gerald Bretterbauer, dessen Frau tagtäglich mit Touristen zu Fuß in den Bergen unterwegs ist. Madeira sei seit Jahrhunderten von einem kunstvollen und insgesamt über 2.000 Kilometer langen Bewässerungssystem überzogen, den sogenannten Levadas. "Erst auf den parallel zu den Kanälen angelegten Pfaden gelangt man wirklich in das Herz der Insel", schwärmt Bretterbauer.

Königsetappe zum höchsten Punkt Madeiras

Tag zwei. Für heute hat sich mein Guide Roland Bachmeier quasi die Königsetappe aufgehoben: die Stichstraße hinauf auf den Pico do Arieiro - mit 1.818 Meter der höchste anfahrbare Punkt auf Madeira. Ich solle ihm einfach folgen, höre ich Bachmeier noch rufen, dann stürmen die beiden TR mit vollen Segeln auch schon bergan. Zuerst durch die Tropen, dann durch einen Kiefernwald und am Ende durch eine rotbraune Hochgebirgslandschaft. Maximale Dramatik und als finaler Paukenschlag ein 360 Grad Rundumblick, der alles bisher Gebotene wahrhaftig übertrifft.

Abflug in nördliche Richtung, dorthin, wo Madeira am grünsten, vom Klima her in der Regel aber auch am ungemütlichsten ist. Wir merken es am feuchtkalten Wind, der zudem auch noch dunkle Regenwolken über das steile, viele hundert Meter hohe Küstengebirge scheucht, das vollkommen von Moosen und Farnen überzogen ist. Der Wechsel von einer Klimazone in die nächste verläuft auf Madeira offensichtlich schneller als anderswo.

Mondäne Jachthäfen, Strände und schicke Uferpromenaden? Damit kann die schroffe Nordküste ebenfalls nicht dienen. "Dieser Teil der Insel ist touristisch lange nicht so erschlossen wie der sonnenverwöhnte Süden", erklärt Roland Bachmeier. Was meiner Meinung nach allerdings kaum an dieser einmalig verlegten Küstenstrasse liegen kann, die ab Faial über Santana und Ponto Delgada bis Porto Moniz führt.

Der spektakulärste letzte Abschnitt - er bleibt uns leider verwehrt. Steinschlag, Erosion und die raue See haben der ursprünglichen Trasse ab Seixal so zugesetzt, dass ein Befahren momentan als viel zu gefährlich gilt. Die neue Straße führt vergleichsweise unspektakulär durch unzählige Tunnels hindurch.

Schwamm drüber. Es gäbe da noch viele Wege, die ebenso spannend seien. Bachmeier und Bretterbauer haben ihre Autos bereits wieder gewendet.

Reise-Infos Madeira

Das portugiesische Madeira befindet sich rund 900 Kilometer südwestlich von Lissabon im Atlantik. Von Deutschland aus sind es rund viereinhalb Stunden Flug bis zur sogenannten "Insel des ewigen Frühlings", die auf engstem Raum eine Vielzahl von Landschafts- und Vegetationsformen bietet. Selbst im Winter sinken die Temperaturen kaum unter 18 Grad, oben in den Bergen kann jedoch für kurze Zeit schon mal Schnee liegen.

Für wintermüde Oldtimerfans bietet Roland Bachmeier, Inhaber der Galo Ressort Hotels, seinen Gästen geführte Insel-Touren in britischen Roadstern (Triumph TR 6) an. Eine Halbtagestour schlägt mit 175 Euro zu Buche, ein ganztägiger Ausflug mit 280 Euro. Die Hotelanlage (mit Tauchbasis und großen Spa- und Sportanlagen) befindet sich östlich der Hauptstadt Funchal. Hotelinfos finden sich unter www.galoresort.com. Ein fünftägiger Aufenthalt kostet je nach Saison inklusive Flug ab 588 Euro pro Person, buchbar bei Schauinsland-Reisen (im Reisebüro oder unter www.schauinsland-reisen.de ).

Über das Hotel lassen sich ebenfalls geführte Wandertouren entlang der unzähligen Levadas buchen. Die erfahrene Führerin Christa Dornfeld-Bretterbauer war bereits als Guide für National Geographic, Arte oder Pro7 unterwegs. Viele weitere Infos finden sich in den jeweiligen Madeira-Sonderheften von Merian (7,95 Euro) oder Dumont (8,50 Euro).

Der XK-Spezialist von Madeira

Die Werkstatt von Nelio Faria ist nur schwer zu finden - eine von außen unscheinbare Garage umgeben von Bananenstauden und weiteren tropischen Pflanzen am Stadtrand von Funchal. Der 44-jährige Karosseriebauer liebt diese Abgeschiedenheit - oder besser: Er braucht sie, wie er selbst erklärt, um sich ganz auf seine Arbeit konzentrieren zu können.

Faria, der sein Handwerk in England bei Rolls-Royce erlernt hat, fertigt hochwertige Karosserieteile für sämtliche Jaguar XK-Modelle an, die von Besitzern aus aller Welt geordert werden. Zu seinen Meisterwerken jedoch zählt die Restaurierung eines Delahaye 135 MS, der 2008 in Pebble Beach mit dem Titel "Best of Class" ausgezeichnet wurde. Kontakt: www.nsfcoachbuilders.com

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