Das Westküstenwetter kennt nur eine Konstante - den stetigen Wechsel. Der ausnahmsweise ausdauernde Drizzle verwandelt die löchrigen Nebenstraßen in wunderbare Seenplatten. Pfützen dürfen in Irland noch Pfützen sein, die mit steigender Regenintensität gerne zu kleinen Stauseen wachsen. Die maximale Wattiefe des Tiguan wird beim Durchfahren zwar kaum erreicht, aber die permanente Komplettwäsche und meterhoch spritzende Wasserfontänen bereiten zumindest dem Fahrer kindlichen Spaß.
Nördlichste der fünf Halbinseln ist Dingle
Die nördlichste der fünf Halbinseln, die sich wie lange Finger in den vom Golfstrom geheizten Atlantik strecken, ist zugleich die schönste: Dingle. Ihr Westzipfel zählt zum Spektakulärsten, was Irland zu bieten hat. Am Slea Head zerbröckelt das Land dramatisch in kleine Inseln, Klippen und Schären, die sich weit draußen im Meer verlieren. Die grünen Wiesen tragen weiße Sprenkel, die größeren sind Häuser, die kleineren Schafe. Breite schaumgekrönte Wellen rollen in die wunderschöne Coumeenoole Bay. Ein perfekter Ort, um einfach nur aufs Meer hinauszuträumen.
Weit dahinten ist Kanada ... Nicht ganz so weit ist es bis zu den gewaltigen Cliffs of Moher. Am Fuß der Klippen liegt der kleine Ort Doolin. Schmucklose Steinhäuser verteilen sich großzügig in den Wiesen. Lediglich an strategisch wichtigen Punkten, also rund um einen Pub, drängen sich mehrere Häuser zusammen. Nirgendwo sonst spürt man den Puls Irlands deutlicher als in einer der zahlreichen Kneipen, die die Iren gerne als ihr verlängertes Wohnzimmer bezeichnen. Das bitterdunkle Guinness fließt abends in Strömen. Manchmal hocken ein paar Einheimische vor dem Torffeuer-Kamin und intonieren irische Lieder, begleitet von Akkordeon, Gitarre und Flöte.
Gewaltige Naturschauspiele
Über Nacht kündigt sich ein neuerlicher Wetterwechsel an, diesmal in Form eines waschechten Sturmtiefs. Der Luftdruck fällt rasant, die Windstärke nimmt in gleichem Maße zu. Wo könnte man den entfesselten Atlantik besser erleben als an den Cliffs of Moher? Bei Windstärke zehn ist das allerdings nicht so einfach, denn kontrolliertes Gehen ist kaum noch möglich. Dafür begeistert der adrenalinfördernde Blick in die Tiefe. 200 senkrechte Meter stürzen die Klippen in den aufgewühlten Atlantik. Auf acht Kilometer Breite stemmt sich die schwarze Wand wie eine Riesenmauer dem Sturm entgegen. Gewaltige Zehn-Meter-Brecher rollen auf die Steilküste zu, überschlagen sich und zerplatzen zu hochhaushohen Gischtwolken, die der Sturm bis über die obere Klippenkante jagt. Ein faszinierendes, gewaltiges Schauspiel. Das Barometer ist auf 970 Millibar gefallen. Verdammt niedrig für einen Wintertag in Irland.


